Bruce Gilley: „Die deutsche Kolonialzeit war eine Erfolgsgeschichte!“

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Aktuell wird viel über „Dekolonialisierung“ und über „Kolonialschuld“ gesprochen. Doch war die deutsche Kolonialzeit wirklich so schlimm? Im Dezember 2019 sprach Prof. Bruce Gilley zum Thema „Warum wir uns nicht für den deutschen Kolonialismus entschuldigen müssen“ im Bundestag zur AfD-Fraktion. Nun erscheint sein Buch zum Thema: „Verteidigung des deutschen Kolonialismus„.

 

Gegenwärtig gibt es keine Literatur, die die deutsche Kolonialzeit in einem positiven Licht darstellt. Das letzte derartige Werk war Die deutschen Kolonien vor, in und nach dem Weltkrieg von Heinrich Schnee 1935.

von Prof. Bruce Gilley

Die überwiegende Einstellung zur deutschen Kolonialgeschichte ist jedoch eine arrogante, selbstgerechte Verurteilung angeblicher Verbrechen. Die Aufgabe der Forschung war es, das deutsche Volk nachträglich dieser Verbrechen anzuklagen und zu verurteilen. Wie zwei der größten Vorbeter dieser unwissenschaftlichen „Forschung“ der vorauseilenden Schlüsse, Michael Perraudin und Jürgen Zimmerer, 2010 schrieben: „Die Deutschen glaubten, sie hätten nichts mit der kolonialen Ausbeutung weiter Teile Afrikas, Asiens und Südamerikas zu tun. Sie waren unschuldig, dachten viele, an der Verwüstung des europäischen Kolonialismus, und konnten daher unvoreingenommen und unbelastet der postkolonialen Welt begegnen, ohne den Schatten der Kolonialgeschichte.”[1] In solchen Darstellungen ist die „Ausbeutung“ und „Verwüstung“ von vorneherein gegeben und muss nicht weiter bewiesen werden, ehe man deswegen einen revolutionären Feldzug gegen die deutsche und westliche Geschichte ausrufen kann.

Ich begann mich für die deutsche Kolonialgeschichte zu interessieren, als ich eine Biographie des stolzen britischen Kolonialisten und Imperialisten Sir Alan Burns schrieb, der während des 2. Weltkriegs Gouverneur der Britischen Goldküste (dem heutigen Ghana) war und dann bis zu seinem Ruhestand 1957 bei den Vereinten Nationen für Kolonialthemen zuständig war.[2] Als Burns 1914 mit 27 nach Afrika kam, wurde er sofort beim Ausbruch des 1. Weltkriegs zum Kampfeinsatz eingezogen und nach Deutsch-Kamerun geschickt.

Als ich dieses Kapitel schrieb, fiel mir auf, wie groß die Unterstützung für die Deutschen unter der einheimischen Bevölkerung war. In Deutsch Ost-Afrika war diese Unterstützung noch bemerkenswerter, wo die einheimischen Truppen sogar nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918 weiterkämpften. Die einheimische Unterstützung für die deutschen Kolonialherrn in Ost-Afrika war so stark, dass Burns in leitender Position bei der Rekrutierung von Truppen in Nigeria eingesetzt werden musste. In dieser Funktion kam er mit dem berühmten britischen Kolonialherrn Lord Lugard in Kontakt, der seine Karriere befördern sollte. Während ich die Biographie dieses Mannes schrieb, war die Erfolgsgeschichte der deutschen Kolonien ein Dauerthema, das mich immer mehr faszinierte.

Umso erstaunter war ich, als ich mich später mit der gängigen Forschung zur deutschen Kolonialzeit zu beschäftigen begann, oft von deutschen Forschern geschrieben. Es hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem, was ich durch meine Arbeit an der Burns-Biographie relativ voreingenommen herausgefunden hatte. Es ähnelte mehr einem Folterkeller der Inquisition, in dem der Kerkermeister dem hilflosen Opfer mit allem möglichen Werkzeug zusetzt. Das war in der Tat keine Forschung, sondern eine ideologische Lebendsezierung.

Das Meiste davon genügt nicht einmal grundlegendsten Standards wissenschaftlicher Arbeit: Sie beginnen mit den Schlussfolgerungen und suchen sich dazu passende Belege, wobei alle Befunde streng nach ihrer Tauglichkeit für die gewünschte Conclusio ausgesiebt werden. Je mehr diese Annahmen dem zunehmend radikalen linken Zeitgeist entsprechen, desto eiserner werden sie sie von solchen „Wissenschaftlern“ a priori vorausgesetzt.

Kern des Problems ist die Tatsache, dass der kolonialismuskritische Standpunkt in jeglicher Forschung als Ausgangsbasis und Schlussfolgerung unverhandelbar ist. Junge, aufstrebende Akademiker werden sich schnell auf der Straße wiederfinden, wenn sie aus der Reihe tanzen. Vor diesem Hintergrund sind valide, falsifizierbare und überprüfbare Ergebnisse so gut wie ausgeschlossen. Es lässt sich leicht aufzeigen, dass jeder, der den Antikolonialismus in Frage stellt, als Rassist gebrandmarkt und dem gewalttätigen Mob ausgesetzt wird, wie es dem Autoren nach Veröffentlichung seines Aufsatzes „The Case for Colonialism“ 2018 erging. Unbestreitbar, dass die Voraussetzungen für objektive, ergebnisoffene Forschung in diesem Bereich nicht gegeben sind. Um es deutlich zu sagen: Allen akademischen Arbeiten der vergangenen drei Jahrzehnte entbehrt die Aussagekraft. Sie sind wie ein Arzneimittel, das in einem virenverseuchten Labor hergestellt wird.

Um heute als „Kolonialismusexperte“ zu gelten, bedarf es wenig: Man nehme einen Aspekt der Gegenwart, der einem missfällt, suche eine Verbindung, egal wie dürftig, zur deutschen Kolonialzeit, und schiebe das eine dem anderen zu. Simsalabim! Eine universaltheoretische Erklärung für alle Missstände der Dritten Welt, und obendrein die monokausale Erklärung für jeglichen Reichtum, Freiheit und Kulturerrungenschaften des Westens. Nach diesem Dogma sind die üblichen Erklärungen für den Erfolg des Westens – das griechisch-römische und jüdisch-christliche geistige Erbe, die Errungenschaften des Mittelalters, der Reformation, Aufklärung und industriellen Revolution – nichts weiter als Selbstlob, Eigennutz und Überhöhung. Vielmehr schuldet Deutschland seinen heutigen Erfolg einzig und allein den unbezahlten Sklavenarbeitern, die in Togo die Eisenbahn bauten!

Um die höchsten Weihen dieses Folterkellers zu erreichen, muss ein aufstrebender Nachwuchskolonialforscher allerlei obskure Fachausdrücke samt moralinsaurer Pose verinnerlichen: So waren die bösen deutschen Kolonialherren „Eurozentriker“, die ihre Untertanen „kulturell verdinglichten“; der Wissensvorsprung, den sie mitbrachten, war nichts als „epistemische Gewalt“; ihre Motivation dabei war reine „erotische Projektion“; die bezahlte Arbeit, die sie anzubieten hatten, war „Ausbeutung“; jede gewaltsame Auseinandersetzung war Wegbereiter der genozidalen Endlösung; und so weiter.

Diese völlige Abkehr von der geschichtlichen Realität verkörpert niemand besser als der Kerkermeister dieses mittelalterlichen Folterkellers, Prof. Dr. Jürgen Zimmerer der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung“ an der Universität Hamburg. Er bewarb sich um seinen Posten als Kerkermeister mit dem abstrusem Argument, der Holocaust sei das direkte Resultat der deutschen Kolonialzeit.

So definierte er gegenüber dem Spiegel den Kolonialismus folgendermaßen: „Wenn man Kolonialismus breiter versteht, auch als das selbst gesetzte Recht, irgendwo Regime zu wechseln; wenn man ihn als ein System ungleicher Beziehungen sieht, dann kann man sagen, dass wir noch in einer kolonialen Welt leben.”[5] Das Spezialgebiet des Prof. Zimmerer ist die theoretische Erforschung von „ungleichen Verhältnissen“, die für ihn zwangsläufig von Übel sind. Das Themengebiet der Kolonialzeit ist für ihn deshalb nur eine Spielwiese, auf der er seinen Zornpinkel gegenüber einer real existierenden Welt der „ungleichen Verhältnissen“ austoben kann.

Dem Autoren wurde ein kleiner Vorgeschmack des antikolonialen Mob zuteil, als er im Dezember 2019 auf Einladung der Abgeordneten Petr Bystron und Markus Frohnmaier zur AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag sprach, zum Thema der deutschen Kolonialzeit. Als antikoloniale Aktivisten in Berlin davon erfuhren, organisierten sie vor dem Reichstagsgebäude eine Gegendemo „Für schwarze Berliner und ihre weißen Unterstützer“. Etwa 50 weiße Berliner und etwa zwei Schwarze (womöglich Touristen) nahmen Teil. „Es gibt keinen guten Kolonialismus!“ kreischte eine militante junge weiße Frau ins Megafon. Führende Antikolonialismusforscher wie Jürgen Zimmerer twitterten eifrig gegen meinen Auftritt an.

