Lieferengpässe bedrohen unsere Versorgungssicherheit: Die Hyper-Inflation steht vor der Tür

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Demnächst überall? Leere Regale wie im Sozialismus (Foto:Imago/IPA)

Lange befürchtet und von kritischen Ökonomen vorhergesagt, tritt nun immer deutlicher das zutage, was infolge des globalen Pandemieregimes unvermeidlich war: Die Lieferketten brechen zusammen und gefährden den Nachschub an Produkten, vor allem im Bereich von Rohstoffen, Halbzeug und Vorprodukten für die Zulieferindustrie, doch mit zwangsläufigen Folgen auch für den Gesamtkonsum. Nach und nach mehr Branchen sind von dieser verhängnisvollen Entwicklung betroffen – und sie fällt mit der zunehmende Bedrohung einer Giga-Inflation zusammen.

Rückschauend erscheint die Blockade des Suez-Kanals durch den quergesteckten Superfrachter „Ever Given“ wie ein Fanal, eine symbolische Vorwegnahme eines bereits eingetretenen Kreislaufversagens in dieser Krise. Doch hier handelte es sich nur um einen rasch wieder gelösten Pfropfen – anders als beim unweigerlich drohenden Gesamtinfarkt infolge kollabierende Lieferketten. Schon im Herbst vergangenen Jahres warnten Wissenschaftler auch der UN vor Dutzenden Millionen Toten in der Dritten Welt – weil sich in verarmten Entwicklungsländern ausbleibende Lebensmittel- und Warenlieferungen infolge geschlossener oder kaum mehr durchlässiger Grenzen und weltweiter Lockdowns weit früher und schneller bemerkbar machen.

Doch nach und nach machen sich die Effekte durch staatliche Gewaltakte im Zeichen eines Virus verübte Markteingriffe bemerkbar. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nie gesehene marktschädigende Interventionen und eine künstliche Störung der Handels- und Wirtschaftskreisläufe zeigen in den Industriestaaten natürlich noch keine vergleichbare tödliche Konsequenz wie in gescheiterten und/oder unterentwickelten Staaten – doch langfristig erweisen sie sich als noch weitaus folgenschwerer, wenn es nicht schnellstens gelingt, wieder eine Normalität herzustellen. Denn die Toten unterbrochener Warenkreisläufe und damit einhergehender Versorgungsengpässe werden sich global potenzieren und Corona wie ein Weisenknabe dagegen aussehen lassen. Einmal mehr geht es hier um Unverhältnismäßigkeit im großen Maßstab.

Wie sehr die gestörten Lieferketten inzwischen die Produktion, damit auch Absatz und Beschäftigung beeinträchtigen, zeigt sich immer drastischer. Zum Beispiel in der Automobilindustrie und ihren Zulieferunternehmen: Im Februar klagte bereits BMW über Lieferengpässe bei Halbleitern und speziellen Chips; vorvergangene Woche musste dann Audi aus demselben Grund einen monatelangen Produktionsstopp ankündigen. Im Verarbeitenden Gewerbe – und damit in Schlüsselbranchen des Mittelstands als Rückgrat der deutschen Wirtschaft – wirkt sich die Verknappung in existenzbedrohlicher Weise aus, wie jetzt das Ifo-Institut auf Basis aktueller Konjunkturumfragen vom April dokumentiert:

 

Quelle: IFO-Institut 2021

Endverbraucher merkten bislang davon – aufgrund pandemiebedingt teilweise noch voller Lagerbestände – vorerst wenig; doch und nach bekommen auch sie es zu spüren, dass der Nachschub immer knapper wird und komplett zu versiegen dort. Wer bei Amazon bestellt, bemerkt seit Wochen einen Trend zu längeren Lieferzeiten, teilweise auch Nichtverfügbarkeiten von immer mehr Artikeln.

Die Ursachen sind weltweit dieselben: Firmeninsolvenzen als Spätfolge der 2020er-Lockdowns; quarantänebedingte Ausfälle von Beschäftigten, die vor allem durch die exzessive Testpflicht – vor allem infolge des inflationären täglichen multimillionfachen Einsatzes von Antigen-Schnelltests – und natürlich Rückstaus im Lieferverkehr. „Exogene Effekte“ nennen die Hersteller diese Faktoren, bei denen es sich letztlich um Kettenreaktionen, selbstverstärkende Prozesse und natürlich eine weltweite De-facto-Rezession handelt, die in ihrer Tragweite durch irreführende Zahlen eines scheinbaren Gesamtwirtschaftswachstums camoufliert wird, welches zunehmend durch hochvolatile Finanzmärkte und einen immer größeren staatswirtschaftlichen Anteil beeinflusst wird und immer weniger durch reale Wertschöpfung.

Zum Teil sind aber gesteigerte Nachfrage in der Pandemie durch fundamental geänderte Konsumgewohnheiten Ursache für die zusätzliche Engpässe: Eine hiervon besonders stark betroffene Branche sind etwa die Kunststofferzeuger. Auch sie klagen über zunehmende Lieferengpässe und -ausfälle. In allen Industriesegmenten steigt die Nachfrage nach Massenkunststoffen – schon seit Mitte vergangenen Jahres Grund ist der Bedarf an bestimmten Polymerrohstoffen für persönliche Schutzausrüstung gegen Corona, aber auch die Maskenproduktion und die Herstellung von online bestellten typischen Homeshopping-Artikeln, Freizeitgeräten und Unterhaltungselektronik im Lockdown. Die Pandemie senkt allerdings die Produktivität von Chemie- und Kunststoffanlagen – weil auch hier positivgetestetes Personal – mit oder ohne Symptome – plötzlich in Quarantäne muss.

Hausgemachte „höhere Gewalt“

Hersteller können nach Angaben des Branchenverbands ihren Verpflichtungen nicht oder nicht voll nachkommen und rufen „Force Majeure“ aus, also Höhere Gewalt, wie „MM-News“ berichtet. Die Folge seien beispiellose Turbulenzen auf den globalen Kunststoffmärkten; Spezialfirmen droht das in Körnerform angelieferte Kunststoffgranulat; die Vorräte reichen nur noch für wenige Wochen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Besonders problematisch ist, dass die aus den Engpässen resultierende Angebotsverknappung auf eine staatlich in unverantwortlicher Weise angeheizte Nachfrage trifft – sowie auf Billionen Euro an frisch gedrucktem Geld, mit dem die EZB um sich wirft, als gäbe es kein Morgen. Top-Ökonom Markus Krall bemerkt hier zu Recht: „Inflation wird die unvermeidliche Folge sein.“ Und sie macht sich bereits bemerkbar: Im Stahlsektor sind während der Corona-Krise Preiserhöhungen von rund 90 Prozent, bei Aluminium von rund 45 Prozent zu verzeichnen. Auch beim Holz verdreifachen sich teilweise die Preise. Und verschlimmert wird der Preisanstieg noch dadurch, dass die um ihre Lagerbestände und Planungssicherheit besorgten Firmen aufkaufen, was sie bekommen können.

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