Höchst brisant: Ich bin ein Mir-reichts-Bürger

9.261 views
0

Gedanken zum Zustand der Pandemie, über Deutschland und unsere politische Zukunft / von Nicole Höchst

 

Heute ist wieder so ein Tag. Im Grunde weiß man gar nicht mehr, worüber man noch schreiben soll, ohne sich selbst zum gefühlt hunderttausendsten Mal wiederzukäuen. Um mich also zu inspirieren, las ich mich, wie jeden Sonntagmorgen, quer durch den Blätterwald und entschloss mich schließlich, meine Eindrücke für die sozialen Medien in einem Witz zusammenzufassen. Damit auch wirklich jedem meine Grundstimmung verdeutlicht wird, möchte ich diesen hier wiedergeben: Jens Spahn und Karl Lauterbach sitzen laut lachend beim Abendessen im Restaurant. Einer der Gäste geht zu den beiden und fragt, über was sie so herzhaft lachen. „Wir machen Pläne für die dritte Welle“, sagt Spahn. „Oooooh“, erwidert der Gast, „und wie sehen diese Pläne genau aus?“ – „Wir werden 80 Millionen Bürger und ein Zebra einsperren“, antwortet Spahn. Der Gast fragt etwas verwirrt zurück: „Ein Zebra? Warum wollen Sie ein Zebra einsperren?“. Da klopft Spahn Lauterbach auf die Schulter und sagt: „Was habe ich dir gesagt… kein Mensch fragt nach den 80 Millionen Bürgern.“

Die Pointe dieses Witzes ist leider zutiefst wahr: Unter dem Deckmäntelchen der hochgepriesenen Gesundheitsfürsorge, die sich die Regierung auf die Fahne geschrieben hat, hat die große Transformation längst begonnen. Der erste Teil ist bereits abgeschlossen: Er transformierte mündige Bürger und Grund- und Menschenrechteinhaber in Personen, die zwar grundsätzlich noch Grundrechteträger sind, diese aber wegen der „pandemischen Notlage nationaler Tragweite“ nicht ausüben können. Ich versuche dies einmal leicht überspitzt zu formulieren: Mündige Bürger wurden zu Untertanen transformiert, die per Verordnung regiert werden können. Die deutsche Regierung hat sich – wie die Regierungen vieler anderer Länder auch, die bei dem Pandemieplanspiel 201 teilgenommen haben – zur Aufgabe gemacht, ihr theoretische Grundrechte innehabendes Humankapital vor dem Tod durch Corona zu schützen, und dies sprichwörtlich um jeden Preis.

Ungerechtfertigte Paranoia?

Wer sich darüber eingehend informieren möchte, dem sei das Video „Event 201 – Corona-Pandemie vom Reisbrett, was bisher übersehen wurde“ empfohlen. Früher hätte ich geglaubt, ich wäre einfach zu blöd dazu; heutzutage denke ich – welch Wunder – als allererstes an Zensur, Shadowban, Löschung und Deplatforming. Diese Form von „ungerechtfertigter“ Paranoia (Räusper, räusper!) erklärt sich wohl aus der Tatsache, dass ich mich stets selbst sehr kritisch hinterfrage – so wie ich auch andere kritisch hinterfrage, eben zum Beispiel unsere Regierung. Das macht mich heute, laut vorherrschendem bundesregierlichen wie erziehungsjournalistischem Framing nicht etwa zum Kritiker, Skeptiker oder eben Oppositionspolitiker, der ich ja bin. Sondern ich werde der Gruppe der Irgendwas-Hasser, Irgendwas-Leugner, Irgendwas-Feindlichen oder -Phoben zugeschlagen und in die böse Ecke geschoben, wo sich allerlei reale, aber ebenso etikettierte Verschwörungstheoretiker, Schwurbler, Reichsbürger, Populisten, Rechte usw. tummeln. Mit Verlaub: Die böse Ecke platzt aus allen Nähten.

Vielleicht geht die Etikettierwut aber inzwischen doch ein wenig zu weit, denn die schiere Zahl derer, die jetzt auf einmal alle „Coronaleugner“ sein sollen, sprengen jeden Rahmen, und sie wächst von Tag zu Tag weiter. Vielleicht sollte einmal jemand der Regierung und der Presse erklären, dass Menschen nicht dadurch verschwinden, indem man sie wild als irgendetwas etikettiert. Sie sind weiterhin da, und sie werden mit jeder weiteren Stigmatisierung zunehmend wütend – weil sie sich natürlich zu Unrecht in die Schmuddelecke gedrängt fühlen. Und ihr Frust tritt immer häufiger zu Tage.

Erst einmal wütend werden!

Seit einigen Tagen bekomme ich immer wieder und mit zunehmend Häufigkeit einen Filmausschnitt zugeschickt, den die „älteren Semester“ wie ich und darüber hinaus wohl alle noch kennen müssten (für die Jugend ist er übrigens ein Pflichtprogramm!): Er stammt aus der Filmsatire „Network“ von Sidney Lumet aus dem Jahr 1976, konkret um die kultige Szene „Ihr müsst erst einmal wütend werden“. Was sagt uns diese über den heutigen Druck im Kessel? Auf der ganzen Welt, nicht nur in Deutschland, gab es an diesem Wochenende Demonstrationen von zu Untertanen degradierten Menschen.

In der Pressemitteilung der Organisatoren der Demonstration in Kassel kann man lesen: „Die Großdemonstration in Kassel hat sich zu einem internationalen Ereignis entwickelt: Am Samstag, dem 20. März, wird es in etwa 40 weiteren Ländern eine Demonstration für Freiheit und Demokratie geben. Länderübergreifend fordern die Menschen die Einhaltung ihrer Grundrechte und die Beendigung der überzogenen Corona-Maßnahmen. Menschen aus ganz Deutschland werden nach Kassel kommen; der genaue Veranstaltungsort wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben. 17.500 Teilnehmer wurden angemeldet. Von Australien bis Island, von Südafrika bis Schottland, von Litauen bis Kanada werden Menschen auf die Straße gehen. Auch viele Nachbarländer sind dabei, unter anderem Polen, Tschechien, die Beneluxstaaten, Dänemark, Schweiz, Frankreich und Österreich. Die Bilder werden um die Welt gehen. Viele Orte werden via Livestream am 20. März mit Kassel vernetzt sein. Dieser Zusammenschluss ist längst überfällig! Das politische Handeln der Regierungen während der Corona-Pandemie ist ein internationales Problem, welches eine internationale Antwort verlangt. Wir stehen gemeinsam für humanitäre Werte ein und setzen ein globales Zeichen für wahre Solidarität. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass so viele Menschen diesem Aufruf folgen. Wir sind eine Menschheitsfamilie! Wir lassen uns nicht spalten!„.

Die Demonstrationen waren sehr gut besucht, deutlich stärker als erwartet. Und unsere Medien? Die Presseberichte waren voll von Mitteilungen, dass es „am Rande von“ oder „im Zusammenhang mit“ der sogenannten Querdenkerdemonstration in Kassel zu „Gewalt“ gekommen sei. Eigentlich käme es darauf an, hier ganz genau hinzuschauen: Wer, was, wann, wie, wo ist gemeint bei solchen Meldungen? Details scheinen jedoch unerwünscht – es geht um die Pauschalverunglimpfung des Protests.

Denn natürlich weiß unsere Regierung aus den Erfahrungen der letzten sozialistischen Diktatur von 1989 nur zu gut, dass derartige Demonstrationen rasch an Momentum gewinnen und bei Überschreiten einer kritischen Masse sogar das herrschende Regime stürzen können. Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass 90 Prozent jeder Gesellschaft IMMER Mitläufer sind, wogegen die restlichen 10 Prozent die Richtung angeben – die sich aufspalten auf 5 Prozent tendenziell Lebensfreundliche und 5 Prozent tendenziell Lebensfeindliche. Und die Gruppe, die dann dominiert, zieht die restlichen 90% mit. Demnach liegt die kritische Masse bei nur etwas über 5 Prozent aller Menschen, sagen wir bei 6 Prozent. Für Deutschland mit seiner stattlichen Bevölkerungszahl von über 83 Millionen bedeutet dies: Es wäre eine kritische Masse von nicht einmal 5 Millionen Menschen nötig, um einen Wandel herbeizuführen.

