Söder auf Merkels Schleimspur: Die Gottkanzlerin soll ihren Nachfolger selbst bestimmen

0
Merkel, Söder (Foto:Imago/ZUMApress)

Wenn eine Politikerin von gestern so dominant und verhängnisvoll die Zukunft „mitgestaltet“, dann ist dies ein ungutes Indiz dafür, dass ihre Zeit in Wahrheit doch nicht nicht abgelaufen ist – und sie an ihrem Stuhl klebt, besessen von der Idee, ihre Agenda ohne Rücksicht auf Verluste durchzudrücken. Genau das scheint bei Angela Merkel der Fall zu sein: Ihr angeblich aussichtsreichster Nachfolgekandidat als Kanzler im Herbst schlägt erstaunlich unterwürfige Töne an – und will die Corona-Kanzlerin um jeden Preis in die Entscheidung über den den zukünftigen Kanzlerkandidaten der Union „miteinbeziehen“.

Was sich wie eine zusätzliche Breitseite gegen den neuen CDU-Chef (und designierten Mitherausforderer Söders) Armin Laschet anfühlt, der in den Umfragen weit abgeschlagen hinter Söder firmiert, hat wohl eher rein machttaktische Hintergründe: Söder verfolgt wie Merkel dasselbe Ziel der fortgesetzten Freiheitsberaubung aller Deutschen, am liebsten im Ganztages-Dauerlockdown und unter entarteten Vollmachten der Exekutive – möglichst ohne Kontrolle, Transparenz und Opposition – und nicht die Sauereien in seinem unmittelbaren Nahbereich (man denke an die derzeit gerade entlarvten neuen Eskapaden seines Ex-Justizministers und inzwischen ausgetretenen Parteifreundes Alfred Sauter). Als Verbündete im Maßnahmenwahn, auch in der Zentralisierungsdebatte um deren Umsetzung brauchen sich Söder und Merkel, deshalb dient er sich ihr hemmungslos an.

„Die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur“, so Söder in der „Bild am Sonntag“ unterwürfigst, sollte „eng mit Angela Merkel abgestimmt werden„. Unbedingt müsse es „ein gemeinsamer Wahlkampf mit der Bundeskanzlerin“ werden. Denn: „Ein Unions-Kandidat kann ohne Unterstützung von Angela Merkel kaum erfolgreich sein.“ Wann hat man solche Töne für Kandidaten, die wirklich eine neue Ära oder Zeitenwende einleiten wollen und sollen, je gehört? Hier ist eher – siehe Helmut Kohl – Distanzierung vom Übervater (bzw. der „Übermutti“) das normale, für alle Beteiligten durchaus schmerzliche Prozedere.

Gemeinsam mit Laschet: Demütigste Unterwerfung unter Merkel

In einem vergifteten Kompliment ruft Söder gar zum Schulterschluss mit seinem Rivalen Laschet: Dieser leiste „als Ministerpräsident des größten Bundeslandes großartige Arbeit„, doch es gehe schließlich nicht „um die Frage von zwei Personen und deren persönliche Ambitionen, sondern um die Zukunft der Union und des gesamten Landes.“ Und diese Verantwortung müssten er und Laschet „als Parteivorsitzende gemeinsam schultern“ – unter Einbeziehung Merkels. Es wirkt so, als ob zwei unartige Schulbuben beim Direktor Reue zeigen und versprechen, dessen Autorität anzuerkennen.

Im Prinzip sagt Söder damit nicht weniger aus als das: Bei der K-Frage – und damit der Weichenstellung für die Zukunft – hat Merkel das letzte Wort. Die Person also, deren Politik Deutschland in ein soziales und wirtschaftliches Trümmerfeld verwandelt hat, darf weiter auf dem Feldherrenhügel thronen – statt auf der Abraumhalde der Geschichte, wo sie für ihre Politik von Rechts wegen eigentlich hingehört. Und wer weiß: Vielleicht entscheidet sie sich am Ende noch für sich selbst, und geht in die Verlängerung.

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram