Lockdown: Warum er bislang „funktioniert“

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Ob´s wohl stimmt? (Foto:Imago/Heinrich)

Aberwitzige Szenen in Deutschland: Gesetzeshüter rasen mit dem Polizeiauto durch den Park, um einen 17-Jährigen zu verfolgen, der seine Freunde umarmt hatte und nun vor der Staatsmacht flüchtet. Aberwitzige Anordnungen: Jogger sollen Masken aufsetzen. In der Düsseldorfer Altstadt gilt am Wochenende ein „Verweilverbot“. Alte sterben aus Gesundheitsgründen an der Einsamkeit im Altersheim. Der eigentliche Souverän läßt zu, daß bis in sein Privatleben hineinregiert wird, tausende wirtschaftlicher Existenzen werden der Virenhysterie geopfert. Warum „funktioniert“ der Lockdown? Und warum „funktioniert“ er in Deutschland besonders gut?

von Max Erdinger

Phantastische Vorstellungen geistern durchs Internet. Von Generalstreik bis Bürgerkrieg ist alles dabei. Nichts davon wird passieren. Um zu verstehen, warum nichts davon passieren wird, muß man nur das vergangene halbe Jahrhundert Revue passieren lassen. Die intellektuelle und die physische Wehrlosigkeit des Volkes wurde systematisch herbeigeführt. Für linke Ideologen ist die Erntezeit angebrochen. Das Volk ist ihnen hilflos ausgeliefert.

Friedliche Kulturrevolution (1967)

In diesem fünfteiligen Video erklärt der damalige Studentenführer Rudi Dutschke in einem Gespräch mit Günter Gaus seine Pläne für eine „friedliche Kulturrevolution“. Um des lieben Friedens Willen ging es ihm damals um eine Revolution in Superzeitlupe. Er veranschlagte eine Revolutionsdauer von 30 Jahren. Über fünfzig Jahre später ist zu konstatieren, daß die Revolution niemals aufgehört hat. Sie wurde zu einem Selbstläufer, der sich dadurch „auszeichnet“, daß immer neue, „revolutionäre Ideen“ propagiert werden. Daß heute jemand darüber diskutieren würde, aus wievielen Geschlechtern die Menschheit besteht oder ob Mathematik ein unterdrückerisches Konstrukt weißer Männer ist, hätte sich Dutschke 1967 nicht vorstellen können. Die revolutionäre Sache ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Die intellektuelle und die physische Wehrlosigkeit des eigentlichen Souveräns ist das Resultat. Es setzt sich zusammen aus den verschiedensten Faktoren, etliche davon sind nicht mehr als bloße zivilreligiöse Gewißheiten (ideologische Dogmen).

Feminismus und Demografie

Wegen des Mutterkults der Nazis ist es in Nachkriegsdeutschland ein Leichtes gewesen, die Wertschätzung für Frauen aufgrund der Tatsache, daß sie exclusiv über die Fähigkeit verfügen, Leben zu gebären, zu diffamieren als „Nazidenke“. In der Folge wurde Deutschland zu einem der Länder mit den niedrigsten Geburtenraten der Welt. Zudem wurde Frauen tagtäglich eingeimpft, sie seien die Opfer jahrhundertelanger Unterdrückung durch Männer. In der Folge zerbrach das Urvertrauen zwischen den Geschlechtern. Sie begannen, sich gegenseitig die übelsten Absichten zu unterstellen. Resultat: Die autochthonen Deutschen werden gemessen an ihrem prozentualen Bevölkerungsanteil immer weniger und haben einen hohen Altersdurchschnitt. Mit dem Alter sinkt die Fähigkeit zum Widerstand. Generalstreikende Rentner beeindrucken niemanden. So wenig, wie Mistgabeln und Dreschflegel, die lediglich auif Plakaten abgebildet sind.

Zugleich haben sich massenhaft Eingewanderte aus anderen Kulturkreisen nie auch nur einen Deut um die deutsche Nazimanie und den feministischen „Gebärmaschinen“-Schnack geschert, was ihre eigenen Reproduktionsraten anging. Allerdings hatten sie schnell mitbekommen, welche Knöpfe man bei den Autochthonen drücken muß, um sie beschämt verstummen zu lassen. Während die Autochthonen brav mit Masken durch die Gegend laufen, sich ihre wirtschaftlichen Existenzen ruinieren lassen und obrigkeitshörig wie eh und je jede noch so schwachsinnige Anordnung befolgen, trauen sich deutsche Polizisten nicht einmal mehr, mehrhundertköpfige Trauerfeiern libanesischer Clanmitglieder aufzulösen. Weil es irgendwie „Nazi“ wäre. Stattdessen „sichern“ Polizeikräfte solche Trauerfeiern. Alt, schwach, unbewaffnet und egozentrisch bis zum Abwinken ballt so mancher Autochthone im Alter von sechzig und darüber nur noch diskret die Faust in der Tasche. Damit es niemand sieht. Machen könnte er ohnehin nichts mehr dagegen. Deutsche wurden zu „Kartoffeln“ im eigenen Land und lassen sich sogar „Kunstinstallationen“ bieten, die einzig aus dem Slogan „Deutsch mich nicht voll“ bestehen. Dennoch halten sie sich in einer beispiellos dämlichen Arroganz für „moralische Sieger“, dazu berufen, der ganzen Welt zu erklären, „wie es geht“.

Die dümmste aller zivilreligiösen Gewißheiten, denen heutige Deutsche hinterherlaufen, ist die, daß es eine gute Idee sei, ihre Interessen als Souverän von Frauen und deren feministisch verpeilten Fiffis vertreten zu lassen. Die wirklich Mächtigen dieser Welt wissen das für sich zu nutzen. Undenkbar ist, daß ungewählten „Philanthropen“ wie Soros, Gates et al durchginge, was ihnen heute durchgeht, hätten sie es nicht mit Frauen allüberall zu tun (Merkel, v.d. Leyen, Lagarde etc.pp.), sondern mit dem, was man früher „gestandene Mannsbilder“ genannt hätte, also mit Kalibern vom Schlag Adenauer, Strauß, Schmidt, Wehner, die durchaus auf Konfrontation hätten schalten können, anstatt permanent dem Verständnis, dem konstruktiven Dialog, dem gegenseitigen Einvernehmen und ähnlichen realitätsfremden Albernheiten das Wort zu reden.

Materialismus und Wissenschaftsgläubigkeit

Religiosität – da steht der heutige Deutsche drüber. Was er nicht nachvollziehen oder anfassen kann, hat keinen Wert. Der Heilige Geist ist von vorgestern. Angesagt ist stattdessen der Glaube an die eigene Geisteskraft. Da ist man sich heute selbst das Maß aller Dinge. Wissenserwerb ist anstrengend, eine Meinung zu übernehmen schon wesentlich bequemer. Mediale Meinungsmacher haben Hochkonjunktur. Am besten verkauft man sie als „Experten“ im Einzelnen und als „die Wissenschaft“ im Ganzen.

Die Meinung ist Konsumgut geworden wie alles andere. Sie schmückt den Meinungsinhaber. Das ist der Daseinszweck der Meinung. Die kleidsamste Meinung nützt aber nichts, wenn der Rest der Welt keine Kenntnis von ihr nimmt. Der Meinungsexhibitionismus in den sozialen Netzwerken boomt. Wer Meinungen attackiert, die man sich ihrer Kleidsamkeit wegen extra vom Experten hat liefern lassen, ist der Feind. Der Feind will nicht, daß man vor allen anderen „gut dasteht“. Der Feind drängt sich in den Vordergrund.

Wer will, kann sich von den SPIEGEL-Experten eine Meinung zur autofreien Innenstadt liefern lassen und im Gespräch mit anderen Meinungsinhabern damit punkten, ein „Promenadologe“ (hier und hier: Spaziergangswissenschaftler) habe festgestellt, daß man die Existenz von über 60 genderwissenschaftlich nachgewiesenen Geschlechtern bei einem Spaziergang durch die autofreie Innenstadt eindeutig erkennen könne, weil einem der Blick darauf nicht durch solche rollenden Blechkisten verstellt werde, die dafür verantwortlich sind, daß ein schwedisches Autistenmädchen ganz „traurig und wütend zugleich“ geworden ist.