Fünf Millionen Plus als kritische Masse

Die Nichtregierungsorganisationen agitieren permanent in diese Richtung und versuchen, unterstützt von vielen Vereinen, Projekten und Stiftungen, die erforderliche Menge dieser „5 Prozent plus“ zu mobilisieren, was ihnen – siehe Flüchtlingsdebatte – locker gelingt; alleine deshalb schon, weil viele der Programmtreiber von ihren inhaltlichen Anliegen materiell profitieren oder ihr tägliches Brot verdienen. Sie treiben das „neue Normal“, die Globalisierung, die Weltregierung, die große Transformation voran – nicht nur auf nationaler Ebene in Klima- oder Coronadiktaturen, sondern zunehmend im globalen Maßstab als „Great Reset“.

Doch es tut sich da auch noch etwas an einer anderen, einer eher freiheitlich-konservativen Front: Bei der letzten Bundestagswahl waren es 12,6 Prozent AfD Wähler, die nicht länger so leben wollen, wie es ihnen die diversen sozialistisch, kommunistisch und marxistisch angehauchten Parteien vorgeben. Hierzu muss man noch die große Gruppe der Nichtwähler rechnen, die bei der letzten Bundestagswahl, aber auch jetzt wieder bei den Landtagswahlen vergangene Woche eben NICHT zur Wahl gegangen sind. Leider aber reichen 12,6 Prozent noch lange nicht, um in den Parlamenten einen Wandel herbeizuführen.

Was also müssen diese 5 Millionen Menschen tun, wenn sie etwas verändern wollen? Müssen alle auf die Straße? Vielleicht. Doch so mancher hat eben auch Angst vor Corona oder Jobverlust durch Kontaktschuld. Eines ist klar: Ein guter erster Schritt wäre, wenn alle diese Menschen, die sich mit dem vorgenannten „Network“-Clip („Ihr müsst wütend werden„) identifizieren können, diesem Impuls auch folgen und ihn dort anlanden, wo Kurskorrekturen entstehen können: Im Kanzleramt. Doch was wäre darüber hinaus erst möglich, wenn Menschen in großer Zahl ihr Schweigen überwinden und ihren Abgeordneten der Regierungsparteien (oder solche, die es werden wollen), durchaus gesittet und unter Wahrung der Umgangsformen, etwa über Offene Briefe mitteilen würden, was sie von der gegenwärtigen Politik halten?

Was wäre, wenn…

Denn niemand sollte vergessen, woher die Macht kommt, die uns derzeit alle zu Untertanen degradiert: „… Der Mensch, welcher euch bändigt und überwältiget, hat nur zwei Augen, hat nur zwei Hände, hat nur einen Leib und hat nichts anderes an sich als der geringste Mann aus der ungezählten Masse eurer Städte; alles, was er vor euchallen voraus hat, ist der Vorteil, den ihr ihm gönnet, damit er euch verderbe. Woher nimmt er so viele Augen, euch zu bewachen, wenn ihr sie ihm nicht leiht? Wieso hat er so viele Hände, euch zu schlagen, wenn er sie nicht von euch bekommt? Die Füße, mit denen er eure Städte niedertritt, woher hat er sie, wenn es nicht eure sind? Wie hat er irgend Gewalt über euch, wenn nicht durch euch selber?“ (Etienne de la Boite, 16. Jahrhundert).

Und niemand sollte vergessen: 90 Prozent der Menschen wollen es so. Ja, genau so. Sie berufen sich auf die Mehrheit und darauf, dass schließlich ja alle Welt mitmacht – und die Mehrheit hat ja bekanntlich immer recht, so wie damals und jederzeit. Aber weil ich ein kritischer Geist bin, möchte ich mir für nur für einen Moment vorstellen: Was wäre, wenn? Was, wenn all die widersprüchlichen, volatilen, sinnlosen, ständig wechselnden und schädlichen Coronamaßnahmen am Ende tatsächlich notwendig gewesen wären? Und ich meine jetzt nicht: „notwendig“ zur persönlichen Bereicherung einiger weniger Lobbyisten weltweit bzw. in der CDU. Sondern was wäre, wenn die Mehrheit der Politiker wirklich aus sachlicher Notwendigkeit, in bester Absicht und konstruktiv diese Maßnahmen erlassen hätte? Eines ist klar: Dann müssten am Ende der Pandemie ALLE, wirklich ausnahmslos alle Maßnahmen rückgängig wieder gemacht werden. Anders herum gesagt: Wenn am Ende der Pandemie tatsächlich alle Maßnahmen rückgängig gemacht werden, erst dann können wir mit Bestimmtheit sagen: Corona war tatsächlich der alleinige Grund für all die Eingriffe.

