Bei Anruf Zensur: WDR-Telefonseelsorger Domian und der Gebührenverweigerer

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Jeder blamiert sich so gut er kann: Jürgen Domian (Foto:Jouwatch)

Telefononkel und Night-Talker Jürgen Domian ist vor allem so beliebt, weil er als besonders emphatisch, zugänglich und offen gegenüber seinen Anrufern gilt. Diese Einschätzung scheint aber nur solange zuzutreffen, wie seine „Patienten“ keine Themen anschneiden, die Domains Haussender, den „Westdeutschen Rundfunk“ (WDR), oder Belange des öffentlich-rechtlichen Rundfunks betreffen. Da wird der menschelnde Moderator dann ganz schnell schmallippig – und beugt sich dem Diktat seiner Oberen. So geschehen im Fall des Anrufers, der es gewagt hatte, über den inhaftierten „GEZ-Rebellen“ Georg Thiel ein Gespräch zu beginnen. Der Fall ist leider typisch.

Denn zum einen beweist das Verhalten von „Domian mit dem Knopf im Ohr“, der den Mann offenbar „ferngesteuert“, auf Regieanweisung hin aus der Sendung warf, dass seine Auftritte wohl doch nicht so unabhängig und spontan sind, wie er sich gerne gibt. Und zweitens zeigt sich die Dünnhäutigkeit des Staatssenders, der anscheinend jede Debatte über die (überfällige) Abschaffung des öffentlichen oder zumindest gebührenfinanzierten Rundfunks von seinen Sendeplätzen verbannen will. Vordergründig schmiss Domian den Anrufer aus der Leitung, weil er sich den Zugang in die Sendung durch ein falsches Thema erschlichen hatte (er sagte, es ginge um den Rücktritt von Kardinal Marx); dennoch wirkte die Reaktion des vielfach preisgekrönten Nachtplauderers hier wenig souverän.

Eines sei klargestellt: Sicherlich taugt der GEZ-Rebell Georg Thiel nicht zum Märtyrer. Er rangiert ganz gewiss nicht auf einer Ebene mit Ai Weiwei, mit Alexej Nawalny, mit Joshua Wong oder Raman Pratassewitsch – denn er ist nicht politisch verfolgt, sondern hat die Zahlung der Rundfunkgebühren verweigert, und er sitzt auch nicht deswegen im Gefängnis, sondern verbüßt Erzwingungshaft, weil er die Vermögensauskunft nicht abgibt. Gewissermaßen ist Thiel so gesehen ein Beweis für das „Funktionieren“ des Rechtsstaats, dessen Scheitern ihm viele seiner Unterstützer und Heldenverehrer jetzt vorwerfen. Dass derselbe Rechtsstaat in vielen anderen Bereichen nicht so hart durchgreift, steht auf einem anderen Blatt, es rechtfertigt aber auch nicht, dass er es dort ebenfalls unterlassen sollte, wo er sich konsequent zeigt – bei seinen „eingeborenen“, hier beheimateten Bürgern.

Ein Eigentor par excellence für den WDR

ABER: Der aktuelle Skandal liegt hier auch weniger bei der Justiz als wieder einmal beim WDR unter seinem luxusdotierten Intendanten Tom Buhrow. Für den Sender ist Thiel anscheinend eine Art toxisches Feindbild, einer die vielen, die sich aus grundsätzlich diskussionswürdigen Erwägungen der Zwangsrundfunkabgabe für die öffentlich-rechtlichen Sender verweigert. In seinem konkreten Fall noch nicht einmal formal aus Gründen einer inhaltlichen Ablehnung oder „Rebellion“, sondern weil er ARD, ZDF & Co. schlichtweg gar nicht empfangen kann – denn er besitzt weder Fernseher noch Radio, und im Netz surft er auf deren Portalen auch nicht.

Aus den läppischen 651,35 Euro, die Thiel dem WDR schuldet, machte der 53jährige erkennbar ein Prinzip, gab sich als eine Art Michael Kohlhaas der GEZ-Verweigererszene. Ob das klug und sinnvoll ist, muss er selbst wissen, und es gibt gewiss auch bessere Methoden, das System ÖRR in Frage zu stellen. Der Hashtag „#FreeGeorgThiel“ ist zwar ein wichtiger Debattenanstoß, in der Sache selbst scheint er reichlich pathetisch. Allerdings ist der WDR längst an einem Punkt angelangt, wo der öffentliche Schaden durch das sture Festhalten an seinem juristischen Feldzug gegen Thiel, von ihm sozusagen „entweder Geld oder Offenbarungseid“ zu verlangen, weit größer ist als alles, was er damit gewinnen kann, wie auch „Tichy’s Einblick“ gestern zu bedenken gab. Inzwischen ist jedenfalls nicht nur der Sender blamiert, sondern auch Domian. Wer weiß, wer sich hier noch alles die Blöße geben wird. (DM)

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