Entzauberte Grüne, tricksende Meinungsforscher: Der heilsame Schock von Sachsen-Anhalt

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Grüne und ihre journalistischen Hofschranzen im Panikmodus (Foto:123rf-Lizenz)

Nach der gestrigen Wahl in Sachsen-Anhalt steht fest, dass auf Zweierlei bei Wahlen in Deutschland inzwischen Verlass ist. Erstens: Den Demoskopen und Meinungsforschern ist nicht zu trauen. Und zweitens: Die Wahlberichterstattung deutscher Journalisten im Vorfeld hat mehr von Wunschprosa und Märchenstunden, als irgendetwas mit objektiven Informationen zu tun. Mit ihren Wahlprognosen lagen die Institute sogar noch mehr daneben als Linkspresse mit ihrer Erwartung eines grünen Wahltriumphs.

Selten lagen Meinungsforschungsinstitute, die zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD gesehen hatten und beide Parteien bei 29 bzw. 28 Prozent ansiedelten, so daneben wie bei dieser Wahl und dies lässt sich nur dadurch erklären, dass hier taktisch prognostiziert wurde: Indem die CDU schwächer und die AfD stärker geschrieben wurde, mögen viele schwankende Wechsel- und auch so mancher Nichtwähler umso eher Haseloff ihre Stimme gegeben haben, um das Szenario der AfD als erstmals stärkster Partei in einem Bundesland zu verhindern. Und wenn hier wirklich keine Manipulation im Spiel gewesen sein sollte, dann ist die gestrige Wahl der Beweis, dass die deutsche Polit-Demoskopie soviel taugt wie Kaffeesatzleserei oder Tarot-Karten.

Unter die Rubrik „enttäuschte Erwartungen“ lässt sich hingegen der Wahlausgang der Grünen verbuchen: Dass der „Baerbock-Boost“ bereits zum Bremsklotz geworden ist und die peinliche Grünen-Frontfrau mit dem Auftreten einer nervigen Schülersprecherin eher Stimmen kosten als gewinnen würden, war nach dem Stakkato an Skandalen – von erhaltenen Corona-Bonuszahlungen bis hin zu biographischen Hochstapeleien – nicht anders zu erwarten gewesen. Doch dass die Grünen am Ende jedoch bei gerade einmal 5,9 Prozent landeten – maue 0,7 Prozent mehr als 2016 – lag nicht nur an Baerbock, sondern am strukturellen Fehlen klassischer Grün-Wähler in Sachsen-Anhalt.

Grünes Erwachen in der Wirklichkeit

Denn die für Westdeutschland typische großstädtisch-arrogante, akademische, zumeist mit fürstlichen Übertragungseinkommen krisensicher versorgte Luxusklientel mit notorisch gutem Gewissen und feuchten Klimabevormundungsphantasien ist in Sachsen-Anhalt selbst in den wenigen urbanen Ballungsräumen wie Magdeburg oder Halle eher Mangelware. Und bei der ländlichen Bevölkerung ohne E-Bikes, U-Bahnanschluss oder Elektrodienstwagen kommen die Spritpreisverteuerungen ebenso schlecht an wie im Rest der Republik.

Was sich die Kampagneros und Wahlhelfer der deutschen Mainstream-Redaktionen eigentlich erhofft hatten, lässt sich beispielhaft beim „Spiegel“ ablesen, der letzten Donnerstag interessante Einblicke in sein Paralleluniversum lieferte:

Auch nachdem gestern Abend derartige Halluzinationen jäh entzaubert waren, schwebten manche Grünen-Wahlhelfer weiter in ihrer Blase: In der ARD wurden die Grünen als Sieger anmoderiert (Moderatorin Wiebke Binder bei ihrer Wahlanalyse wörtlich: „Die Grünen sind mit Wahlgewinner am heutigen Abend„). Hingegen wurde die FDP – die mit 6,4 Prozent deutlich vor den Grünen landete – nach den ersten Hochrechnungen gefragt, ob sie nicht doch noch wegen der 5-Prozent-Hürde zittere. Reality is a bitch. Dazu passte der Zweckoptimismus der kalt erwischten Grünen selbst, deren Bundestagsfraktions-Chef Anton Hofreiter gegenüber dem Nachrichtenportal Watson befand, die 5,9 Prozent Endergebnis seien „ein ordentliches Ergebnis„.

Tatsächlich mag der „coitus interruptus“ zwischen Grünen und ihren Hofmedien, dieses jähe Ende eines noch gar nicht vollzogenen Höhenflugs, sogar für den Bund wegweisend sein. In dieser Richtung interpretierte auch CDU-Politiker Friedrich Merz das Wahlergebnis. Zur „Welt“ sagte er gestern nach der Wahl: „Heute Abend ist der Baerbock-Zug entgleist. Ähnlich wie bei Martin Schulz vor vier Jahren. Das wird nichts.“ Zum Erfolg der eigenen Reihen erkannte Merz immerhin, dass dieser trotz und nicht wegen der Corona-Politik zustandekam: „Wir haben trotz der schweren Fehler in der Gesundheitspolitik gewonnen.“ Der Triumph sei aber ein Wahlsieg von Rainer Haseloff, die Bundespolitik habe bei der Landtagswahl nicht im Vordergrund gestanden. Anders ausgedrückt: Laschet hatte damit nichts zu tun; im Gegenteil.

Die Grünen jedenfalls stricken schonmal für den Fall der Fälle, sollte das Magdeburger Resultat Schule machen, an einer neuen Dolchstoßlegende; keinesfalls die gründlich ausgetretenen Fettnäpfchen und das Fehlverhalten Baerbocks selbst sind schuld am plötzlichen Absturz, sondern bösartige „Hetze“ gegen die Kandidatin. Zuerst von „rechten“ Medien – und neuerdings sogar aus dem Ausland gesteuert: Allen Ernstes spekuliert Cem Özdemir bereits über russische und türkische „Schmutzkampagnen“ gegen Baerbock. Es geht immer noch ein Ticken irrer. (DM)

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