Erstens aber ist kurz- und mittelfristig sicher kein Ende der Pandemie in Sicht. Viele unken bereits: „Sie werden uns nie mehr freilassen“ – und ich teile diese Befürchtung. Corona ist eine epochal günstige Gelegenheit für nach Macht strebende Eliten, und wann haben die Taktgeber der derzeit mit aller Gewalt angestrebten weltweiten Veränderungen je wieder die Gelegenheit, mittels Verordnungen so einfach durchzuregieren? Und zweitens ist bereits öffentlich von verschiedenen Seiten ausgeschlossen worden, dass es eine „Rückkehr zur Normalität vor Corona“ geben wird.

Fragliche Rückkehr zur Normalität

Vor allem dieser Hinweis ist dazu geeignet ist, meine Befürchtung zu verstärken: Nach meiner Lesart sind Klimakrise und Coronapandemie nämlich die Hebel, mit denen endlich eine „Scheindemokratie“ errichtet werden kann und wird, in der die Bürger zu Verfügungsmasse und Besitz von Regierungen werden. In der Humanismus, moralischer Imperativ und die komplette Aufklärung auf den Müllhaufen der Geschichte befördert werden. In der Wissenschaft wieder durch Glauben ersetzt wird und in der Freiheit, Demokratie, Recht und Ordnung der sklavischen Unterwerfung unter die „richtige Haltung“ geopfert werden.

Von der Kita an könnte es dann wieder heißen „Im Gleichschritt Marsch“, im staatlich zugelassenen, politisch korrekten Meinungskorridor des Multi-Kulti-Trallala-Landes. Ich für meinen Teil bin für derartige Bestrebungen verloren. Als freiheitlich konservativer Bürger bleibe ich definitiv zeit meines Lebens der freiheitlich-demokratischen Grundordnung fest verbunden und bin jedem Totalitarismus zutiefst abhold – Auch wenn er in Hochglanz, „alternativlos“, global, modern, sexy, grün oder gesund daherkommt. Ich bin definitiv ein „Mir-Reichts-Bürger“.

Übrigens nehme ich noch Wetten an, ob die Bundestagswahlen stattfinden werden oder nicht: Der Wikipedia-Eintrag, den ich am 18. März 2021 per Screenshot dokumentiert habe (siehe Abbildung links), sah schon nach wenigen Stunden ganz anders aus (siehe Abbildung rechts):

(Screenshots:Google/Höchst)

 

Erstaunlich! Aber das sagt natürlich rein gar nichts aus –  und die Gedanken, die ich mir darüber mache, sind natürlich ausschließlich meiner interpretativen Paranoia zu verdanken… in einem Land, in dem die „Faktenfinder“ kreativer sind als Autoren fiktionaler Texte, in dem nichts mit nichts zu tun hat, welches aber dennoch – trotz und mit allem – die „beste Republik“ (Habarth) aller Zeiten ist.

 

 

Zur Person:

Nicole Höchst, Jahrgang 1970, ist AfD-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz. Sie trat 2015 in die AfD ein und zog 2017 über die Landesliste Rheinland-Pfalz für den Wahlkreis 201 (Bad Kreuznach) in den 19. deutschen Bundestag ein. Dort ist sie unter anderem als Obfrau der Enquete-Kommission für Berufliche Bildung, als Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie im Unterausschuss für Bürgerliches Engagement tätig. Bis 2012 unterrichtete sie als Studienrätin am Staatlichen Speyer-Kolleg, anschließend war sie bis Oktober 2017 Referentin am Pädagogischen Landesinstitut (vormals IFB). Höchst war 2015 Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission und ist Schatzmeisterin des AfD-Kreisverbands Speyer. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Speyer, wo sie auch Stadträtin ist.

Auf jouwatch veröffentlicht Nicole Höchst alle 14 Tage die kritische Kolumne „Höchst brisant“ zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Unter demselben Titel veröffentlicht sie in unregelmäßigen Abständen Videobeiträge auf ihrem YouTube-Kanal.