Corona „sei Dank“: Weniger „Seenotrettung“ im Mittelmeer, weniger ertrunkene Flüchtlinge

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Flüchtlinge mit Reiseziel Deutschland (Foto:Von AlejandroCarnicero/shutterstock)

Die erstaunliche Wechselwirkung zwischen der Präsenz von „Seenotrettungs“-Schiffen im Mittelmeer und unternommenen Überfahrten belegt die Richtigkeit der Theorie vom Pull-Effekt, wonach überhaupt erst die Helfer für die Krisensituationen sorgen, aus denen sie die Menschen sodann retten. Während der Pandemie durften etliche der vor allem von deutschen Weltverbesserern betriebenen Shuttleboote nämlich nicht ausfahren – und erstaunlicherweise gingen auch die Überfahrten und einhergehend die Schiffsbrüche mit Todesfolge zurück.

Offenbar riskieren etliche der Flüchtlinge – beziehungsweise der von ihnen bezahlten, die „Flucht“ organisierenden Schlepper – keine Überfahrt, wenn sie keine realistische Chance auf Aufgabelung durch die küstennah kreuzenden europäischen Gutmenschenkutter erwarten dürfen. Wie aktuelle Erhebungen des Statistischen Bundesamtes klar zeigen, ging im Corona-Jahr 2020 – erst recht aber auch 2021 – die Zahl der bei Überfahrtversuchen ertrunkenen Flüchtlinge infolge der Pandemie rapide zurück.

Zahl ertrunkener Mittelmeerflüchtlinge der letzten Jahre (Screenshot:Destasis)

Mangelnde Aussicht auf Errettung aus einem (oftmals kalkulierten) Schiffbruch, vor allem jedoch auf Aufnahme in der EU wegen coronabedingt geschlossener Grenzen der Mittelmeer-Anrainerstaaten verhinderten anscheinend mehr menschliche Tragödien als jeder Humanschlepperkapitän.

Ob es daher wirklich als gute Nachricht gewertet werden kann, dass das von der Evangelischen Kirche Deutschland gemeinsam mit der NGO „United4Rescue“ finanzierte marine Afrikanertaxi „Sea-Watch 4“ nun wieder auslaufen darf, ist fraglich. Ein halbes Jahr war das Schiff in Sizilien aufgrund der Pandemie von den italienischen Behörden festgesetzt; nun jedoch verfügte das Verwaltungsgericht Palermo die vorläufige Aufhebung der Arrestierung, wie die Aktivisten gestern mitteilten. Die Besatz der „Sea-Watch 4“ sprach laut „dts Nachrichtenagentur“ von einer „sechsmonatigen willkürlichen Blockade„.

Überflüssig zu erwähnen, dass das Schiff nun bald wieder ins zentrale Mittelmeer zurückkehren wird, um – so der Trägerverein – „diejenigen zu retten, die die EU ertrinken lässt“, wie es sogleich wieder in üblichen verblendeten Polemik hieß. Erst vor etwas mehr als einer Woche hatte auch die „Sea-Watch 3“ nach sieben Monaten den Hafen der spanischen Stadt Burriana verlassen dürfen – und hatte, welch großer Zufall, prompt 363 Flüchtlinge „vor dem Ertrinken gerettet“, die just an diesem Tag wieder einmal in See gestochen waren. Während ihr Nachfolgeschiff „Sea-Watch 4“ Sizilien also demnächst wieder verlässt, wartet sie dort nun mit ihren „Ebenbildern Gottes“ an Bord (CDU-Politiker Volker Kauder über „Geflüchtete“) auf die Zuweisung eines „sicheren Hafens“. Wir sehen: Während in Deutschland alles kollabiert, läuft die Mission der deutschen „Menschenfischer“ im Mittelmeer so rund wie das Brezelbacken. (DM)

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