NRW-Minister fordert „Corona-Purge“ – und will den Deutschen für einen Tag ihre Freiheit zurückgeben

Angst (Bild: shutterstock.com/Von Vikafoto33)

Im Hollywood-Schocker „The Purge“ („Die Reinigung“), der in einer dystopischen Zukunft der USA spielt, gewährt die Regierung ihren Bürgern einen Tag des Jahres, an dem alle Straftaten und Gewaltverbrechen völlig straffrei bleiben, an dem jeder seinen niedersten Instinkten freien Lauf lassen kann und jeder für 24 Stunden Herzenslust morden und metzeln darf. An dieses perverse Szenario, mit umgekehrten Vorzeichen freilich, erinnert unwillkürlich der heutige Vorstoß von NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP): Er will an einem Tag des Jahres, nämlich am 3. Oktober – zynischerweise dem Tag der Deutschen Einheit – einen „Tag der Freiheit“ einführen, an dem alle Corona-Maßnahmen und Grundrechtsbeschränkungen ausgesetzt werden sollen.

So etwas schlägt allen Ernstes ein liberaler Politiker vor – einer, der nach Programm Überzeugung nicht für einen „Tag der Freiheit“, sondern ständige und ewige Freiheit einstehen müsste. Einmal ganz von der Tatsache abgesehen, dass zum 3. Oktober – nach allen Versprechungen und Verheißungen Merkels und Spahns noch im Frühjahr – sowieso keine dieser Beschränkungen mehr gelten dürfte, weil bis dahin wohl jedem Deutschen sein „Impfangebot gemacht wurde„, ja dass die Wiederherstellung der alten Normalität durch überfällige Aufhebung der „epidemischen Lage“ schon längst hätte erfolgt sein müssen: Stamps Vorschlag beweist eindrucksvoll, wie weit sich die Regierenden in diesem Land vom Boden des Grundgesetzes, vom Kernparadigma einer freiheitlichen, selbstbestimmten Bürgergesellschaft entfernt haben. Nur in einem Gefängnis kann den Insassen die Inaussichtstellung von Freiheiten als großzügiges Entgegenkommen, als Testlauf für vorheriges Wohlverhalten und als „Ausnahme“ schmackhaft gemacht werden – denn in Freiheit braucht es keinen einzelnen „Tag der Freiheit“.

Geht es nach dem Willen Stamps, dann sollen – „nach dem Beispiel Englands“ – an diesem nationalen „Tag der Freiheit“ vorübergehend „die meisten Corona-Beschränkungen fallen. Alle sind für sich selbst verantwortlich.“ Zur Erinnerung: In einer Demokratie und Republik, die diesen Namen verdient, sind Menschen sowieso nur sich selbst verantwortlich; die Regierung darf nur in engen Grenzen Vorgaben schaffen und überwachen – und sie ist den Bürgern verantwortlich, nicht umgekehrt. Das Corona-Regime ist den Coronazis in Bund und Ländern jedoch inzwischen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie Privatautonomie, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung für etwas Gemeingefährliches halten, für Rücksichtslosigkeit und uneinnehmbare Risikozumutungen. In England und den USA hat man dies begriffen bzw. gar nicht erst vergessen – und deshalb sind in Amerika vielerorts seit etlichen Monaten, in Großbritannien immerhin seit heute die Corona-Restriktionen abgeschafft worden. Nicht nur für einen Tag, sondern permanent. Das ist der Normalzustand in Ländern, deren Gesellschaften und Politiker normal ticken.

Nicht so in Deutschland. Hier ist die Hysterie, Gehirnwäsche und erfolgreiche Angstverhetzung der Bevölkerung – erst zur Rechtfertigung von sinnlosen Dauerlockdowns, dann zur Ankurbelung der Impfbereitschaft – so weit fortgeschritten, dass viele Deutsche selbst es unverantwortlich, barbarisch und unzivilisiert finden, wenn sie ohne Nanni-Staat, ohne Zollstock, Verbotsvorschriften und Kontrolle ihrer infektiologischen „Unbedenklichkeit“ durch GGG-Regeln aufeinander losgelassen werden soll; und sei es nur für einen Tag:

(Screenshot:Twitter)

Das sind die Geister, die Merkeldeutschlands Corona-Politik seit 16 Monaten rief – und die Stamp nun auf die Barrikaden treibt. Eben ganz wie bei „The Purge“, wo es am besagten Tag der Straffreiheit und garantierten Amnestie lebensgefährlich ist (Stichwort „Schädel eintreten dürfen„), das verrammelte Haus zu verlassen. Vermutlich war diese perfide Parallelität Minister Stamp sogar bewusst; ansonsten hat er unbewusst eine wahrhaftige Bilderbuchparabel auf den „Purge“-Plot abgeliefert. Was Stamp – übrigens stellvertretender Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes – hier unterschwellig zum Ausdruck bringt, ist nämlich nichts anderes als die Unterstellung, dass die Deutschen mit Normalität nicht umgehen können und im Bürgerkrieg versenken würden, wenn der Staat ihnen nicht 364 Tage im Jahr enge Grenzen setzt und sie von der „tödlichen“ Wahrnehmung ihrer Eigenverantwortung fernhält.

Wenn Politiker angesichts einer zur „Pandemie“ aufgeblasenen, statistisch sowohl bei Sterbefällen unauffälligen als auch bei hospitalisierten Fällen zu keinem Zeitpunkt systemgefährdenden Infektionskrankheit, unter wohlwollender medialer Begleitmusik im Juli 2021, ohne für verrückt erklärt zu werden, fordern, dass alle Veranstaltungen mit vielen Menschen „nur noch Geimpften und Genesenen offenstehen“ dürfen (laut Stamp sind dies etwa „Bundesliga-Auftakt, Festivals, Konzerte, die Dorf-Kirmes oder Schützenfeste), während alle anderen ausgegrenzt werden sollen, bis eben auf einen großzügig gewährten Karenztag im Oktober: dann stimmt mit dieser Gesellschaft etwas ganz gewaltig nicht. Dann ist dieses Land definitiv auf dem nächsten historischen Irrweg. Und dann wird es für jene, die noch klar sehen und denken können, allmählich Zeit, die Koffer zu packen. (DM)