Die Krankheit namens Leben: Nie mehr ohne Schnelltest!

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Hurra, wir testen uns! (Symbolbild:Imago/photothek)
„Freitesten“ immer und überall, keine Teilnahme mehr am normalen Leben ohne die eigene Ungefährlichkeit zu beweisen: Was uns binnen eines Jahres von der Politik eingetrichtert und antrainiert wurde, was bereits eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen irreversibel geschädigt hat, wird vom Staat nun endgültig in Normen und Vorschriften festgeschrieben. Dass nämlich jeder Mensch potentiell als krank, ansteckend und hochgefährlich gilt, als eine Bedrohung für das Leben anderer – und sich allenfalls gegen ständig zu aktualisierende negative Testergebnisse ein paar Momente marginaler Freiheit kaufen kann.
Soviel Vorab: Was im Namen dieser Pandemie vom Staat dekretiert und mittlerweile zur Bedingung für an sich unveräußerliche Grundrechte und Freiheiten gemacht wird, ist ein einziges Verbrechen – und wenn wir alle nicht schleunigst von diesem Irrweg abkommen, dann gnade uns Gott. „Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel bringt es auf den Punkt: „Eine panikgetriebene Teststrategie macht aus allen Gesunden, sogar den Kindern, Verdächtige, wandelnde Infektionsherde, potenzielle Killer… Mit den Tests muss jeder künftig seine Unschuld beweisen. Sonst sperrt man ihn vom Leben aus. Nein!„. Das Motto scheint zu lauten: Früher war man von Natur aus und von Geburt an zunächst einmal gesund; heute gilt man als asymptomatisch krank und/oder als ständige Viren-Zeitbombe.

Corona hat den staatlichen und innergesellschaftlichen Generalverdacht in die Welt gebracht, dass jeder ein infektiöser Gefährder ist. Was bereits mit den Masken (dieser zuerst stoff-, dann vliesgewordenen „Solidaritätsbekundung“) als allgegegenwärtige Demonstration kollektiven Wohlverhaltens bzw. Untertanengeistes versucht wurde, nämlich die Manie des „Sich-gegenseitig-voreinander-Schützens“ auf die Spitze zu treiben, das wird nun um die neuen Schutzbriefe namens „Schnelltests“ ergänzt – unter Inkaufnahme abenteuerlicher Kosten für die Bürger, die gleich doppelt blechen dürfen: Einmal durch immense persönliche Ausgaben für die Tests, und dann noch einmal mit ihren Steuergeldern für staatliche Ausgaben – von den vermeintlich „kostenlosen“ Testkits bis hin zur Etablierung einer monströsen Test-Infrastruktur.

Wenn der Staat, der diese neue Wirklichkeit propagiert und in himmelschreiend lächerlichen, arbiträren und zusammengesponnenen „Stufenplänen“ und „Teststrategien“ niederschreibt, wenigstens noch in der Lage wäre, die Voraussetzungen seiner eigenen Zielvorgaben zu schaffen, dann hätte dieser Irrsinn wenigstens noch innere Stringenz. Ironischerweise jedoch ist das Gegenteil der Fall. Organisation und Einkauf der Tests, aber auch die Logistik wurden von der Politik noch gründlicher vergeigt als zuvor bereits die Masken- und Impfstoffbeschaffung.

Staat dekretiert Gaga-Regeln, deren Voraussetzungen er selbst nicht schaffen kann

Doch eine Bundesregierung hat nicht das Recht, die Wiederherstellung von Alltagsnormalität von willkürlichen Auflagen abhängig zu machen – und dann schon gar nicht, wenn sie die dafür erforderlichen strukturellen Bedingungen nicht einmal ansatzweise herzustellen imstande ist. Wenn beim Testen überhaupt etwas funktionieren wird, dann nur deshalb, weil der vielgeschmähte Markt seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellte – und – freilich in der Erwartung legitimer Profite – aus eigenem Antrieb das realisiert, was dilettierende, jammernde Berufspolitiker nicht gebacken bekommen.