Der einzige Schwarzafrikaner, der sich meinen Vortrag tatsächlich anhörte, war der AfD-Bundestagsmitarbeiter Achille Demagbo aus Benin, der mir auf sehr freundliche Weise dafür dankte, den Menschen der ehemaligen Kolonien endlich eine Stimme zu geben. Die Afrikaner seien es Leid, von westlichen, weißen Linken und pseudoradikalen Hochschulprofessoren gesagt zu bekommen, was sie zu denken und zu sagen haben, so Demagbo. „Alle Menschen in Afrika wissen, dass Sie die Wahrheit sagen,“ sagte er den anwesenden Gästen und Pressevertretern wie Alan Posener (Welt) und Anna Schneider (damals NZZ, jetzt Welt), die Demagbos Anwesenheit und Kommentare in ihren Berichten über meinen Vortrag leider unerwähnt ließen: „Deutschland hat viel Gutes für Afrika getan. Ich möchte Ihnen also für Ihre ehrlichen Worte danken.“

 

»Verteidigung des deutschen Kolonialismus« von Bruce Gilley ist im Manuscriptum Verlag erschienen.

Prof. Bruce Gilley ist Politologe an der Portland University in Oregon, USA. Er wurde 2017 weltberühmt mit seinem Aufsatz „The Case for Colonialism“ (Die Vorteile des Kolonialismus), in dem er sehr fundiert darlegte, wie die europäische Kolonialzeit für viele Länder ein Gewinn war, die nach der Entkolonialisierung in eine bis heute währende Spirale aus Gewalt, Armut und Korruption rutschten. Damit griff er eines der Steckenpferde der Linken an, die u.a. ihre Politik der offenen Grenzen mit den angeblichen Verbrechen der Kolonialzeit begründen. Obwohl der Aufsatz in einem obskuren akademischen Journal erschien, löste er gewaltsame Proteste und gar Morddrohungen gegen seinen Verfasser und den Verlag aus. Der Verlag zog den Aufsatz zurück, obwohl er allen wissenschaftlichen Standards genügte. Prof. Gilley ließ sich jedoch nicht einschüchtern und blieb bei seiner These. Er wurde damit zum Vorkämpfer für akademische Meinungsfreiheit angesichts linksradikaler Gewalt.

 

[1] Michael Perraudin und Jürgen Zimmerer, „Einleitung” in German Colonialism and National Identity (2010), S. 1.

[2] Bruce Gilley, The Last Imperialist: Sir Alan Burns’ Epic Defense of the British Empire (nnb)

[3] Sara Friedrichsmeyer, Sara Lennox, und Susanne Zantop (Herausg.) The Imperialist Imagination: German Colonialism and Its Legacy (1998)

[4] Frank Biess, „Moral Panic in Postwar Germany: The Abduction of Young Germans into the Foreign Legion and French Colonialism in the 1950s,” Journal of Modern History (2012), S. 824.

[5] Uwe Klußmann und Dietmar Pieper, „‘Konzept des rassistischen Terrors’: Ist die koloniale Vergangenheit wirklich vergangen? Ein Interview mit dem Historiker Jürgen Zimmerer,” Der Spiegel, 6. 3. 2016 [https://www.spiegel.de/geschichte/kolonialzeit-interview-mit-afrika-experte-juergen-zimmerer-a-1080090.html]

[6] Horst Gründer, Hermann Hiery (Hg.), Die Deutschen und ihre Kolonien: Ein Überblick (2017).

[7] George Kibala Bauer, „Germany’s crimes: Will Germany recognize its brutal, colonial history and how it will mark or memorialize that violent period?, AfricaIsACountry.com, 3.1. 2018 [https://africasacountry.com/2018/03/what-are-the-politics-of-colonial-memory-in-germany]

[8] Gisela Graichen, Horst Gründer, Deutsche Kolonien: Traum und Trauma (2005); Jürgen Zimmerer, „Menschenfresser und barbusige Mädchen. Eine ZDF-Serie und ein Buch verkitschen und verharmlosen den deutschen Kolonialismus,“ Süddeutsche Zeitung, 24.11. 2005.

 

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