Urlauber als Terroristen: „Report Mainz“ macht uns wieder mal ein schlechtes Corona-Gewissen

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Wo ARD-Reporter Rot sehen und schonmal das Beatmungsgerät kaltstellen: Discorummel in Cancun/Mexiko (Screenshot:Youtube)

Seltener trat der wahnhafte Charakter der Corona-Dauerbesorgtheit, dieser Hypervigilanz, die unsere Gehirne durchdrungen hat, schöner zutage als in einem ARD-Beitrag am Dienstag, der sich mit dem Thema „Urlaub in Corona-Risikogebieten“ befasste. Mit halb besorgtem, halb anklagenden Unterton, stellenweise kaum unterdrückter Fassungslosigkeit berichteten die ARD-Reporter über das „rücksichtslose Treiben“ in den Tourismusgebieten Mexikos, Brasiliens oder auf dem tansanischen Sansibar.

Was der Zuschauer von „Report Mainz“ da in knapp acht Minuten zu sehen bekam, war dies: Bilder einer völligen Normalität, so wie sie bis vor 13 Monaten das Banalste der Welt gewesen wären. Volle Strände, ausgelassen feiernde Menschen, überfüllte Clubs, Bars, Restaurants. Keine Masken – und schon gar keine „Kontaktnachverfolgung“ oder Schnelltests. Im Off dazu ständig die vorwurfsvolle Grabesstimme des Moderators, der so tat, als würde er über Kriegsverbrechen oder verbrecherischen Sextourismus berichten. „Wie kann das sein„, „wie ist so etwas möglich„, „Gedanken macht sich hier keiner„: In diesem Tenor geht das in einer Tour weiter.

Einzelne deutsche Urlauber, leicht alkoholisiert, werden da vor der Kamera vorgeführt und als sorglose Egoisten präsentiert. Umgekehrt jedoch hatte das Kamerateam anscheinend erhebliche Mühe, ein, zwei Einheimische vor die Kamera zu bekommen, die dann zumindest ein Minimum an Besorgheit, Betroffenheit und schlechtem Gewissen über das vermeintlich lebensgefährliche und hochriskante Treiben im Interview äußerten – dies aber sogleich unter Verweis auf die schiere existenzielle eigene Abhängigkeit vom Tourismus relativierten.

Auf die wohl naheliegendste Erklärung kam Report Mainz natürlich nicht: Dass hier vielleicht gar nicht die mit Grausen und Abscheu dokumentierte Ausgelassenheit tanzender junger Menschen, die gemeinsam im Meer oder am Pool planschen oder sich auf der Tanzfläche nahekommen, das Problem ist (und schon gar nichts Unnatürliches oder Krankhaftes darstellt) – sondern vielmehr die Wahrnehmung, es handele sich dabei um fahrlässiges „Super-Spreading“. Seit vielen Wochen, ja teilweise Monaten, während der gesamten Wintermonate und somit zeitgleich mit der angeblichen zweite (oder bereits dritten) „Welle“ schon, herrscht in den gezeigten Tourismus-Hotspots Hochbetrieb, ist saisonale Urlaubsnormalität an der Tagesordnung: Teilweise, wie in Mexiko, weil es die Zentralregierung bei relativ laxen Vorschriften und ansonsten Empfehlungen belässt – und teilweise, wie in Tansania, weil die Regierung die Pandemie kurzerhand für beendet erklärte.

Super-Spreading in Reporterköpfen

Paradoxerweise liefert Report Mainz selbst mit seinen Bildern den Beweis für die verhältnismäßige Corona-Harmlosigkeit – sowie für die Unsinnigkeit des eigenen Panik-Bias: Wo sind die Bilder von überfüllten Kliniken, vollaufenden Intensivstationen in Mexiko, Tansania, Brasilien? Wo sind die explodierenden Fallzahlen? In den Bericht werden zwar Statements von lokalen Ärzten eingestreut, die die gewünschten O-Töne für die heimischen Bedenkenträger vor der Glotze liefern: „In letzter Zeit“, sagt da eine Medizinerin, kämen „immer mehr“ Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen in ihre Praxis. Zahlen, statistische Belege für eine Krise, gar die apokalyptischen Szenarien, die man doch in Ländern mit einem noch viel schwächeren Gesundheitssystem als bei uns erst recht erwarten müsste? Alles Fehlanzeige.

Es ist wie hierzulande, wo immer nur gewarnt, gedroht, heraufbeschworen wird, aber sich die Katastrophe nie realisiert: Die Tonalität der Mahner ist so, als ginge es hier um Ebola. Was wir wirklich sehen, spüren, erleben – ob in den Ferien oder hier zuhause in Deutschland – ist die in Wahrheit EXAKT identische Lage wie in all den Jahren vor Corona, bevor diese Illusion einer Gesundheitskrise in unsere Köpfe gepflanzt wurde. Doch Report Mainz und der von ihm in Kurzinterviews eingespielte Epidemiologe Professor Timo Ulrichs machen uns mit ihrer Inzidenz-Prophetie weis, die ständig tickende Zeitbombe gehe bald hoch. Diesmal ganz bestimmt.

Perfide wird diese Art der Berichterstattung da, wo sie zur Anklage gerät: Letztlich stellt Report Mainz jeden der deutschen Touristen, die die Freiräume in den verbliebenen „geöffneten“ Winkeln der Welt auskosten, an den Pranger – kriminalisiert sie als Importeure der Seuche und potentieller Mutanten, als Brunnenvergifter und auswärtige U-Boote, die dem „Infektionsgeschehen“ in Deutschland einen Boost verschaffen würden. Dass auch hier keinerlei Beleg für die Hypothese existiert, Auslandsreisen seien Pandemietreiber, scheint die öffentlich-rechtlichen Miesmacher und Hysterietreiber nicht zu bekümmern. (DM)

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