Selten so gelacht: ZDF-Intendant gegen ÖR-Verschlankung – Meinungsvielfalt würde leiden

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Thomas Bellut (Bild: Olaf Kosinsky; siehe Link; CC BY-SA 3.0 de)
Thomas Bellut (Bild: Olaf Kosinsky; siehe Link; CC BY-SA 3.0 de)

ZDF-Intendant Thomas Bellut hält so gar nichts von der Forderung, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten durch Zusammenlegung zu verschlanken. Es gebe dafür keine markt- oder betriebswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit. Besonders sorgt sich der ÖR-Funktionär um die – Achtung! – Meinungsvielfalt.

Thomas Bellut, Chef des ZDFs, macht in einem Interview mit dem VRM-Medienunternehmen klar, dass er es für eine ganz und gar nicht gute Idee hält – so wie in hoch populistischer Art vor Kurzem von der Mittelstandsunion von CDU und CSU gefordert – die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland zusammenzuführen. Seine Gegenrede: ARD und ZDF hätten unterschiedliche Funktionen. Das ZDF habe einen nationalen Auftrag, die ARD sei eine Arbeitsgemeinschaft aus angeblich wichtigen regionalen Sendern. Eine Fusion macht für den ZDF-Chef „keinen markt- oder betriebswirtschaftlichen Sinn“.

So viel vorab: Die nachfolgende Argumentation des ÖR-Funktionär fällt ausdrücklich nicht unter die Kategorie Satire. Der 66-jährige Bellut befürchtet – Achtung! – „negative Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt infolge einer Fusion“. Den ganzen Spaß nochmal im Zitat: „Ich bin ein klarer Befürworter eines Qualitätswettbewerbs der Hauptprogramme von ZDF und ARD“, so Bellut. Meinungsvielfalt müsse erhalten und dürfe nicht ohne Not beschränkt werden.

Vielleicht hilft zum Verständnis, warum Bellut sich mit Händen und Füßen gegen eine Verschlankung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks wehrt, ein Blick in die Gehaltslisten: Beim WDR gibt es das höchste Gehalt: Mit einer Grundsumme von rund 395.000 Euro Jahresgehalt war der Intendant Tom Buhrow am besten bezahlt. Der Intendant des BR verdiente mit einem Jahresgehalt von 388.000 Euro am zweitmeisten, gefolgt vom NDR und einem Grundjahresgehalt von 365.000 Euro (Quelle: Statista/Stand 2021). ZDF-Chef Thomas Bellut reiht sich mit rund 350.000 Euro in Schlagdistanz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Jahresgehalt bei 351.552 Euro liegt, etwas weiter unten ein.

Viele Zwangsbeitragszahler halten von einer Verschlankung des ÖR ebenfalls wenig – sie wollen diesen schlicht und ergreifend einfach loswerden:

„Wer sagt denn was von zusammenführen? Es reicht das ZDF ersatzlos zu streichen, bzw. an den Höchstbietenden Privatanbieter zu versilbern, Hauptsache die Gebührenzahler müssen nicht für einen zweiten Senderkomplex mit zum Programm der ARD redundanter Meinung bezahlen. Man könnte ja drüber reden, wenn das ZDF seinem Auftrag für Meinungsvielfalt mal wirklich nachkommen würde, dafür wurde es schließlich überhaupt erst aus der Taufe gehoben. Nur leider zeigen die Heute-Nachrichten genau den gleichen geframeten Quark wie die Tagesschau, nur eben vorgetragen vom schiefgesichtigen Klaus Kleber. Wann hatte das ZDF denn zum letzten Mal bitte eine andere Meinung als die ARD?“ (SB)