Um die Religionäre nicht „unnötig zu verletzen“: Verlag zensiert Mohammed bei Dante

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Dante (Bild: shutterstock.com/Von Zvonimir Atletic)
Dante (Bild: shutterstock.com/Von Zvonimir Atletic)

Was für ein Wahnsinn: Um nicht „unnötig zu verletzen“, wurde eines der größten Werke der abendländischen Literatur verstümmelt. In einer niederländischen Adaptation von Dates „Hölle“ – um die Rechtgläubigen ja nicht zu erzürnen – zensierte der Verlag Blossom Books den Verweis auf Mohammed. „Das ist der kulturelle Selbstmord des Westens“ und ein „Triumphs des neuen politisch Korrekten, der sich einzig und allein gegen das westliche Erbe richtet“, so die Feststellung des Historiker Christophe de Voogd.

In einer neuen Übersetzung von Dantes „Inferno“ ins Niederländische wurde der Text, der eines der größten Werke der abendländischen Literatur verkörpert, durch den Verlag Blossom Books in einer nur noch als abartig zu bezeichnenden Art und Weise verstümmelt. Die Passage über Mohammed wurde mit der Begründung gestrichen, man wolle damit „nicht unnötig verletzen“.

Christophe de Voogd, Spezialist für niederländische Geschichte stellt zu dem Machwerk des Verlages Blossom Books in einem Interview mit der Welt fest, dass man es hierbei nicht mit einer Entscheidung religiöser Autoritäten oder staatlicher Stellen, sondern mit einer des Verlegers zu tun habe, also mit einem „Akteur der Zivilgesellschaft“. Dieser „rührt nicht an Äußerungen eines lebenden Autors, sondern am literarischen Erbe selbst“, und damit an einem der literarischen „Leitsterne der abendländischen Kultur“, an der „Göttlichen Komödie“ Dantes. Es gehe dabei daher um eine „echte selektive Neuschreibung der Vergangenheit à la Orwell“. Damit gehöre sie tatsächlich „in eine ganze Reihe jüngster Ereignisse, die Filme, Bücher und schulische und universitäre Lehrpläne betreffen: die Durchsetzung einer Cancel Culture, die all das vorschreibt, was ‚Gefühle verletzen‘ kann“ – hier die Gefühle der Muslime.

Lies Lavrijsen, Übersetzerin des kleinen niederländischen Verlages – wie de Voogd feststellt, handelt es sich bei der Appeaserin nicht um eine Italienisch-Expertin – hat Dantes Werk für junge Leser bearbeitet und mit ihrem Tun der neuen politischen Korrektheit in einer unerträglichen Selbstzensur Vorschub geleistet. Werde das nun zu einer „entschlossenen Reaktion der Anhänger der Meinungsfreiheit führen“, fragt de Voogd im Interview, „oder hingegen zum Triumph der neuen politischen Korrektheit – durch eine Kombination aus Angst und Feigheit?“ de Voogd warnt: Hierbei sei noch mehr im Spiel: der ganze „Rummel um die ‚Sensibilität‘“, um die Gefühle der einen oder anderen, „beruht tatsächlich auf einer tiefen literarischen und historischen Unkenntnis, deren Fortschritte ich tagtäglich konstatiere“.

In seinen Augen ist diese Unkenntnis „das Zeichen eines politischen und nicht wissenschaftlichen Unternehmens, das zunächst von den Abendländern selbst ausgeht, und das sich ausschließlich gegen all das richtet, was das abendländische Erbe ausmacht, was man wohl eine Form des kulturellen Selbstmordes nennen müsste“. Als unbestreitbarer Beweis für seine Aussage führt der Historiker auf, dass „derzeit besonders auf die klassischen Studien und das christliche Erbe abgezielt wird in einer Zivilisation, die nach den Worten von Valéry auf dem zusammengefassten Vermächtnis von ‚Athen, Rom und Jerusalem‘ begründet ist“. Doch die Göttliche Komödie „ist zweifellos eine der symbolhaftesten und vollendetsten Ausdrucksformen dieser drei Vermächtnisse, die von Dante meisterlich vereint und neu interpretiert wurden“.

De Voogd hofft darauf, dass die Reaktionen auf die Entscheidung des Verlages Wirkung zeigen könnten. Die eindeutigen Reaktionen im Facebook-Kommentarbereich des Verlages lassen hoffen:

„Bücher zensieren? Das haben die Leute unter Hitler und Stalin getan. Ich dachte, wir hätten das jetzt verlassen. Ein Haufen Feigling“

„Hoffentlich können wir uns alle darauf einigen, keine Bücher von diesem Verlag zu kaufen.“

„Ich habe in der Presse gelesen, dass Sie es für notwendig gehalten haben, Dantes Inderno zu vergewaltigen. Du solltest dich zutiefst, tief schämen. Eine Arbeit zu übersetzen bedeutet nichts anderes als zu übersetzen. Du weißt schon, von einer Sprache in die andere übersetzen. Verleger und Übersetzer haben das Recht, den Originaltext zu ändern, wie Sie es offenbar gebraucht haben. Der Artikel in der belgischen Presse bezog sich auf ′′ Verantwortung des Übersetzers ′′ und auf Verlägerung auf die des Drucks. Nun, die einzige Verantwortung bei der Übersetzung eines klassischen Meisterwerks besteht darin, es möglichst korrekt zu übersetzen, ohne ′′ bearbeiten ′′ (und selektiv auch). Zum Beispiel die Übersetzerin, Frau Lava-Reis, gibt gerne ihre eigene Vision, das macht sie natürlich frei. Aber dass sie selbst ein Buch schreibt. Weißt du, Redefreiheit, Kunstfreiheit? Vielleicht habt ihr ja schon mal davon gehört?? Genau wie Frau Lavrijsen kann ihre Vision in ihrem eigenen Buch geben, Dante hatte das Recht, dies in ihrem Buch zu tun. Du solltest dich wieder einmal zutiefst, zutiefst schämen. Dieser Skandal ist für meinen Teil auf jeden Fall ein Grund, nie wieder ein neues Buch von euch zu kaufen.“

„Es ist Blasphemie, den Größenwahnsinn basierend auf Feigheit zu nennen, um Dante umzuschreiben. Was glaubst du, wer du bist? Sie haben sich als niemand erwiesen, der einen Job wie diesen nicht wert ist. Kein Sinn für Literatur, Geschichte, kulturelles Erbe, aber keiner der wahren Musliminnen! Du bist auch ernsthaft klein in dieser Gruppe. Tragisch, der Verlag Blossom Books wird so enden, wie Dante beschrieben hat… (in der original, korrekt übersetzten Version).“

 

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