Anzüglicher Modetipp: Herr Malcolm Ohanwe und die Seriosität

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Malcolm Ohanwe, Moderator, Podcaster und Journalist - Foto: Screenshot Youtube

Der Journalist Malcolm Ohanwe fordert die Abschaffung des Anzugs als einem Seriositätskriterium für Männer. Die seriöse Männermodebesprechung.

von Max Erdinger

Herr Malcolm Ohanwe kam 1993 in München zur Welt. Weil München als Haupstadt der Weißwurstbewegung gilt, ist „Senf“ vermutlich das erste Wort gewesen, das der kleine Malcolm gesprochen hat. Und so könnte es dann weitergegangen sein: Umgeben von Weißwürsten gewöhnte sich Malcolm an, ständig seinen Senf beizusteuern und wurde schließlich Journalist, Podcaster und Moderator.

Seinen aktuellen Senf gab es bei Twitter.

Tweet von Herrn Malcolm Ohanwe – Foto: Screenshot Twitter

Störendes Seriositätskriterium

In seinem Tweet fragt Herr Ohanwe artig, ob „wir“ – wen genau er damit meinte, ließ er offen – dunkle westliche Anzüge als Seriositätskriterium für Männer „bitte sofort abschaffen“ können.

Diese Frage verdeutlicht einen weit verbreiteten Denkfehler. Allzu viele „die Menschen“ gehen fälschlicherweise davon aus, alle anderen „die Menschen“ hielten die Dinge für das, wofür sie selbst die Dinge halten.  Hier: Den dunklen westlichen Anzug für ein Seriositätskriterium.

Das ist jedoch überholt. Längst halten viele „die Menschen“ Herrn Ohanwes „Fernseh-Korris, Nachrichtensprecher etc.“ für absolut unseriös, ganz egal, ob sie nackt oder angezogen sind. Nicht wenige halten den dunklen westlichen Anzug sogar für einen Täuschungsversuch, nicht aber für ein Seriositätskriterium. Für einen regelrecht abgefeimten Betrugsversuch halten einige „die Menschen“ gar den Hosenanzug, seit selbiger als Bundeshosenanzug nach sämtlichen Seriositätskriterien als mindestens so unpopulär angesehen werden muß wie die Seriosität selbst. Nur Ewiggestrige in ihren Schlafanzügen halten dunkle westliche Anzüge und Hosenanzüge in allen Farben noch für Seriositätskriterien.

Willkommenes Unseriositätskriterium

Gegen die Abschaffung des „dunklen westlichen Anzugs“ spricht dennoch derselbe Grund, der auch gegen die Abschaffung der Sträflingskleidung spricht. Es ist nützlich, wenn man anhand der Kleidung sofort erkennen kann, daß man es mit einem fragwürdigen Zeitgenossen zu tun hat. Immer wieder werden solche „die Menschen“ der schweren Lüge und krimineller Geschäfte überführt, die mit ihren dunklen westlichen Anzügen höchstselbst den Anfangsverdacht lieferten. Der dunkle westliche Anzug ist daher so nützlich wie der Hosenanzug. Seine Abschaffung zu fordern, ist kontraproduktiv im Sinne einer wünschenswerten Vorurteilssicherheit.

Die Vorurteilssicherheit

Sicherheit wird in Deutschland mit einem großen „S“ geschrieben, weil sie wichtig ist. Das gilt auch im Plural, für die „Sicherheiten“ also. Wer bei der Bank einen Kredit aufnehmen möchte, kann die Wichtigkeit von Sicherheiten bestätigen. Da hierzulande sowohl die einzelne Sicherheit als auch die Sicherheiten bewiesenermaßen einen höheren Stellenwert genießen, als die Freiheit, die Weißwurst und der Senf, gilt das auch für die Vorurteilssicherheit als einer Untersicherheit der übergeordneten Allgemeinsicherheit, auch wenn die Vorurteilssicherheit naturgemäß nur relativ sicher ist, da es absolute Sicherheit generell nicht gibt. Weil nun mit absoluter Sicherheit nicht behauptet werden kann, es bestehe deswegen ein gesteigertes öffentliches Interesse an den senfkundigen Ansichten eines Podcasters aus München, weil er auch noch Journalist sei, läßt sich mit relativer Vorurteilssicherheit sagen, das Interesse an seinem Senf sei von allem Anfang an wesentlich seiner dunklen westlichen Hautfarbe geschuldet gewesen.

