Eine eher beiläufige Randnotiz in der „Rheinischen Post“ (RP) ließ gestern interessierte Beobachter aufhorchen, in der von einer bemerkenswert visionären politischen Flur- und Landschaftspflege seitens der Deutschen Post AG die Rede war: Deren Chef Frank Appel bewies offenbar bereits vor über vier Jahren erstaunliche Hellsichtigkeit, als er sich ausgerechnet den „Politikstrategen“ Daniel Holefleisch einkaufte und in Berlin als Lobbyisten einstellen ließ – keinen geringeren also als den Ehemann von Annalena Baerbock.

Entweder setzte Appel zufällig oder mit präziser Treffsicherheit aufs richtige Pferd – und versicherte sich der Mitarbeit, betrieblichen Nähe und Expertise des möglichen nächsten „First Husband“ Deutschlands, Joachim Sauers Nachfolger als „armes Schwein“ im zweiten Glied und zugleich einflussreicher Kanzlerinnenflüsterer. Grund für die damalige Personalien dürfte allerdings weniger die Überzeugung gewesen, dass ausgerechnet die unbeholfene, überforderte Baerbock übernächste Kanzlerkandidatin ihrer Partei wird (von deren aktuellem Umfragenhöhenflug damals, vor der Wahl zum 19. Bundestag und lange vor Corona, noch niemand ahnte); schon damals hätte man eher auf Robert Habeck oder sogar Anton Hofreiter setzen können – als ausgerechnet auf diese trendige Madame.

Vielmehr fiel Appels Wahl wohl deshalb auf Holefleisch, weil dieser nicht nur langjähriger Mitarbeiter der Grünen-Parteizentrale war, sondern über exzellente Kontakte in der Ökopartei verfügte. Jetzt, mit der nicht einmal mehr so geringen Aussicht auf Baerbocks Kanzlerschaft, zeichnet sich ab, dass der Post-Boss einen Sechster im Lotto gelandet hat: Sein Lobbyist könnte günstigenfalls mit ähnlich „kurzem Draht“ (nicht wörtlich zu nehmen!) im Privaten auf seine Gattin einwirken, so wie dies Jens Spahns Herzbube und Göttergatte Daniel Funke schafft: Auch dieser ist, welch ein Zufall, von einem Großkonzern als Lobbyist im Inner Circle der Berliner Macht platziert worden – vom Burda-Verlag nämlich, zufällig sechs Monate, bevor Spahn dann dank der Corona-Krise zum mächtigsten Minister der Regierung wurde.

Dass sich Postchef Appel also – wie die RP süffisant schreibt – schon „länger versucht, sich dem grünen Zeitgeist zu nähern„, scheint sich spätestens im Herbst auszuzahlen. Da der Logistikkonzern in den kommenden Jahren rund sieben Milliarden in eine „grünere Zukunft“ investieren will und hierfür eine breite Offensive für „mehr Umsatz, weniger CO2“ auf den Weg bringen will, macht sich da einwandfrei. Hier wird Greenwashing künftig wörtlich geschrieben… (DM)