Impffieber steigt

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Impfung (Bild: shutterstock.comVon Guillem de Balanzo)

Die Nadel im Heuhaufen Deutschland ist gefunden, jetzt geht es rund mit der Impferei:

Der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet sogar mit einer Überforderung der Impfzenten in zwei Monaten. „Wir werden in zwei Monaten sehr viel mehr Impfstoff in Deutschland haben, als die bisherigen Impfzentren verimpfen können“, sagte er der RTL/n-tv-Redaktion. „Es wundert mich, dass wir noch nicht ausreichend vorbereitet sind auf die Schwemme an Impfstoffen, die ich uns in zwei Monaten prophezeie.“

Man müsse sich schon jetzt Gedanken über Transportwege zu den Hausarztpraxen und die Impf-Infrastruktur machen. „Das alles muss jetzt geplant werden und ich sehe schon jetzt mit Grausen, wie wir dann wieder von einer Ad-Hoc-Lösung in die nächste Ad-Hoc stolpern, weil es keinen präzisen Plan gibt“, so Montgomery.

Haus- und Fachärzte werden allerdings spätestens ab Mai Bürger auch mit Biontech-Impfstoff gegen Corona impfen können. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erwartet „einen Impfstart für die Praxen in den nächsten sechs bis acht Wochen“, sagte der KBV-Sprecher der „Rheinischen Post“ (Freitagausgabe). Apotheken und Großhandel haben bereits ein Vertriebskonzept für den empfindlichen Stoff vorgelegt.

„Die 4.000 Apotheken in NRW stehen bereit, die niedergelassenen Ärzte ab Mai mit Impfstoff auch von Biontech zu versorgen“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, der Redaktion. „Jeweils am Montag würde der Großhandel den Impfstoff den Apotheken anliefern, die Apotheken würden ihn dann in Kühlboxen an die Praxen ausliefern. Bei 2 bis 8 Grad ist der Impfstoff 120 Stunden, also eine Arbeitswoche, haltbar.“

Das NRW-Gesundheitsministerium sagte der Redaktion, es sei „zuversichtlich, zeitnah ein Konzept zur Verimpfung in den Hausarztpraxen vorlegen bzw. einen entsprechenden Erlass dazu veröffentlichen zu können“.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich dagegen gegen den Vorstoß seines bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CSU) gewandt, den Corona-Impfstoff von Astrazeneca allen zur Verfügung zu stellen – ohne Priorisierung nach Risiko oder Beruf. „Mit den bis Ende März angekündigten Liefermengen werden wir den Bedarf in der zweithöchsten Prioritätsgruppe wahrscheinlich noch nicht decken können“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben). Daher sei es zu früh, über eine Aufhebung der Priorisierung zu sprechen.

„Zudem ist es nicht hilfreich, wenn dieser sehr gute Impfstoff jetzt völlig ungerechtfertigt ein Ladenhüter-Image verpasst bekommt. In der höchsten Prioritätsgruppe mag der Bedarf gedeckt sein, aber in der zweithöchsten Gruppe stehen wir gerade erst am Anfang.“ In Thüringen werde Astrazeneca gut angenommen.

Seit Dienstag vergebe man Impftermine in der zweithöchsten Prioritätsgruppe, am Donnerstag seien die Grundschullehrer und Erzieher dazugekommen. „Die Nachfrage ist immens. In wenigen Stunden waren tausende Termine gebucht. Auch in Krankenhäusern wird der Impfstoff gut angenommen“, so der Linken-Politiker.

Und diese Dame legt noch einen drauf: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine EU-Taskforce zur Koordinierung der Impfstoffproduktion angekündigt. Das Gremium werde unter der Leitung des EU-Kommissars Michel Breton arbeiten, sagte Merkel am Donnerstagabend nach dem ersten Tag des EU-Sondergipfels per Videokonferenz. Neben der Unterstützung von Forschungsbemühungen stehe bei der Taskfore vor allem der rasche Ausbau der Produktionskapazitäten im Vordergrund.

Man müsse wegen der Mutanten über viele Jahre in der Lage sein, gegen das Coronavirus zu impfen, sagte die CDU-Politikerin. Das sei auch die einhellige Meinung der Konferenzteilnehmer. Bei den Grenzkontrollen habe sie für Deutschland erklärt, „dass wir uns in bestimmten Fällen, und da sind wir nicht die einzigen, gezwungen sehen auch bestimmte Beschränkungen einzuführen, wenn es entweder Hochinzidenzgebiete oder Mutationsgebiete gibt“, sagte die Kanzlerin.

Man setze aber alles daran, den freien Warenverkehr und den Pendlerverkehr möglich zu machen, so Merkel. (Mit Material von dts)

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