Daß das absolut so sei, kann man also im Rahmen einer lediglich relativen Vorurteilssicherheit nicht einfach so behaupten, weswegen man es keinesfalls tun sollte. Auch sollte man es bleiben lassen, um keine Verwirrung zu stiften, die zu unseriösen Äußerungen führen könnte. Fest steht lediglich, daß sich viele Leute für Herrn Ohanwes Senf interessieren. Im Rahmen der relativen Vorurteilssicherheit läßt sich dennoch nur mit einer hohen Dunkelsicherheit behaupten, daß Herr Ohanwe weniger öffentliches Interesse für seine Ansichten zu Seriositätskriterien finden würde, wenn er eine weißwurstähnliche Hautfarbe hätte.

Um reine Spekulation würde es sich gar handeln, wenn jemand behaupten würde, Herr Malcolm Ohanwe sei spätestens um die Jahrtausendwende herum zu der sicheren Einsicht gelangt, daß Hautfarbe in keinem Zusammenhang jene nachteilige Rolle spielen muß, welche ihr mit relativer Vorurteilssicherheit nachgesagt wird, sondern daß auch das genaue Gegenteil des Behaupteten zutreffen könnte, und daß Roberto Blancos Karriere in Deutschland ein Indiz dafür sei.

Herrn Malcolm Ohanwes Twitter-Bitte um sofortige Abschaffung des dunklen westlichen Anzugs als einem in die Irre führenden Seriositätskriterium muß aber aus einem ganz anderen Grund mit Verständnis begegnet werden. Dieser findet sich im Gleichberechtigungsgedanken. Dunkle westliche Anzüge sind nämlich nichts anderes als Uniformen. Ins Auge sticht regelmäßig das weibliche Privileg, sich nicht erst uniformieren zu müssen, um den Anschein von liederlicher Seriosität zu verströmen, beispielsweise dann, wenn Frau Chebli oder Frau Roth im Kreise jener Seriositätsvortäuscher auftauchen, mit denen sie angeblich gleichgestellt worden sind. Welchem Zweck wiederum Uniformen dienen, ist hinlänglich bekannt. Die Individualität des Einzelnen soll zugunsten eines übergeordneten Prinzips in den Hintergrund treten. Das allerdings funktioniert nicht einmal mehr bei Anzugsträgern, weswegen der dunkle westliche Anzug tatsächlich nichtssagend geworden ist, wenn man einmal davon absieht, daß er mit höherer Treffsicherheit denn je einen begründeten Anfangsverdacht liefert.

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Als Seriositätsvortäuscher im Anzug fielen zuletzt ein paar Herren auf, die sich während der bundeshosenanzüglich angeordneten „Coronaschutzmaßnahmen“ lediglich noch dem übergeordneten Prinzip der persönlichen Gewinnmaximierung verpflichtet sahen, was nur sehr tolerante „die Menschen“ überhaupt als ein übergeordnetes Prinzip bei anderen akzeptieren. Betonung auf „bei anderen“. Hätten die fraglichen Herren statt ihrer dunklen westlichen Anzüge irgendwelche Hippieklamotten getragen, sie hätten zweifellos mit mehr Nachsicht rechnen dürfen.

Daran läßt sich erkennen, was der Anzug geworden ist: Eine optische Verpflichtung, welcher kaum noch jemand nachkommen will, der von allen überkommenen Zwängen befreit wurde. So begründet hätte Herrn Malcolm Ohanwe sogar zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten für Weißwurstsenf werden können. Aber vergeigt ist leider vergeigt. Da helfen auch keine Farbenboni mehr, die es offiziell gar nicht gibt.

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