4.000 Intensivbetten weniger als vor einem Jahr – trotz tödlichster Pandemie aller Zeiten?

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Intensivstation (Symbolbild:Imago/Fotoarena)

Und dafür schickt man uns in den Lockdown und droht uns mit einem neuen Massensterben? Es ist eine weitere von so vielen aufschlussreichen Hintergrundinformationen, die zur Einordnung der uns absehbar nach Ostern zugemuteten Lockdownverschärfungen überaus hilfreich sind: Innerhalb eines Jahres, zwischen April 2020 und März 2021, hat sich die Zahl der verfügbaren Intensivbetten in Deutschland um über 4.000 Betten reduziert – ausweislich der ganz offiziell von der deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin (DIVI) mitgeteilten Zahlen. Wie ist so etwas möglich, wo bleibt darüber der Aufschrei – jetzt, wo man uns nach inzwischen fast einem halben Jahr Lockdown erneut mit knappen Intensivkapazitäten droht? Und was ist mit den Milliarden geschehen, die Bundesgesundheitsminister Spahn während der Corona-Krise an die Kliniken überwiesen hat?

Vor dem Hintergrund, dass uns die Gefährlichkeit der sogenannten „dritten Welle“ abermals angebliche mit volllaufenden Kliniken und knapp werdenden Intensivkapazitäten begründet wird, müsste sich hier eigentlich ein Skandal von astronomischen Dimensionen abzeichnen. Doch es herrscht Schweigen im Walde. Erneut erweist sich der chronische Gedächtnisverlust eines Volkes im Panikmodus als der wirksamste Verbündete einer Politik, die mit einem Lichtermeer von Nebelkerzen und taktischen Lügen alles unternimmt, einen künstlichen Ausnahmezustand von einer Verlängerung in die nächste zu treiben.

Es war auf dem Höhepunkt des ersten Lockdowns, kurz nach Ostern 2020 (also ungefähr zu der Zeit, da nach den vorherigen Prophezeiungen von Virologen und Epidemiologen inklusive „Gesundheitsexperte“ Karl Lauterbach in den Talkshows vom März die „bergamoeske“ Überlastung des Gesundheitssystems eigentlich längst hätte eingetreten sein müssen, mit befürchteten bis zu 200.000 Beatmungsfällen und Triagierungen!): Da veröffentlichte DIVI ermutigende Zahlen: In Deutschland gab es per Stand 20. April 2020 mindestens 30.058 Intensivbetten. 17.393 da­von seien belegt (total, also nicht nur mit Covid-Patienten; eine Aufschlüsselung erfolgte damals noch nicht) und 12.665 frei. Im „Ärzteblatt“ verkündete der damalige DIVI-Präsident Uwe Janssens: „Eine fantastische Zahl… Wir haben endlich eine verlässliche Übersicht über alle Intensivkapazitäten in Deutsch­land erreicht“.

Bekanntlich erhielten Deutschlands Kliniken, die dann bald schon gähnend leer standen, infolge des heruntergefahrenen Regelbetriebs (und ihrer einseitigen Fixierung sämtlicher Kapazitäten alleine auf Covid-Fälle) seit Beginn der Krise riesige Freihaltepauschalen für Bettenbelegungen – in Erwartung der Legionen an Covid-Opfern, die gleichwohl nie kamen. Zudem hatte das Bundesgesundheitsministerium zu diesem Zeitpunkt bereits eine massive Aufstockung der High-Care-Intensivplätze und Beatmungskapazitäten in die Wege geleitet: Alleine für den Aufbau tausender neuer Intensivbetten zahlte die Bundesregierung eine halbe Milliarde Euro. Beatmungsgeräte wurden, vor allem bei den Draeger-Werken, im großen Stil bestellt.

Trotz Krise immer weniger Kapazitäten

Aber jetzt, ein Jahr später, da uns nun nach der „ersten“ und „zweiten Welle“ bereits zum dritten Mal –  diesmal dann unter Verweis auf tödliche „Super-Mutanten“ – mit Klinikzusammenbrüchen und infernalischen Engpässen gedroht wird, hat sich – O Wunder – die intensivmedizinische Situation nicht etwa verbessert. Im Gegenteil: Sie hat sich drastisch verschlechtert. Nicht nur sind die geförderten neuen ITS-Plätze offenbar nie geschaffen worden, sondern die Zahl der verfügbaren High-Care-Betten ist mysteriöserweise gesunken. Per Datum vorgestern, 30. März 2021, erfasste DIVI laut Statistischem Bundesamt bundesweit 22.440 belegte Intensivbetten – bei 4.393 noch verfügbaren Intensivbetten. Niemanden in der Politik – weder in den Regierungsfraktionen noch seitens ihrer Service-Opposition – scheint dies zu interessieren, kein regierungsergebener Journalist geht dieser Ungeheuerlichkeit auf den Grund.

Wir scheiben, was andere verschweigen – Jouwatch-Kugelschreiber in rot oder schwarz – 4,99 Euro

Für die Bundesregierung kann der ominöse Bettenschwund jedenfalls keine Überraschung sein: Bereits im vergangenen Juli ließ Gesundheitsminister Spahn nach den von ihm mit hunderten Steuermillionen gepamperten, aber anscheinend nie existierenden zusätzlichen Intensivbetten fahnden. Fachmedien – etwa die „Ärztezeitung“ – berichteten damals, bei der Abrechnung der Fördergelder seien den Verantwortlichen im Gesundheitsministerium zuvor erhebliche Abweichungen ins Auge gestochen: „Tausende Intensivbetten könnten fehlen.“ Weil aber zu diesem Zeitpunkt, bei sommerlichen 7-Tages-Inzidenzwerten von durchschnittlich 10-15, die Pandemie ihren Schrecken weitgehend verloren hatte und kaum jemand mehr in den Kliniken lag, scheinen sich Spahns Ministeriale für den Bettenschwund ebensowenig interessiert zu haben wie der Rest der Bevölkerung. Die Suche nach den fehlenden Betten verlief im Sand. Spahn ließ anschließend sogar Großteile der bestellten Beatmungsgeräte wieder stornieren oder ins Ausland verschenken.

Dann kam die „zweite Welle“, und als im Dezember der angebliche Klinikkollaps plötzlich wieder ein Thema wurde und die Zahlen – mit einem Peak von knapp über 7.000 High-Care-Patienten am 3. Januar 2021 – die Intensivbelegungen zunahmen (auch diesmal wieder ganz ohne Triagen oder Katastrophen), da fiel schon kaum niemand mehr auf, dass sich die Zahl der Betten wunderbarerweise auf nur mehr knapp über 28.000 verringert hatte. Der Kapazitätsrückgang wurde mit einem Mangel nicht etwa an Betten, sondern an Pflegepersonal begründet, das oftmals in Quarantäne sei.

Was hat Spahn eigentlich seit Frühjahr 2020 unternommen?

Schon hier hätte die entscheidende Frage lauten müssen, die sich jetzt – angesichts der aktuellen Mutationen-Panikmache – erneut stellt: Was hat Gesundheitsminister Spahn seit Beginn der Pandemie unternommen, um in einem nationalen Kraftakt die Klinikkapazitäten massiv auszubauen und vor allem gut ausgebildetes Intensivpflegepersonal zu organisieren? Beziehungsweise, falls er dies tat und die Anstrengungen verpufften: wieso wurde den bereits im Sommer vorliegenden Hinweisen nicht nachgegangen, dass die hierfür den Kliniken zugewendeten Mittel ganz offensichtlich zweckentfremdet wurden?

Denn jene bevorstehende Apokalypse, die uns die Intensivmediziner und andere in ökonomischem Eigeninteresse handelnden Klinikfunktionäre, die Lauterbachs und Drostens sowie die Vertreter von Merkels Corona-Junta da ankündigen, ist durch die Faktenlage schlicht nicht belegt. Von Kollaps kann bei nüchterner Betrachtung überhaupt keine Rede sein kann. Diese dritte Welle mit ihren so hochansteckenden, diesmal angeblich ganz besonders tödlichen Mutanten manifestiert sich aktuell in einem Anteil an Verstorbenen, der gegen Null tendiert, sowie einer Hospitalisierungsquote der Infizierten im Bereich von 5 Prozent (zum Vergleich: in der ersten Welle lag diese noch bei über 20 Prozent), wie ein Blick auf die aktuellen Covid-19-Lageberichte des RKI zeigt.

(Screenshot:RKI/DeStasis)

Anders gesagt: Nur weil der ultimative Stresstest, für dessen Eintrittsfall uns die Stümperei der Bundesregierung in der Tat teuer zu stehen käme, derzeit und in absehbarer Zukunft wohl ausbleibt, fällt nach dem Impfdebakel nun auch der Schwindel um die Intensivkapazitäten, die in Wahrheit trotz Lockdown und angeblicher Dauerbedrohung rückläufig sind statt ausgebaut wurden, nicht weiter ins Gewicht. Das macht den Skandal aber nicht geringer – vor allem vor dem Hintergrund einer Disziplinierungspropaganda, die die Bevölkerung einmal mehr für dumm verkauft. (DM)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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