Trotzdem verliert man sich in Merkels Wagenburg in immer grotesker anmutende Phantasmen aus der schönen neuen Testwelt. Kanzleramtsminister Helge Braun sinniert: „Wir haben unterschiedliche Erwartungen an kleine und große Unternehmen. Wenn ich an VW oder die großen Fluglinien denke – viele haben eine professionelle Testinfrastruktur. Und bei kleineren Unternehmen stelle ich mir eher vor, dass sie auf dem normalen Einkaufsmarkt Tests besorgen und ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Um die Sicherheit im eigenen Betriebsablauf zu unterstützen, aber auch um wirklich etwas für die Allgemeinheit zu tun. Wenn die Unternehmen ihre Mitarbeiter testen, sind wir in der Pandemiebekämpfung einen großen Schritt vorangekommen.“ Dieser nächste ‚große Sprung nach vorne‘ in einer ewigen, zur Posse verkommenen „Pandemiebekämpfung“ wird einer bereits in den letzten Zügen liegenden Mittelstandswirtschaft den ultimativen Todesstoß versetzen, weil die permanente Testobsession erstens gar nicht durchführbar ist und zweitens mit erheblichen Mehrkosten bei gleichzeitigen Umsatzeinbrüchen einhergehen wird. Die einzigen Gewinner werden diesmal, wie zuvor schon die Masken-, Hygieneartikel- und Impfstoffhersteller, die Akteure der neuen milliardenschweren „Testindustrie“ sein. Und man kann schon jetzt Wetten darauf abschließen, dass sich auch diesmal wieder Abgeordnete und Regierungsvertraute mit „Provisionen“ und „Netzwerker-Dienstleistungen“ die Taschen vollmachen werden.

Nicht einmal zynisch-abgefeimte Großkapitalisten und marktradikale Misanthropen hätten sich den dystopischen Zustand ausmalen können, auf den wir schnurstracks zusteuern: Von Lockdowns um ihre Existenz gebrachte Menschen stürmen wie Zombies die Supermärkte, um ihr letztes Geld für Antigen-PoC-Kits auszugeben; Regale mit den Schnelltests werden schneller geplündert als vor einem Jahr die Europaletten mit Klopapier. Andere stehen um fünf Häuserblocks stundenlang an, um sich den begehrten „Negativnachweis“ zu holen. Kein Glas Bier mehr mit Freunden, kein Einkauf einer Unterhose, kein spontanes Workout im Fitnessstudio ohne aktuellen Testfreibrief – und nur nach Terminvorgabe und falls es die „Inzidenzen“ hergeben, versteht sich.

(Screenshot:Twitter)

Dass sich inzwischen die großen Handelsketten in ganzseitigen Anzeigen und Werbespots für die Schnelltests gegenseitig überbieten und diese zu Schnäppchenpreisen wie Waschmittel und Hundefutter anbieten, versinnbildlicht die endgültige Trivialisierung von Corona. So wenig wie vor 500 Jahren Tetzels Ablassbriefe, mit denen sich die angstgetriebenen Menschen Schutz vor ewiger Verdammnis im Fegefeuer kauften, irgendetwas mit fundierter Theologie oder Gottgefälligkeit zu tun hatten: So wenig haben heute Schnelltests, die von ungelernten Mindestlöhnen im Billigdiscounter als Massenware verkauft werden, noch irgendetwas mit Medizin und Gesundheit zu tun. Beiden Phänomenen liegt eine ähnliche kollektive Psychose zugrunde – und, damals wie heute, vor allem das Profitstreben interessierter Kreise.

Der verstörende Unterschied ist, dass wir heute nicht mehr im späten Mittelalter, sondern im 21. Jahrhundert leben, und dass man es eigentlich nicht für möglich halten sollte, wie bereitwillig scheinbar aufgeklärte Menschen ihre Freiheiten, ihr Lebensrecht und ihre Selbstbestimmung einem furchtindizierten „Test-Aberglauben“ unterzuordnen bereit sind – angesichts einer Krankheit ohne Kranke, einer Pandemie ohne Übersterblichkeit, einer Lawine von „Neuinfizierten“ ohne Symptome. Wenn das Ergebnis eines nasalen, oralen oder analen Abstrichs rechtlich stärker wiegt als das Grundgesetz und elementare bürgerliche Grundfreiheiten, dann läuft etwas gewaltig schief. Noch haben wir es in der Hand, uns dem Wahnsinn entgegenzustellen. Allerdings wird es nicht ohne Totalverweigerung und erforderlichenfalls Gehorsamsverweigerung gehen. (DM)

 

 

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