Hausärzte-Verband kritisiert Schnellteststrategie

0
Dabeisein dürfen? Nur noch mit Schnelltest (Foto:Imago/MedienServiceMüller)

Berlin – Was ist nur in den verwirrten Köpfen der Regierungsmitglieder los? Fast täglich denken sie sich neuen Nonsens aus, der die Bevölkerung verunsichert, aber garantiert nicht von ihrer Pein erlöst.

Jetzt sind es die Schnelltests, die uns angeblich, aber nur angeblich unsere Grundrechte zurückgeben sollen. Aber wie alles, was sich diese Bundesregierung ausdenkt, ist auch diese Nummer zum Scheitern verurteilt:

Der ab Montag geltende Anspruch jeden Bürgers auf einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche wird laut Hausärzteverband nicht umzusetzen sein. „Was wir nicht anbieten können, ist ein Tag der offenen Tür für alle, die sich mal eben spontan testen lassen wollen“, sagte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes, der „Bild am Sonntag“. Er kritisierte die Politik scharf für eine völlig ungenügende Planung: „Wir wissen nicht einmal ansatzweise, wann diese Schnelltests in welchem Umfang von wem geordert und zu wem geliefert werden sollen. Das geht so nicht.“ CSU-Generalsekretär Markus Blume legte mit Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach: „Man kann nicht die Verantwortung beim Testen auf die Länder schieben und sich selbst für komplett unzuständig erklären“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten wollen Öffnungen bei Restaurants vor allem mit Schnell- und Selbsttests ermöglichen.

Dass künftig die Wirte ihren Gästen einen Corona-Test anbieten müssen, lehnt der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga ab. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte der „Bild am Sonntag“ dazu: „Nicht jeder Gastronom kann sich ein eigenes Testzelt vor den Eingang stellen, das ist gerade für kleinere Betriebe schlicht nicht leistbar.“

Dass sich der Bundesgesundheitsminister überhaupt weigert, sich um die Schnelltests zu kümmern, ist ein Skandal. Aber wahrscheinlich weiß er auch, dass er hier ebenfalls kolossal scheitern wird und dass Angela Merkel genau deswegen ihm diese Aufgabe „anvertraut“ hat.

Kritik an Spahn kommt nun auch von erwarteter Seite:

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat der Bundesregierung schwere Versäumnisse bei der Corona-Teststrategie vorgeworfen. „Mitte Februar hat Gesundheitsminister Jens Spahn kostenlose Schnelltests für alle versprochen. Und er hat behauptet, er habe für Deutschland 500 Millionen Test vertraglich gesichert“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben).

Das sei ein großes Versprechen gewesen und habe sehr hohe Erwartungen geweckt, die Spahn nicht einhalten konnte. Zuvor hatte Kanzleramtsminister Helge Braun die Länder in die Pflicht genommen. „Es war nie verabredet, dass der Bund für die Länder Schnelltests bestellt. Das ist die Aufgabe der Länder selbst“, sagte der CDU-Politiker den Funke-Zeitungen. Der Bund bezahle, aber er schaffe nicht die Infrastruktur – und er schaffe die Tests auch nicht an. „Man kann sie am Markt jetzt kaufen.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nahm die Bundesregierung in Schutz: „Schnelltests sind im Übermaß produziert und lieferbar“, sagte er den Funke-Zeitungen. „Der Vorwurf an den Bund ist billig.“ Die Zusage des Bundes, die Hälfte der Kosten für die Testung in Schulen und Kitas zu übernehmen, sei eine wichtige Unterstützung.

Rheinland-Pfalz habe „nicht auf den Bund gewartet, sondern sofort begonnen, Tests zu beschaffen, Tester zu schulen und Teststationen aufzubauen“, so Dreyer. „Wir sind bereit.“ Der Start des Einzelhandels am Montag werde mit der Eröffnung von hunderten Schnellteststellen begleitet.

Interessant ist der Hinweis von Kretschmer, dass im Vorfeld Schnelltests im Übermaß produziert wurden. Das macht man natürlich nur, wenn man weiß, also von Seiten der Bundesregierung eine Garantie erhalten hat, dass man die Dinger gewinnbringend auf den Markt werfen kann.

Und da es noch viel zu viele Masochisten in der Bevölkerung gibt (Ja, gib mir meinen Lockdown), gehen die Tests, die keiner braucht, weg wie warme Semmeln:

Seit Samstag sind die ersten Corona-Schnelltests im Einzelhandel – und sie waren nach kurzer Zeit ausverkauft. Lidl bot überraschend auf seiner Internetseite den Antigenschnelltest Boson mit fünf Testkits für 21,99 Euro an – die Internetseite war vorübergehend nicht zu erreichen. „Auch wenn unsere Webseite aufgrund der hohen Nachfrage an unseren Corona-Selbsttest zeitweise nicht erreichbar ist, haben wir weiterhin Ware in ausreichender Menge verfügbar“, teilte Lidl mit.

Aldi bot fünf Tests in einer Packung für 24,99 Euro an. Manche Filialen hatten nur 20 Packungen, die ausschließlich an der Kasse ausgegeben wurden. In mehreren Berliner Aldi-Dependancen waren die Tests nach wenigen Minuten ausverkauft.

In der kommenden Woche wollen dm, Müller und Rossmann nachziehen. Auch diverse Discounter, Bioläden, Baumärkte und sogar Buchhandlungen stehen dem Vernehmen nach in den Startlöchern.

Stichwort Bioläden. Ganz wichtig. Nicht, dass da irgendwelche chemischen Zusätze die Gesundheit schädigen.

Deutschland ist verrückt geworden. Und um das festzustellen, benötigt man keinen Test. (Mit Material von dts)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram