Pünktlich vor Merkels nächstem Lockdown-Kränzchen: Drosten & Co. schüren wieder Panik

0
Dr. Drosten beim Verkünden der "Wahrheit" (Foto:Imago/xim.gs)

Die Choreographie ist inzwischen gut eingeübt und läuft wie am Schnürchen: Pünktlich kurz vor Merkels nächstem Lockdown-Kränzchen mit den Ministerpräsidenten bringt das Kanzleramt und seine alarmistische Unterstützerfront seine Hofschranzen in Position, die in der Öffentlichkeit reichlich Panik verbreiten – um so die Öffnungs- und Lockerungsbestrebungen zu kontern und für die nächste Verlängerung des Totalshutdowns zu werben. Dass diese ebenso perfide wie durchschaubare Masche noch immer bei so vielen Menschen zieht, zeigt, wie tief die Angstverhetzung und Verdrängung inzwischen greift.

Und so interessiert sich denn weiterhin nur eine zwar wachsende, aber nach wie vor ohnmächtige Minderheit für die Tatsache, dass keine einzige der Prognosen der vergangenen Monate, mit denen jeweils die Maßnahmenverlängerungen begründet wurden, je eintrat, und dass sich inzwischen zwar Wissenschaftler als politischen Ratgeber aufspielen, aber keine wissenschaftlichen Grundlagen für ihre Ratschlüsse vorlegen können – angefangen von der fehlenden Evidenz von Ansteckungsrisiken ausgerechnet in den Branchen, die seit vier Monaten systematisch durch Zwangsschließung ruiniert werden, bis hin zur Genauigkeit der Tests und der gemeldeten Inzidenzwerte.

Weil nun sogar die SPD im Vorwahlkampf von der Fahne zu gehen droht und Kanzlerkandidat Olaf Scholz die Ministerpräsident informell in ihrem Bestreben unterstützt, auch bei „höheren“ Inzidenzwerten von 50 plus Lockerungen anzustrengen, was eine Quasi-Abkehr von der bisherigen Corona-Politik ist, hofft Merkel auf die mediale Unterstützerfront, die vor den „Risiken“ warnen helfen und jene im „Öffnungsrausch“ so indirekt zu unverantwortlichen Leichtsinnigen stempeln: Und siehe da – wie gewünscht berichten deutsche Medien seit Tagen, mit näherrückendem Termin des Bund-Länder-Gipfels im Kanzleramt am 3. März, in einer geradezu bestellt anmutenden Berichterstattung über neue Horrormutationen aus San Francisco und New York (so etwa der „Stern„), um so den verblassten Schrecken der „Briten-“ und „Südafrika-Mutante“ auffrischen zu helfen.

Drostens Devise: „Den Daten glauben“

Und dann warf auch noch vorgestern, wie von ihm erwartet, Pandemie-Posterboy Christian Drosten seinen klangvollen Namen in die Waagschale und warnte: „Wir sind am Anfang einer neuen Verbreitungswelle!“ Obwohl immer deutlicher wird, dass sich die Inzidenzen überhaupt nicht mehr zur Bestimmung der Gefährlichkeit von Sars-CoV2 eignen (weil trotz steigender Fallzahlen schwere Verläufe und Todesfälle immer weiter abnehmen, immer weniger Intensivbetten belegt und die Risikogruppen überwiegend durchgeimpft sind), wird weiter der Popanz der „dritten Welle“, der explodierenden Zahlen und steigenden Kurven aufgeblasen. Man werde „wieder Zustände wie vor Weihnachten“ bekommen, unkt Drosten, und warnt im FAZ-Podcast – mit Blick auf „viele andere Länder“ – wieder einmal vor sich schnell ausbreitenden Mutationen. Gefragt nach der Datenbasis erklärte Drosten wörtlich: „Man muss einfach an diese Daten glauben und auch an diese Modellierungen.“ Der Begriff Glauben trifft es sehr gut – denn mit objektiven Tatsachen hat all das nichts mehr zu tun, was uns seit Monaten als Rechtfertigungsbasis für die destruktive Dauerzumutung Lockdown zugemutet wird, umso mehr aber mit einer Ersatzreligion.

Auch Drostens Charité-Kollege Leif-Erik Sander malte den Teufel an die Wand und befürchtete, die Impfgeschwindigkeit könne mit dem Ausbreitungstempo der Mutanten nicht Schritt halten. Listig verschweigen die Virologen, dass die vorerst umgeimpft bleibenden Bevölkerungsgruppen zwar so gut wie gar nicht von schweren Verläufen betroffen sind und in diesen daher sogar ein Durchlaufen des Virus vermutlich folgenlos bliebe (bzw. bei den inzwischen wieder reichlich vorhandenen intensivmedizinischen Kapazitäten auch gesundheitssystemisch Verantwortung wäre). Als ginge es um Leben und Tod bei gleichermaßen 100- wie 40-jährigen, forderte Sander, bei der Impfstoffvergabe notfalls auch schon Prioritätengruppen mit einzubeziehen, die jetzt eigentlich noch nicht dran wären.

Genau in diese Bresche, wohl mit dem Ziel einer Erhöhung der (aus durchaus nachvollziehbaren Gründen) lausig niedrigen Impfbereitschaft unter den Nicht-Risikogruppen, schlägt auch der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke – und trommelt somit, ganz zum Wohlgefallen der Kanzlerin, ebenfalls für die nächste Lockdown-Runde: Ohne den leisesten Beweis vorzulegen, behauptet Henke: „Wenn wir in unseren Anstrengungen jetzt nachlassen, dann kommt es demnächst bei den 40- bis 60-Jährigen zu vielen schweren Verläufen.“ Deshalb warne er vor „zu starken Lockerungen“ der Corona-Maßnahmen„. Da staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich: Die von Henke genannte Gruppe besteht aus 24 Millionen Menschen. Fünf Prozent mit schwerem Verlauf wären 1,2 Millionen Patienten, so der Funktionär: „Wenn das schnell geht, dann kollabiert das Gesundheitssystem. Die nächsten drei Wochen entscheiden das Spiel.“ Und deshalb ginge es nicht an, wenn „viele sagen, wir müssen öffnen, öffnen, öffnen… Öffnen geht aber nicht unkontrolliert, sondern nur mit Vorsicht und Disziplin„, so Henke zur „Rheinischen Post“.

Um welches „Spiel“ geht es hier, von dem Henke redet? Haben wir irgendetwas nicht mitbekommen? Auf welcher Grundlage wissenschaftlichen Grundlage maßt sich dieser Spitzenvertreter an, mit derartigen Mondzahlen zu operieren? 2.117 der bis vergangene Woche (Stand 23. Februar) gemeldeten 68.318 Corona-Todesfällen insgesamt, also seit Beginn der Pandemie – entsprechend weniger als 3,1 Prozent aller Sterbefälle „an und mit“ Verstorbenen“ überhaupt – fielen in diese Altersgruppe; über 96 Prozent der Toten waren älter, die meisten von diesen wiederum in der Gruppe der Hochbetagten, die jenseits der natürlichen Lebenserwartung standen.

Corona-Todesfälle in Deutschland nach Alter und Geschlecht bis 23.2.2021 (Quelle: Destasis)

Wie kommt ein Ärztefunktionär also dazu, mit einer Zahl von 1,2 Millionen Patienten aus dieser Altersgruppe zu hantieren – dem 500-fachen dessen, was in einem ganzen Jahr überhaupt an letalen Verlaufsfällen anfiel (und selbst dies nur unter Aufbietung der üblichen statistischen Zähltricks)  – und daran die Forderung der Lockdown-Verlängerung zu knüpfen? Leider entspricht diese Angstverhetzung genau den Manipulationspraktiken, mit denen die Corona-Politik uns Öffnungen entweder weiterhin ganz vorenthalten oder allenfalls auf jederzeitigen Widerruf gewähren will. Henke hierzu ganz unverblümt: „Es ist doch besser, zum Beispiel Geschäfte und Gastronomie etwas später zu öffnen mit einer zuverlässigen Perspektive, als zu früh damit zu beginnen und ruckzuck im nächsten Lockdown zu landen.“ Wenn das die Alternativen sind, dann können Einzelhandel und Gastronomie gleich den Löffel abgeben. (DM)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram