Na sowas: Auch Indien bald coronafrei – obwohl dort kaum jemand geimpft ist

0
Massenschnelltest in Indien (Foto:Imago/HindustanTimes)

Was sich vor drei Monaten im Fall Brasiliens vollzog, erleben wir nun identisch bei der sogenannten „Corona-Apokalypse“ auf dem indischen Subkontinent: Ebenso hysterisch wie die Schreckensmeldungen, die nach Ostern die deutschen Nachrichtenspalten dominiert hatten, so sang- und klanglos und beiläufig verebbt das wissenschaftliche und öffentliche Interesse an Indien. Corona ist dort, welche Überraschung, nämlich kein Thema mehr – und das praktisch ohne Impfung.

So jäh, wie die Kurven dort angestiegen sind, so flachen sie jetzt auch wieder ab – und zwar völlig unabhängig und offensichtlich unbeeinflusst von jeglichem staatlichen und gesundheitspolitischen Zutun, und sogar trotz massiver Menschenanballungen und (nach mitteleuropäischen Maßstäben gar nicht vorstellbaren) Superspreader-Events infolge religiöser Zeremonien und angesichts Drittwelt-Zustände bei öffentlicher Hygiene.

Und dennoch waren die Parallelen zum Infektionsgeschehen auch bei uns kaum zu übersehen: Der Welle folgt das Wellental. Besonders verstörend hierbei: Noch weniger als hier, wo ja auch erst kaum 17 Prozent der Bürger vollständig durch Doppelimpfung „immunisiert“ sind, kann in Indien die Impfkampagne für die Entspannung der Situation ursächlich gewesen sein: Gerade einmal 3,5 Prozent der mehr als 1,3 Milliarden Einwohner wurden zweimal gegen Corona geimpft, und nur 14 Prozent haben die erste Dosis erhalten. Und dennoch schmieren alle Zahlen ab. Wie vor diesem Hintergrund die Warnungen von Experten vor wachsender Impfmüdigkeit oder vor einer weiteren Ausbreitung der „Delta-Variante“ (wie dies aktuell Christian Drosten wieder beschwört) einzuordnen sind, mag sich jeder selbst beantworten.

Selbst wenn man die Idiotie der hiesigen Medien außer Acht lässt, die damaligen Katastrophenzahlen (denen ohnehin nur eingeschränkt zu trauen war) nicht in Bezug zur rund 17-fach höheren dortigen Bevölkerungszahl zu setzen, dann waren die Infektionen in Indien nie so dramatisch wie dargestellt. Dass gestern erstmals seit zwei Monaten landesweit dort unter 100.000 Neuinfektionen vermeldet wurden, ist praktisch mit einer Entwarnung gleichzusetzen. Die 7-Tages-Inzidenz Neu-Delhis lag laut „n-tv“ gestern bei 26 – knapp über der von Berlin.

„Katastrophen“, die kommen und gehen

Meldungen jedoch, wonach das indische Gesundheitssystem „kurz vor dem Zusammenbruch“ gestanden haben soll, sind sogar noch bizarrer als die ähnlichlautenden Berichte über die hiesige Situation der Intensivstation, die sich im Nachhinein als hochmanipulative Enten erwiesen: Ein funktionierendes Gesundheitssystem nach westlichen Standards hat es dort in der Fläche auch vor Corona nie gegeben. Dass die Gefahr aber tatsächlich vorbei zu sein scheint, offenbart sich an der sinkenden Positivrate bei den Tests: Zum Höhepunkt der zweiten Welle Mitte Mai, so „n-tv“, lag sie in Indien bei rund 22 Prozent (in Deutschland lag der Spitzenwert bei nicht einmal 13 Prozent). Nun liegt die Positivrate in Indien bei 3,5 Prozent. Noch Fragen?

Dass mithin Corona dort  – trotz Mutanten und Varianten, die doch angeblich deutlich infektiöser und tödlicher sein sollten als die in Europa dominanten –  aktuell genauso wieder schnell verschwindet, wie es gekommen ist, ist nicht nur eine Parallele zu den meisten übrigen Staaten, und zwar unabhängig von Lockdowns, Impfquote und Potenzial des Gesundheitswesens. Sondern es ist auch der ultimative Beweis, dass es sich bei dieser Virusinfektion um exakt das handelt, was man bis 2019 als völlig banale „Grippe“, als saisonale Ausbreitung respiratorischer Atemwegserkrankungen im normalen Jahreskreis bezeichnet hätte – und woran niemand groß einen Gedanken verschwendete. Wenn im Winter die Zahlen, dann womöglich trotz Impfung, erneut durch die Decke gehen, werden die Alarmisten dennoch wieder so tun, als habe es all dies nie zuvor gegeben. (DM)

 

 

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram