Vor zwei Wochen wurde die aufsehenerregende Studie des Physikerprofessors Roland Wiesendanger von der Universität Hamburg, die die These eines Laborunfalls im chinesischen Wuhan als wahrscheinlichste Entstehungsursache des Coronavirus Sars-CoV2 ermittelt hatte, von regierungsloyalen Medien sogleich pflichtschuldigst zerpflückt und als „umstrittene“ oder „nicht ernstzunehmende Arbeit“ diskreditiert. Nun jedoch mehren sich Stimmen aus der Wissenschaft, die die Hinweise ernst nehmen und fordern, dass die Laborunfall-Hypothese international und gründlich untersucht werden soll.

In einem offenen Brief, der in zahlreichen namhaften weltweiten Zeitungen veröffentlicht wurde (unter anderem der renommierten „New York Times“), wird genau diese Forderung von einer Gruppe hochkarätiger Wissenschaftler bekräftigt – darunter auch der deutsche Genetiker Günter Theißen, Professor an der Universität Jena. Gegenüber „n-tv“ äußert dieser erhebliche Zweifel an der gängigen Ursprungstheorie, wonach das Virus durch Zoonose, wahrscheinlich durch Überspringen von einer Fledermaus über einen Zwischenwirt auf den Menschen, „erbrütet“ wurde und sich von da an verbreitete. Bereits Wiesendanger hatte in seiner Arbeit gewichtige Argumente gegen diese Erklärung zusammengetragen.

Theißen macht sich keine endgültige Wahrheit zu eigen und spekuliert nicht, doch er vertritt wie seine Kollegen den Standpunkt, dass man auch unter Annahme einer lediglichen Restwahrscheinlichkeit für einen Laborunfall (und damit künstlichen Entstehung des Coronavirus) jedenfalls eine Untersuchung einleiten müsse; dies schon aufgrund der gigantischen, historischen Schäden, die im Namen dieser Pandemie weltweit angerichtet wurde, und – so Theißen – „zumindest, um der Öffentlichkeit klar zu machen, dass vorurteilsfrei in alle Richtungen ermittelt wird.“ So gäbe es massive Hinweise darauf, dass die Zoonose-Hypothese vor allem deshalb favorisiert werde, weil sie „wahrscheinlich die politisch unverfänglichste“ war – „denn dann hätte die Pandemie eine natürliche Ursache und es gäbe niemanden, der direkt oder indirekt verantwortlich wäre.

China muss sich verantworten

Dennoch gibt es auch nach einem Jahr noch keine Evidenz, dass Covid-19 eine Zoonose ist. Und: Sars-CoV-2 weise „eine ganze Reihe von Unterschieden“ zu den Sars-Vorgängerviren auf; so habe man bei allen bislang nachgewiesenen Corona-Zoonosen in den beteiligten Wildtieren Virussequenzen gefunden, die zu mehr als 99 Prozent identisch zu den entsprechenden viralen Sequenzen im Menschen waren. Dies sei bei Sars-CoV-2 nicht der Fall, hier sind es „nur“ 96 Prozent – was nach viel klinge, jedoch eine so große Abweichung im Genom bedeute, dass der Erreger vor mindestens 30 bis 50 Jahren zum Beispiel in einer Fledermaus entstanden sein müsse. Was aber sei dann in dieser Zeit passiert, fragt Theißen? Dass es sich um natürliche molekulare Evolution handele, die Teil von Theißenes Fachgebiets ist, würde er ausschließen, so der Forscher zu „n-tv“.

Und dann kommt er zu der entscheidenden Feststellung: „Man kann so ein Virus im Labor erzeugen, wenn man will. Und genau das ist ja die Hypothese, die getestet werden sollte.“ Zumal außer Frage steht und sogar von China selbst eingeräumt wurde, dass in Wuhan- Hochsicherheitslabor in der Tat entsprechende „Gain-of-Function“-Untersuchungen durchgeführt wurden. Es bleibt zu hoffen, dass der Offene Brief der Experten westliche Regierungen oder weitere Wissenschaftler so sehr wachrüttelt, bis die Frage nach der möglichen Verantwortung Chinas für diese Krise endlich zum Gegenstand offizieller Nachforschungen gemacht wird. (DM)