Suezkanal: Blockade eine windige Angelegenheit?

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Seit Tagen ist der Suezkanal von dem Containerriesen „Ever Given“ blockiert. Das knapp 400 Meter lange und über 50 Meter breite Frachtschiff lief auf Grund und steckt im Sand fest. Der Wind, der Wind, das himmlische Kind, habe die „Ever Given“ in die sandigen Untiefen am Rand der Fahrrinne hineingedrückt. Ob´s wohl stimmt?

von Max Erdinger

Es muß ein extraordinaires Lüftchen gewesen sein, welches vergangenen Dienstag sechs Kilometer nördlich der südlichen Einfahrt in den Suezkanal geblasen hat. Zu dieser Überzeugung muß man gelangen, wenn man bedenkt, daß vorher noch nie windige Erklärungen für ein Phänomen herangezogen worden sind, welches dann, wenn die Windmeldung zutreffend wäre, garantiert schon öfter zu beklagen gewesen wäre. Die „Ever Given“ ist nur eines von etwa 19.000 Schiffen, die alljährlich den Suezkanal auf ihrem Weg zwischen Asien und Europa durchfahren. Und das seit vielen Jahren. Der Suezkanal war nach einer kriegsbedingten, achtjährigen Schließung im Jahr 1975 wieder geöffnet worden. Das sind etwa 45 Jahre. Wenn man nur mit 15.000 Schiffen im Jahr rechnet, dann wäre die „Ever Given“ das erste Riesenschiff unter 675.000 Schiffen seit 1975, das einem extraordinairen Lüftchen im Suezkanal zum Opfer gefallen ist. Das könnte zwar sein, aber es ändert nichts an der Tatsache, daß es neben ausgesprochenen Luftnummern auch noch die Wahrscheinlichkeitsrechnung gibt.

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung für windverursachte Havarien im Suezkanal wird aber von einer windigen Berechnung zur veritablen Unwahrscheinlichkeitsrechnung, wenn man sich weiters überlegt, daß es sich bei der havarierten „Ever Given“ um ein Schiff handelt, das ausweislich seiner Trackerdaten erst einmal einen riesigen Penis mit zwei mächtigen Eiern als Bewegungsprofil auf die Seekarte gemalt hat, während es auf die Genehmigung zur Einfahrt in den Kanal wartete. Die Fahrtstrecke, die nötig gewesen ist, um rein zum Zeitvertreib eine solche Bewegungsfigur auf der Karte zu hinterlassen, hat viel Geld gekostet. Die „Ever Given“ verbraucht nämlich etwas mehr Treibstoff, als Fischers Fritzes Fischfangkutter. Der Containerriese avanciert durch dieses extravagante Fahrmanöver zum einzigen Schiff unter 675.000 Schiffen, das auch noch ein Zeichen gesetzt hat, bevor es den Kanal blockierte. Selbst der Gutgläubigste neigt daher zu der Annahme, daß heftiger Seitenwind als Erklärung für die blockierende Sandgräberei der „Ever Given“ im Suezkanal eine wahre Luftnummer sein muß.

Indizien im Überfluß aus Mangel an Beweisen

Es ist das Drama unserer Zeit: Die ganze Welt wimmelt vor lauter Indizien dafür, daß etwas Gewaltiges im Busch ist, aber es mangelt an Beweisen. So wird es auch hier schwierig sein, Beweise dafür zu finden, daß die Luftnummer vom Seitenwind mit dem sich anschließenden Sandschäufelchenspiel zur Wiederflottmachung des Riesenfrachters kein zufälliges Unglück beschreibt, das unter „dumm gelaufen“ abgehakt werden kann, sondern eine Demonstration von Sabotagemacht. Sabotiert worden wäre der freie Welthandel. Von wem? In wessen Auftrag? Mit wessen Billigung? Mit welcher Absicht?

Fest steht, daß der Schaden, den die Blockade des Suezkanals verursacht, immens ist. Laut Bloomberg soll er sich auf etwa 10 Milliarden Dollar belaufen für jeden Tag, an dem der Kanal nicht durchfahren werden kann. Die Allianz- Versicherung spricht von etwa derselben Summe pro Woche. Wieviel Geld es einer Reederei erspart, den Suezkanal zu nutzen, anstatt eine Runde um ganz Afrika herum zu schippern, läßt sich schon daran erkennen, daß die Betreibergesellschaft des Kanals im Durchschnitt knapp 300.000 Dollar für die Passage durch den Kanal verlangen kann und auch bekommt.

Weil die Wasserspiegel von Rotem Meer und Mittelmeer auf gleicher Höhe liegen, kommt der Suezkanal ohne Schleusen aus, so daß die Länge der Schiffe, die den Kanal benützen können, nicht limitiert ist. Lediglich bei Höhe und Tiefgang gibt es Beschränkungen. Schiffe, die zu hoch für den Kanal sind, oder die zu viel Tiefgang haben, nennt man „Capesizes“, weil sie um das „Cape“ herumfahren müssen, das „Kap der guten Hoffnung“ an der Südspitze Afrikas also, welches noch immer so heißt, obwohl man für Kapstadt seit etlichen Jahren jede gute Hoffnung fahren lassen muß.

Wer hat das Schiff quergestellt?

Wenn es der Wind, das himmlische Kind, sehr wahrscheinlich nicht gewesen ist, wer hat die „Ever Given“ dann im Suezkanal quergestellt? Haben Globalisierungsgegner den Kapitän dafür bezahlt? Im Netz kursieren Gerüchte, zeitgleich mit der „Ever Given“ im Suezkanal würden amerikanische und russische Marine den Zugang zum Mittelmeer durch eine Sperrung der Straße von Gibraltar verhindern, während Erdogan niemanden mehr durch die Dardanellen lasse. Auf die Schnelle läßt sich aber im Netz nichts Verwertbares dazu finden. Dem Gerücht zufolge geht es darum, der „Kabale“ oder der „Deep-State-Niederlassung“ in Europa und in Israel gehörig eines auszuwischen. Ein Gerücht, wie gesagt.

Die „Ever Given“ gehört der taiwanesischen Reederei „Evergreen“. Im Netz tauchte recht passend ein Video von einem querstehenden Sattelzug auf, der eine Autobahn blockiert, beladen mit einem „Evergreen“-Container. Von wann das Video der Verkehrsüberwachungskameras ist und wo es entstanden ist, bleibt unklar, aber es werden natürlich sofort Bezüge hergestellt. China, Seidenstraße, Taiwan, Zeichen setzen … da läßt sich kinderleicht etliches zusammenreimen, das deswegen noch nicht richtig sein muß.

Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis die „Ever Given“ mit dem Bug wieder Richtung Norden zeigt und ihre Fahrt durch den Kanal fortsetzen kann. Vielleicht kommt ja auch noch heraus, warum das Malheur wirklich passiert ist. Bergungsfachleute äußerten inzwischen die Sorge, daß die „Ever Given“ durch die Versuche, sie wieder flottzubekommen, kentern könnte. Das wäre dann sozusagen der „Event 201“ in der Welthandelsmutation. Was sich jedoch mit Sicherheit heute schon sagen läßt, ist, daß die Story vom starken Seitenwind stark nach Medienfurz riecht.

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