Meinungstechnisch betrachtet ist die Wissenschaftsgläubigkeit eine sehr komfortable Angelegenheit. Da sie ohnehin keinen anderen Zweck hat, als das Ego zu unterstreichen, reichen auch ein- und dieselben „Wissenschaftler“ in den Talkshows aus, um einen immer und immer wieder darin zu bestätigen, wie richtig man doch mit seiner „eigenen Meinung“ zum Lockdown liegt. Lauterbach, der „Gesundheitsexperte“ der SPD, hilft einem gern ein hundertstes Mal dabei, die eigene Meinung bestätigt zu sehen, auch wenn die in Wahrheit von Beginn an die von Lauterbach gewesen ist. Lauterbach ist „die Wissenschaft“. Allenfalls sind außer ihm noch Drosten und Wieler „die Wissenschaft“. Wegen der zivilreligösen Dreifaltigkeit, die vollumfänglich die Liebe des Herrn (Meinungsinhabers zur eigenen Meinung) spiegelt. Widersprechende andere Wissenschaftler sind „der Feind“, der Bequemlichkeit wegen „Leugner“ der eigenen zivilreligösen Gewißheiten. Die politischen Folgesaspekte der lauterbachschen Wissenschaftlichkeit erläutert einem ein ums andere Mal Peter Altmaier, der andere Talkshow-König. Mit derselben Penetranz. Damit man nicht nur eine wissenschaftliche Expertenmeinung vertritt, sondern auch noch eine politische. Gebe irgendein Herr, daß der Schwindel nie auffliegt. Dann stünde man nämlich blöd da vor den anderen Meinungsinhabern. Vorbei wäre es mit der Bequemlichkeit. Man müßte sich glatt auf einen der „Leugner“ berufen, um behaupten zu können, man sei ja schon immer der Meinung gewesen, daß …

Wer einem dann vorwürfe, man hänge sein Fähnlein nach dem Meinungswind, wäre einer, der einfach nicht zur Sache diskutieren will, sondern persönlich wird. Das wäre das allerletzte, was man sich als strikt an den Fakten orientierter Meinungsinhaber bieten lassen müßte. So weit geht die Gleichberechtigung der Meinungen dann doch nicht, egal, wie sehr man in harmonischen Zeiten der Gesinnungsdemokratur von ihrem Wert überzeugt ist. Ganz egal, wie sehr man selbst ad personam „diskutiert“ hatte, – wenn es ein anderer tut, dann verläßt der den demokratischen Konsens. Wer den verläßt, ist zu Recht „umstritten“. Von allen guten Wissenschaftsgeistern verlassen, sozusagen.

Meinungstechnisch sollte man sich immer auf Seiten jener Mehrheit halten, die wiederkäut, was ihr die Experten vorgekaut haben. Weil sich die Mehrheit für besonders clever hält, hält sie einen selbst dann automatisch ebenfalls für clever und applaudiert: „Ganz unsere Meinung! Chapeau! Respekt!“. Wenn die Mehrheit „weiß“, daß der Lockdown Leben schützt, dann weiß man es aus Bequemlichkeitsgründen tunlichst nicht besser. Wer auf die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kollateralschäden des Lockdowns hinweist, respektiert nicht, daß man selbst schon eine Meinung zum Lockdown hat. Er greift einen an. Das muß man persönlich nehmen. Wer ist man denn? Und wer ist der überhaupt, daß er glaubt, sich solches erlauben zu dürfen? Respekt wäre schon wichtig. So sagen es jedenfalls die Respektsexperten. Und die Gleichheitsexperten resp. die Ungleichheitsexperten, die dann ein- und dieselben wären, wenn es ein Plusminusexperte bestätigt hätte. Wegen der Wissenschaftlichkeit der eigenen Meinung. Oder dem, was man für eine solche hält. Halten darf. Erlaubnisexperte. Wo in aller Welt ist dieser vermaledeite Erlaubnisexperte?

Verrannt?

