WHO-Direktor: Pandemie ist fast vorbei – Mutationen sind der Anfang vom Ende

(Symbolfoto: Von frankie's/Shutterstock)

Nach WHO-Angaben gehen die sogenannten Corona-Zahlen seit sechs Wochen weltweit deutlich und stärker als erwartet zurück. Die Lage entspanne sich zusehends. Der WHO-Regionaldirektor für Europa Hans Henri Kluge erklärte gegenüber dem dänischen Staatssender DR sogar, dass die Coronavirus-Pandemie schon in wenigen Monaten vorbei sein wird. Auch deutsche Experten erwarten“ein spürbar unbeschwerteres Frühjahr 2021, einen fast normalen Sommer und einen so gut wie normalen Herbst“. Was nun, Frau Merkel?

Während in Deutschland das Infektionsniveau stagniere, sinken die Zahlen nach WHO-Angaben weltweit laut n-tv plötzlich deutlich – und das trotz Mutationen. In der zweiten Januarwoche hatte die Pandemie nach offiziellen Zahlen ihren Höhepunkt erreicht. Damals infizierten sich mehr als 700.000 Menschen pro Tag. Jetzt, nur sechs Wochen später, sind es nur noch 350.000.

Das könne ein Zeichen dafür sein, daß das Virus an Kraft verliere, glauben Experten. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, daß ein plötzliches Nachlassen des Infektionsgeschehens nicht ungewöhnlich ist, erklärte bereits vor einigen Wochen der Epidemiologe Klaus Stöhr, der das Global-Influenza-Programm der WHO geleitet hatte und dort auch Sars-Forschungskoordinator war.

Sowohl die beiden großen Influenza-Pandemien in den Jahren 1957 (Asiatische Grippe, 2 bis 4 Millionen Tote) und 1968 (Hongkong-Grippe, 1 bis 3 Millionen Tote) seien genauso schnell zusammengebrochen, wie sie sich aufgebäumt hatten. Auch die 1918/19 grassierende Spanische Grippe mit mehr als 50 Millionen Tote) war in ihrer zweiten Welle am tödlichsten und kurz nach der dritten vorbei. Ihren Erreger, das H1N1-Virus, gibt es immer noch. In abgeschwächter Form führt es heute zur „normalen“ Influenza.

Dass Mutationen eher der Anfang vom Ende einer Pandemie sind, davon gehen auch US-Forscher der Universitäten in Atlanta und Pennsylvania aus. Sie veröffentlichten eine entsprechende Studie unter Leitung der Biologin Jennie Lavine im renommierten Fachmagazin „Science“ und prognostizierten, daß das Coronavirus bald „endemisch“ werde, sich also nur noch örtlich begrenzt ausbreite. Demnach könnte der Erreger in absehbarer Zeit seinen Schrecken verlieren.

Die Tendenz ist auf allen Erdteilen – mit Ausnahme des östlichen Mittelmeerraums – stark fallend. Und das, obwohl in den meisten Ländern inzwischen die von Merkel und Co gefürchteten Mutationen das Infektionsgeschehen prägen und allerorts die strengen Lockdowns gelockert werden. Auch die Zahlen der an mit oder an Corona Verstorbenen sind weltweit rückläufig.

Der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnt zwar, es sei noch nicht vorbei, aber er und seine WHO-Offiziellen sprechen in ihren Analysen und Kommentaren zugleich immer lauter davon, daß die Entwicklung „sehr ermutigend“ und „eine Wende“ sei. Für WHO-Regionaldirektor Kluge ist das Schlimmste überstanden: „Es wird weiterhin ein Virus geben, aber ich glaube nicht, dass Einschränkungen nötig sein werden. Das ist eine optimistische Aussage.“ Kluge steht damit im Widerspruch zum deutschen Angstszenario. Für ihn seien Mutationen „normal“ und würden nicht automatisch dazu führen, dass das Virus außer Kontrolle gerate.

Für den Rückgang der Zahlen können nicht die Impfungen verantwortlich sein, dazu seien weltweit zu wenig Menschen geimpft worden. Grund seien neben den Vorsichts- und Hygienemaßnahmen auch die sogenannte Herdenimmunität. In den USA, Schweden und Brasilien habe sich ein Großteil der Bevölkerung bereits einmal angesteckt. Das bremse die Ausbreitung. Auch die nun auftretenden Mutationen könnten durchaus ein gutes Zeichen sein, denn in der Regel enden Pandemien durch Mutationen, die weniger pathogen sind als ihre Vorgänger.

Das das Ende der Pandemie vor der Tür stehen könnte, glaubt auch Prof. Heiner Fangerau, Direktor des Instituts für Medizingeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit dem Hinweis auf die Spanische Grippe: „Ich rechne damit, dass die Corona-Pandemie ähnlich verlaufen wird.“ Auch der Virologe Friedemann Weber von der Universität Gießen sagt voraus: „Schon das Frühjahr 2021 sollte spürbar unbeschwerter sein, der Sommer schon fast wieder normal und der Herbst so gut wie normal.“