Tagesspiegel: „Der Staat muss gegen die ‚Querdenker‘ endlich Härte zeigen“

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Wandzettel in Lübeck - Foto: Imago

Der „Tagesspiegel“ ist ein Blatt, das von Stephan-Andreas Casdorff und Giovanni di Lorenzo herausgegeben wird. Das merkt man. Letzterer ist auch Chefredakteur der „Zeit“. So kommt es, daß im Namen der Toleranz neben den weniger Klugen in der „Zeit“ auch die gänzlich Unklugen zu Wort kommen. Sie dürfen ihre Meinungsbeiträge im „Tagesspiegel“ unterbringen. „Der Staat muß gegen die ‚Querdenker‘ endlich Härte zeigen“, lautet ein Meinungsbeitrag von Herrn Frank Jansen. Mein lieber Schwan. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Hier kann man das zur Gänze nachlesen, was der Meinungsinhabende Jansen im „Tagesspiegel“ zu sagen hatte. Können heißt nicht müssen. Niemand muß sich den Tag auch noch mit einem Meinungsartikel im „Tagesspiegel“ kruppstahlartig verhärten lassen in Zeiten, die so schon hart genug sind. Die Medienkritik bei jouwatch hingegen verbreitet weithin Frohsinn & Heiterkeit. Und man ist informiert über das, was womöglich überlesen worden wäre, weil man es vorher zugekübelt hätte. Die hartgesottensten Medienkritiker verfügen über einen unempfindlichen Magen und begreifen den Würgreiz nicht als Problem, sondern als Herausforderung. So auch meinereiner. Noch unempfindlicher muß lediglich der Magen des im „Tagesspiegel“ sich spiegelnden Meinungsinhabers sein. Dem graust es noch nicht einmal vor sich selbst. Pfui Teufel.

Anlaß seiner staatstragenden Tirade ist für den Herrn Meinungsinhaber Jansen die Anti-Coronademo in Kassel gewesen. Im Mainstream wurde kolportiert, diese Demo sei nicht weit davon entfernt gewesen, in ein Schlachtfest auszuarten, bei welchem die Polizei das kürzere Hölzchen gezogen hätte, obwohl schon der Schlagstock mindestens vierzig Zentimeter lang ist. Dieser Darstellung widersprachen „Dabeigewesenseiende“, unter anderem der überaus seriöse Journalist Boris Reitschuster. Die Demo in Kassel sei nicht weit entfernt davon gewesen, in ein Friedensfest auszuarten, meinte Reitschuster sinngemäß. Ihm waren keine Auseinandersetzungen zu Augen gekommen. Zwar schließt er nicht aus, daß es welche gegeben haben könnte, aber das Gesamtbild der Menschenansammlung sei ein durch und durch friedliches gewesen. Im Netz kursiert derweil das Foto einer Polizistin, die, selbst maskiert, einer Demonstrationsteilnehmerin ohne Maske mit den Händen ein Herzchen als Gruß „rüberschiebt“. Weil meinereiner ein sehr freundlicher Mensch ist, gefiel ihm dieses Foto, zeigt es doch, daß sich auch die Staatsgewalt aus „die Menschen“ zusammensetzt.

Herrn Bodo Ramelow, seines Zeichens ungeliebter Ministerpräsident und Spitzengenoss*in im Zentralkommitee der SED-Nachfolgepartei in Thüringen, stieß das aber sauer auf. Er äußerte bei Twitter sogleich seine „Verwunderung“ über die zutiefst menschliche Geste der Polizistin in Kassel. Tja, so ist das bei den Linken schon immer. Der einzelne Mensch bedeutet ihnen vergleichsweise wenig. Sie geben es nur ungern zu. Ihr Staat hingegen bedeutet ihnen alles. Jedenfalls glauben sie, daß es ihrer sei. Linke irren sich oft. Eigentlich dauernd. Braucht kein Mensch.

Endlich Härte zeigen

Der Staat solle endlich Härte zeigen gegen die „Querdenker“, meint auch der Meinungsinhaber Jansen im „Tagesspiegel“. Das heißt, daß Herr Jansen einen Unterschied erkennt zwischen dem Staat einerseits und der „menschlichen Gesellschaft“ andererseits. Andernfalls er eine solche Forderung nicht aufstellen könnte eingedenk der Tatsache, daß einem linken Lippenbekenntnis nach der Staat „wir alle“ seien. Womit er dann auch schon wieder einer derjenigen wäre, die üblicherweise unter dem Verdacht der Betrugsabsicht stehen, ohne daß man erst noch seinen Meinungsartikel zur Verdachtserhärtung lesen müsste. Der Hartgesottene liest ihn trotzdem.

Die Szene der Coronaleugner agiert immer dreister. Die Polizei war nicht nur beim Auflauf in Kassel überfordert. Wie lange noch?„, tönt es angsterfüllt im Teaser, als ob es beim sich im „Tagesspiegel“ Spiegelnden um eine/n Indiehosenscheißende/n in spe handeln würde. Die Nerven scheinen blank zu liegen. Diese Verzweiflung! Wie lange noch – ?? Aber verständlich ist die Frage schon in ihrer ganzen „Menschlichkeit“. Jeder friedliebende „Rechte“ ist mit ihr vertraut. Schon lange fragt er sich, wie lange sich die Polizei den linksextremistischen Terror noch anschauen will, ehe sie ihm ein Ende setzen darf. Und ob sie wohl wirklich will, oder ob sie muß. Die Linksextremisten agieren nämlich konsequenzenlos immer dreister. Die sogenannte Antifa gemahnt immer deutlicher an die Saalordner der Herren Braunsozialisten von anno dunnemals. Dazu paßt dieses seltsame „geistige Klima“ des „kauft nicht bei …“, „boykottiert …“, „laßt nicht sprechen den und den …“, „publiziert nur dies und das …“, „mehr Verbote für das wir … “ – usw.usf.. Sieht ganz so aus, als sei der Meinungsinhaber Jansen einer „von denen“. Und der „Tagesspiegel“ – pardon – Scheißhauslektüre.

Jedenfalls kennt das Jansensche Meinungsentsetzen keine Grenzen. „Das darf nicht wahr sein. In Kassel hat sich der Staat am Sonnabend wieder einmal von aggressiven Coronaleugnern überrumpeln lassen. Die Polizei war dem Ansturm von 20.000 Querdenkern nicht gewachsen, die Masse ignorierte Maskenpflicht und Abstandsregeln, Journalisten und Gegendemonstranten wurden gewaltsam attackiert, der Staat als Diktatur diffamiert.“ – was nebenbei so viel bedeutet, wie, daß der Meinungsinhaber erst noch googeln muß, was „Diffamierung“ heißt. Aber der ausgewogene Medienkritiker hält Trost bereit für den des Wortes Unkundigen: 20.000 waren eben noch nicht die richtige „Herausforderung“. Ganz bestimmt wird die Polizei dem Ansturm von 50.000, 100.000 oder einer Million gewachsen sein. Jedenfalls, so lange die Masse nicht „wild wird“. Niemals wird sie Helme und Knüppel niederlegen, um sich diesen Häretikern anzuschließen. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Leugner. So etwas kann überhaupt nur in Italien passieren. Oder in den Niederlanden. In Amsterdam haben sich in der ersten Reihe der Demonstranten tatsächlich Veteranen aufgestellt und den Polizisten auf der gegenüberliegenden Seite salutiert. Ich war zu Tränen gerührt, als ich die Bilder gesehen habe. Wegen meiner tiefsitzenden Abneigung gegen die Diktatur. Ehrlich. Ich erkenne eine Diktatur 200 Meter gegen den Wind mit geschlossenen Augen. Und ich weiß, was „Diffamierung“ heißt. Daß Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit so aussehen wie Merkels Mund-und Kinnpartie, könnte beispielsweise eine sein.

Viel Phantasie hat er ebenfalls, der Meinungsinhaber Jensen im „Tagesspiegel“. Die wahren Experten unter den Experten würden vielleicht von einem Wahn sprechen. Aber was weiß schon ich? – Eben. Also Phantasie: „Und obwohl der Schock von Berlin jetzt bereits mehr als ein halbes Jahr her ist, als Coronaleugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten versuchten, das Reichstagsgebäude zu stürmen, wirkt der Rechtsstaat immer noch überfordert.“ – es ist sooo schlimm mit diesen Fake-News. Gerade hier sieht man, welche verheerende Auswirkungen sie selbst auf die Gehirne geschulter Meinungsjournalisten haben. Der „Sturm auf den Reichstag“: Verhindert von drei derjenigen Polizisten, die sich als Hundertschaften von 20.000 Coronaleugnern haben „überrumpeln lassen“. Das ist der Stoff, aus dem das Heldenepos gestrickt wird. Sagt die Strickliesl. Und die muß es wissen.

Und dann diese Panik! Der meinungsstarke Herr Jansen in der Glaubenskrise: „Keine überregionale Polizei-Strategie, offenbar kaum nachrichtendienstliche Aufklärung vor den Demonstrationen, keine systematische Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Wie lange noch?“ – ja, es ist ein Jammer, daß es die Weltpolizei noch nicht gibt. Die hätte nämlich eine Strategie von wahrer Weltklasse. Ach ja, die Diffamierung noch einmal: Das Bespitzeln und Abhören eines friedlich demonstrierenden Souveräns durch die Subalternen der Stellvertreter jenes Souveräns wäre eine derartige Schweinerei, daß „nachrichtendienstliche Aufklärung“ keine Diffamierung, sondern einen Euphemismus darstellen würde. „Euphemismus“ läßt sich ebenfalls googeln.

Schwierig: Freund und Feind auseinanderhalten

So ganz auf die eigene Meinung will er sich dann doch nicht öffentlich verlassen, der Herr Jansen im „Tagesspiegel“. In einem solchen Fall versteckt sich der Meinungsinhaber gern hinter dem, was ein Dritter als seine ehrliche Ansicht behauptet. Hier ist es Herr Strobl von der CDU, Innenminister von Baden-Württemberg. Der Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble und Ehemann der ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, jeder interessengeleiteten Staatsliebe völlig unverdächtig, wird von Meinungsinhaber Jansen in den Zeugenstand gerufen: „Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) warnte, zusehends weiche der legitime Protest gegen staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie „einer grundsätzlichen Staats- und Politikfeindlichkeit in bedenklichem Ausmaß„. – das lassen „wir“ kurz sacken und lachen dann einmal recht herzlich darüber. Diese grundsätzliche Staats- und Politikfeindlichkeit wäre nämlich eine von Leuten, die diesen Staat als Diktatur „diffamieren“. Das zeigt eindringlich, welche Dachschäden entstehen können, wenn man das Wort „Diffamierung“ nicht versteht. Um das noch einmal herauszuarbeiten: Die von Strobl unterstellte Staats- und Politikfeindlichkeit wäre eine, die sich gegen einen ganz bestimmten Staat und ganz bestimmte Politiker richtet. Das weiß er natürlich. Sagen kann er es nur nicht, weil sonst jemand denken würde, Strobl hätte den Staat und Seinesgleichen „diffamieren“ wollen. Wollte er natürlich nicht. Kann er sich nicht leisten. Obwohl …. wenn man sich überlegt, was etliche seiner Unionskollegen bei der überaus belastenden Vertreterei von Volkes Interessen in der Coronakrise „abgesteckt“ haben, kann man eigentlich nicht wissen, ob er sich das nicht doch leisten könnte. Wahrscheinlich muß er bloß (noch) nicht. Kommt aber wahrscheinlich noch. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Wie Meinungsinhaber Jensen allerdings auf das schmale Brett kommt, irgendjemand müsse immer noch – quasiautomatisch- herausragende Seriosität hinter dem erkennen, was ein altgedienter Unionspolitiker von sich gibt, wird auf ewig ein Mysterium bleiben.

Auflagenverlust

Natürlich könnte man jetzt in Alarmstimmung verfallen, sich die Haare raufen und mit schreckgeweiteten Augen fragen, ob es mit dem Medien-Mainstream tatsächlich schon so schlimm ist, wie der Meinungsartikel von Frank Jansen im „Tagesspiegel“ suggeriert. Muß man aber nicht. Wissen ist Macht & Gelassenheit. Zur Auflage des „Tagesspiegel“ wissen die Experten von der Abt. Statistik: „Im vierten Quartal 2020 konnte der Tagesspiegel eine verkaufte Auflage von rund 104.900 Exemplaren erzielen. Im vierten Quartal 2012 wurden zwar noch rund 124.200 Exemplare verkauft …“ – und schon sind alle beruhigt, weil sich mit einer solchen Auflage kaum Volksverhetzung betreiben läßt. Und die „kleine Volksteilverhetzung“ hat noch keiner erfunden. Sonst wäre sie womöglich ein bißchen strafbar.

Aber ärgerlich ist es schon, daß in diesem schönen Staat, der von Leugnern als Diktatur diffamiert wird, obwohl noch nie ein Verwaltungsgericht „Schutzmaßnahmen“ einkassieren musste, solche Postillen wie der „Tagesspiegel“ mit 220 Mio. aus Steuergeldern gepampert werden. Diktatoren hätten das auch nicht anders gemacht, wenn ihre Leib- und Magenpostillen so unbeliebt geworden wären. Und das ist wahrscheinlich keine Diffamierung von Diktatoren.

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