Ein bestimmter Gedanke zum Lockdown ist ebenfalls aus Gründen des eigenen Meinungsschutzes extrem unpopulär: Die Damen und Herren Politiker könnten sich verrannt haben und sich aus Gründen ihres politischen Überlebensschutzes weigern, das einzugestehen. Um anzunehmen, daß sie sich verrannt haben könnten, müsste man freilich erst einmal unterstellen, daß der tatsächliche Zweck des Lockdowns mit dem behaupteten identisch ist. Würde man hingegen unterstellen, daß Infektionsschutz und Volksgesundheit nur vorgeschobene Pseudobegründungen seien, um einer Agenda zu folgen, die mangels Mehrheitsfähigkeit nicht offen „kommuniziert“ werden kann, – wie „wir“ heute sagen, wenn „eingestanden“ gemeint ist -, säße man meinungstechnisch trotzdem in der Zwickmühle. Man hätte sich anlügen lassen und müsste mit sich selbst „kommunizieren“, daß man in Wahrheit ein leichtgläubiger, leicht zu steuernder Meinungsdepp gewesen ist, was wiederum schlecht mit dem liebgewonnenen Selbstbild in Übereinstimmung zu bringen wäre. Man hätte zwar nur wie ein Rindvieh wiedergekäut, was einem von „Experten“ vorgekaut worden ist, hätte dummerweise aber selbst „kommuniziert“, daß es sich dabei um die „eigene Meinung“ handele. Man wird sich doch nicht anlügen haben lassen? Das wäre blamabel. Alle könnten es sehen. Zuletzt würde einen der Meinungsfeind noch naiv nennen. Folglich denkt man lieber nicht darüber nach, ob sich die Politiker krass geirrt haben könnten oder ob sie einen gar angelogen haben. Da gibt es nämlich einen Zusammenhang. Wenn herauskäme, daß sie sich lediglich verrannt haben – und wegen der Folgen, die das hatte, samt und sonders zurücktreten müssten, weshalb sie natürlich ihren Irrtum selbst dann nicht zugeben würden, wenn er ihnen selbst klar geworden wäre -, dann müsste man sich selbst genauso als Meinungsdeppen begreifen müssen wie in dem Fall, daß sie einen schlicht angelogen hätten, um zu verschleiern, daß im Sinne ihrer unkommunizierten Agenda alles genau nach Plan läuft.

Man säße also sowohl mit den Damen und Herren Politikern als auch mit der Mehrheit der „Meinerleins & Finderleins“ in jenem gemeinsamen Boot, das ausschließlich besetzt wäre mit Selbstbezüglichen, die sich auf Kosten der Wahrheit für wissenschaftlich Orientierte halten (müssen). Saudumme Situation. Da geht jeder Widerstandswille freiwillig flöten.

Dann schon lieber Lockdown so lange man noch lebt. Wegen der Gesichtswahrung, der eigenen. Natürlich würde man das nur um den Preis einer gewissen, privat bleibenden Selbstverachtung so machen, aber hey, als Deutscher ist man doch in Sachen Selbstverachtung ohnehin schon weltmeisterlich aufgestellt. Da kommt es auf einen Lockdown hin oder her auch nicht mehr an. Zumal dann nicht, wenn er einen selbst kaum betrifft, etwa, weil man als Beamter oder Pensionist ohnehin sein Geld weiterbekommt, so, wie die Damen und Herren Politiker eben auch, und weil man ohnehin noch nie besonders gesellig gewesen ist, weil man immer nur Leute mit einer zulässigen – nämlich der „eigenen Meinung“ – getroffen hätte und außer gegenseitiger Bauchpinselei und Artigkeiten aller Art nichts aufregendes zu erwarten gewesen wäre. Was ja auch nicht weniger langweilig ist, als der Lockdown.

Daß der Lockdown bislang weitgehend reibungslos „funtioniert“ hat, liegt an der Selbstbezüglichkeit des deutschen Meinungsinhabers. Für den gibt es nichts schlimmeres, als sich eingestehen zu müssen, danebengelegen zu haben. Weswegen er es auch lieber nicht „kommuniziert“, was dann auch erübrigt, daß er vorher über sein Irrtumspotential überhaupt nachdenkt. Es bestünde das Risiko, daß er auf einen Schlag richtig blöd dasteht. Für die Regierung ist ein solches, kollektiv auftretendes Individualkalkül Gold wert, wenn sie es kennt. Und die Regierung kennt ihre Pappenheimer, weil sie für teuer Steuergeld viele Berater beschäftigt, die ihr die Volksseele erklären. Diese Berater sind wahrscheinlich auch die einzigen, die wirkliche Experten sind. Weswegen es zugleich auch die einzigen Experten sind, die nicht gern in die Talkshows eingeladen werden.

Wem diese Betrachtung zum Zusammenhang von Volkseele und Lockdown nicht gefallen hat, der darf sie natürlich gern als „umstritten“ bezeichnen und zu Rückversicherungszwecken nach der Mehrheit schielen.

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