„Gendern“ als totalitäres Symptom: Wem gehört das Denken in Deutschland?

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Deutscher Teddybär mit Schlafmütze - Foto: Imago

Eine grünlich anmutende Minderheit in Deutschland reißt sich buchstäblich die deutsche Sprache unter den Nagel, erklärt bestimmte Wörter zu Unwörtern, und verunstaltet andere Wörter mit „Gendersternchen“, Unterstrich, Binnen-I und ähnlich infantilem Kokolores. Infantil ist nämlich die Unterstellung, es würde eine Sache ändern, wenn man sie nur anders benennt. Klartext.

von Max Erdinger

Das Gefährlichste am Gleichheitsgedanken ist, daß er sogar ausgesprochen unterdurchschnittlichen Geistern gerecht vorkommt. Daß „Diskriminierte“ und „Benachteiligte“ aller Art häufig bei den simpel Gestrickten zu finden sein könnten, ist nicht nur eine Vermutung. Weil die hellsten Köpfe sich nicht so ohne weiteres „diskriminieren“ oder „benachteiligen“ lassen würden, geschweige denn, daß sie sich Fürsprecher suchen würden, die ihnen Atteste über ihre „stukturelle Benachteiligung“ ausstellen. Condoleezza Rice, Barack Obama, Thomas Sowell, Clarence Thomas und viele andere „African Americans“ wären niemals geworden, was sie geworden sind, wenn sie sich, anstatt auf sich selbst, darauf verlassen hätten, daß es die schwarzen und weißen Gleichheitsquassler schon für sie richten werden. Erfolgreiche Frauen sind auch nicht wegen der Quote erfolgreich.

In Deutschland ist der Gleichheitsgedanke bei den Denkfaulen ganz besonders beliebt. So beliebt ist er, daß postuliert wird, Männer und Frauen seien praktisch nicht voneinander zu unterscheiden, weswegen sie zwanghaft „gleichgestellt“ werden müssten, jedenfalls soweit es ihre „Rechte“ angeht. Über die Pflichten reden die Gleichheitsfetischisten eher ungern. Eine Wehrpflicht für Frauen fordert auch in der Diskussion um ihre Wiedereinführung niemand. Es ginge ja auch ohne Frauen um eine „allgemeine Wehrpflicht“. So kommt es ebenfalls – um nur ein Beispiel zu nennen – daß Frauen, obwohl das aufgrund ihrer grundgesetzlich garantierten Gleichberechtigung problemlos anders sein könnte, sich noch immer nicht in nennenswertem Umfange für ein Studium des Maschinenbaus interessieren. Hier schreit aber niemand nach „Gleichstellung“. Wie limitiert denkfaule Gleichheitsfetischisten tatsächlich sind, läßt sich schon daran feststellen, daß sie „Gleichberechtigung“ (individuelle Chancengleichheit) nicht von „Gleichstellung“ (verordnete Ergebnisgleichheit) unterscheiden wollen.

Aus den Christen wurden „Christen und Christinnen“, wenn´s noch dümmer läuft, werden „wir“ bald ein „Christen- und Christinnentum“ haben. Allein „die Vergewaltiger, die Verkehrssünder, die Straftäter“ und ähnlich negativ Konnotiertes darf auch weiterhin nur in der männlichen Form fortbestehen. Überhaupt: Egal, wie unterschiedlich Menschen auch sind und wieviele Bezeichnungen es gibt, um sie genau zu benennen, wurden sie inzwischen alle nur noch zu den „die Menschen“. Europäer wurden zu „die Menschen in Europa“, während die Russen, sofern es sich um Anhänger Putins handelt, ganz einfach „Russen“ geblieben sind. Die „Menschen in Rußland“ hingegen sind solche, denen man in Deutschland voller Mitgefühl unterstellt, daß sie unter Putin zu leiden hätten. Daß das alles viel mit Unterbelichtung zu tun hat, läßt sich schon daran erkennen, daß keiner der Gleichheitsfetischisten je den Gedanken gehabt zu haben scheint, daß es noch nicht einmal um die Schaffung von totaler Ergebnisgleichheit gehen könnte, sondern darum, sich eine Ideologenclique als Vormund vor die Nase setzen zu lassen, auf daß die sich dann bequem und parasitär von ihrem Gleichheitsgefasel ernähre. Auf Kosten der ins egalitäre Delirium Gequatschten.

Alan Posener in der „Zeit“

Ohne jeden Beleg behauptet Alan Posener in der „Zeit„: „Das Gendersternchen schadet niemandem, auch wenn angebliche Sprachpuristen es gern anders darstellen. Sensiblen Sprachgebrauch vorzuschreiben, ist aber auch keine Lösung.“ – Das ist eine bemerkenswerte Einlassung, wenn man bedenkt, was das Gendersternchen theoretisch bewirken soll: Durch die Änderung der Sprache soll sich ja ein geändertes Bewußtsein einstellen. Daß jemand, der anderen Leuten ein geändertes Bewußtsein verpassen will, zugleich niemandem schaden wollen kann, ist eine unhaltbare Behauptung. Natürlich will er jemandem schaden – und zwar demjenigen, der sich partout kein geändertes Bewußtsein aufzwingen lassen will. Und daß es um „angebliche Sprachpuristen“ ginge, ist genauso unhaltbar. Es geht nicht um Sprachpurismus, sondern um den Erhalt des unabhängigen Denkens, dessentwegen der unabhängige Denker bei Gendersternchen, Unterstrich und Binnen-I überhaupt erst zum „Sprachpuristen“ wird.

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Wie sehr es sich eingebürgert hat, pseudo-objektive Begründungen für das Unbegründbare vorzuschieben, mithin also, krampfhaft Gründe zur Rechtfertigung des eigenen Willens zu behaupten, die bei Lichte betrachtet gar keine sind, führt Posener in der „Zeit“ bereits im ersten Absatz seines Textes beispielhaft vor. Er zitiert Goethe – und schiebt ihm ein Motiv unter, das es in Goethes Zitat schlicht und einfach nicht zu sehen gibt. Dafür wird Poseners Motiv, Goethe zu zitieren, in der Folge recht schnell ersichtlich. Das Zitat: „Amerika, du hast es besser / Als unser Kontinent, das alte, / Hast keine verfallene Schlösser / Und keine Basalte.

Posener rekurriert dann auf „unser Kontinent, das alte“, obwohl es doch „der alte“ heißen müsste, weil „der Kontinent“ eben männlich ist. Mit der größten Unverforenheit erklärt Posener als nächstes: „Um den Reim auf „Basalte“ zu ermöglichen, veränderte er einfach das Geschlecht des Worts „Kontinent“. Es ist auch gar nicht einsichtig, warum eine Landmasse weiblich oder männlich sein sollte und nicht sächlich.“ – und das ist nun ein Paradebeispiel für die Systematik, mit der Progressisten andauernd die Notwendigkeit einer Agenda behaupten: Ihre Argumente sind meistens nur vorgeschoben, um die wahren Absichten zu verschleiern. Es ist nämlich keinesfalls so, daß Goethe „der alte“ in „das alte“ hätte abändern müssen, damit es sich auf „Basalte“ reimt. Ob er gereimt hätte, „unser Kontinent, das alte“ oder „unser Kontinent, der alte“, spielt beim Reim auf „Basalte“ nicht die geringste Rolle. Daß Goethe zugunsten des Reims das sprachliche Geschlecht von „der Kontinent“ geändert habe, ist nichts, als eine dreist-utilitaristische Unterstellung Poseners, der sich einen „Beleg“ dafür, daß richtig sein soll, worauf er selbst hinauswill, einfach einmal „schnell so ausgedacht“ hat. Vor „Goethe“ werden sie schon so viel Respekt haben, daß sie kritiklos gläubig werden, die „Zeit“-Leser, scheint Poseners ganzes Kalkül gewesen zu sein. Und das wiederum wäre ein Indiz dafür, wofür sich Posener selbst hält: Für einen Schlaumeier nämlich. Diese Art Schlaumeier ist in ganz anderen Zusammenhängen ständig und überall zu beobachten im Lande der ubiquitären Bigotterie und der Verlogenheit. Es ist nämlich auch „gar nicht einsichtig“, warum überhaupt irgendetwas Nichtlebendiges einen männlichen, weiblichen oder sächlichen Artikel braucht. Im Englischen steht vor allem unterschiedslos das „The“. Was „the Posener“ genauso gut hätte behaupten können, ist, daß „gar nicht einsichtig“ sei, weshalb es überhaupt Sprachen geben müsse, in denen das anders geregelt ist als im Englischen.

These: Wissenschaft dient nur noch der nachträglichen Legitimierung des Postulats

Alan Poseners selten dämliche Einlassung zu Goethe und dem Reim steht exemplarisch für ein Prinzip, das noch in allen totalitären Systemen zur Anwendung gekommen ist. Man bediente sich simulierter Wissenschaftlichkeit, um nachträglich mit den Weihen einer von allen zu akzeptierenden, „objektiven Wahrheit“ zu versehen, was zuvor nichts weiter als eine unbewiesene Behauptung gewesen ist. Herr Marx und Herr Lenin sind zunächst nichts weiter gewesen, als zwei ganz normale Herren, die sich so allerlei zusammengereimt hatten. Was sie dabei übersehen haben könnten oder vielleicht sogar willentlich ignoriert haben, verschwand bspw. in der DDR dadurch, daß man ihr Zusammengedachtes einfach zur Wissenschaft deklarierte. In der DDR konnte man „Marxismus-Leninismus“ studieren. Das war eine Wissenschaft. Nach dem Untergang der DDR war es auf einmal keine mehr. Würde man nun Oliver Hardy und Stan Laurel eine großartige Denkleistung  unterstellen, ließe sich auch „Dick & Doofismus“ zur Wissenschaft aufblasen, um hernach dogmatisch den Segensreichtum der Tollpatschigkeit als feststehende Tatsache im allgemeinen Bewußtsein zu verankern.

Wenn man sich vergegenwärtigt, auf wessen Initiative hin beispielsweise der Weltklimarat zustandegekommen ist, wer dort etwas zu melden hat und wer nicht, kommt man nicht umhin, den Weltklimarat selbst als ein „nachgeschobenes Argument“ zur Stützung jener Behauptung zu begreifen, derentwegen er überhaupt ins Leben gerufen worden war. Sollten die Mitglieder des IPCC ein je persönliches, möglicherweise finanziell-materielles Interesse an ihrer Mitgliedschaft im Weltklimarat haben, dann müsste der Klimawandel natürlich menschengemacht sein und bleiben, da der Weltklimarat ansonsten keine Existenzberechtigung hätte.

Sollte es niemals eine „Pandemie“ gegeben haben (außer nach einer Neudefinition des Begriffs „Pandemie“ durch die WHO im Jahre 2009), dann hätte es sie allein aufgrund der Maßnahmen, die ihrer behaupteten Existenz wegen veranlaßt worden sind, inzwischen ganz unbedingt zu geben resp. gegeben zu haben. Alles andere wäre für die politischen und medialen „Pandemietreiber im Bewußtsein der Massen“ der GAU. Realiter besteht die Möglichkeit zu der Erkenntnis gar nicht mehr, daß „Pandemie“ entweder Absicht oder Irrtum gewesen sein könnte.

Es gibt viel zu viele, die inzwischen ganz unbedingt daran interessiert sein müssen, daß es „Pandemie“ gibt und gab. Es sind weltweit hunderte von Wissenschaftlern und Ärzten bekannt – darunter dutzende besonders renommierter Virologen, Epidemiologen, Mediziner und Statistiker -, die Wieler, Spahn, Drosten und Konsorten widersprechen, so daß allein schon die Beobachtung ausreicht, wie krampfhaft sie aus dem öffentlichen Diskurs ferngehalten -, wie sie diffamiert und in Zweifel gezogen werden, und wie gleichzeitig so getan wird, als seien nur die immergleichen drei bis vier „Wissenschaftler“ die Gralshüter der Wahrheit, um zu erkennen, daß es hier nicht mehr um die objektive Wahrheit zur Gefahr geht, sondern um die Verteidigung eines existentiell notwendigen, nicht mehr sachgebundenen „Rechtgehabthabens“ derjenigen, die „Pandemie“ als Tatsache behauptet – und dann auch die fatalen Maßnahmen zu ihrer im Grunde grotesk übertriebenen Bekämpfung veranlaßt hatten, um, wie auch Posener mit seinem Goethe, etwas ganz anderes mit ihrem „Rechtgehabthaben“ zu erreichen.

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Wo sich eine derartige kulturelle Verwüstung breitmacht, daß Scheinargumente als feststehende Gewißheiten im allgemeinen Bewußtsein verankert werden, die keinem anderen Zweck als der Irreführung der Massen zur Erreichung eines nie genannten Zieles dienen, muß man sich auch nicht über die Arroganz derjenigen wundern, die ein ums andere Mal bestätigt bekommen haben, daß ihre Methode der Zielverfolgung funktioniert. Das geht dann so weit, daß eine Annalena Baerbock allen Ernstes zu glauben scheint, sage und schreibe elf salamitaktische Änderungen in ihrem Lebenslauf ließen sich den Massen als „Präzisierungen“ von „Ungenauigkeiten“ und „Versehen“ andienen, und daß ein mißgünstiger Hundsfott sei, wer von Hochstapelei und Täuschungsabsicht spricht. Wo das funktioniert, geht auch die Behauptung durch, ein generelles Tempolimit für weit weniger als 1 Prozent der Weltbevölkerung auf einem Bruchteil seines Straßennetzes diene dem Schutz des Weltklimas.

Herzlichen Dank an Alan Posener in der „Zeit“ dafür, mit seiner utilitaristischen Behauptung, Goethe habe „das alte“ statt „der alte“ texten müssen, damit es sich auf „Basalte“ reimt, einmal unfreiwillig und leichtsinnigerweise aufgezeigt zu haben, wo die neudeutsche Denkerei tatsächlich steht: Im luftleeren Raum nämlich. Postulate, so weit das Auge reicht – und eine Scheinwissenschaftlichkeit allüberall, die zu nichts anderem mehr da ist, als das Postulat nachträglich zur unumstößlichen Gewißheit aufzupeppen. Hier: Goethe gab so wenig auf das sprachliche Geschlecht, daß er es fallen ließ, um einen Reim hinzubekommen. Eine knallharte Utilitaristenlüge. Und in diesem Fall auch noch derartig unverfroren und dreist, daß es selbst im Schein einer zerbralen Talgfunzel noch zu erkennen sein müsste. Geradezu köstlich ist es, daß ein solcher bauernschlauer Versuch wie der von Posener ausgerechnet in der „Zeit“ zu finden war. Besser läßt sich kulturelle Degeneration kaum illustrieren, galt doch gerade die „Zeit“ einmal als das deutsche Intellektuellenblatt par excellence.

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