Öffnungen – wenn überhaupt, dann nur auf Widerruf sowie Abstand und Maske für alle Ewigkeit

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Foto: Von Tinnakorn jorruang/Shutterstock

Inzwischen sind wir glücklich an einem Punkt angelangt, da auch nur die bloße Aussicht auf Lockerungen, auf eine Ende des Lockdowns derartige Sehnsüchte weckt, dass niemand mehr die Bedingungen dieser künftigen Freiheit hinterfragt. Weil die Vorstellung, dass wir eines Tages wieder wie vor der Pandemie leben können, ohnehin utopisch erscheint, fällt garniemandem mehr auf, dass diese „letzte Stufe“ der Öffnungsstrategie dann weiterhin die AHA-Regeln wie selbstverständlich vorschreibt. Das heißt: Maske und Abstand praktisch für alle Ewigkeit.

Nachdem aus dem Umfeld des Kanzleramts gestern bereits entsprechende Gedankenspiele für die Bund-Länder-Konferenz kommende Woche durchgesickert waren (bei der dann voraussichtlich die nächste, inzwischen sechste wortbrüchige Verlängerung des Lockdowns zu abermals neuen Bedingungen verkündet werden wird), präzisierte das Robert-Koch-Institut gestern seinen Vier-Stufen-Plan, mit dem bis zur Durchimpfung der Bevölkerung (die in Deutschland noch sehr, sehr lange auf sich warten lassen wird) eine „zeitnahe“ Perspektive für Öffnungen geschaffen werden soll.

Dieser besteht aus drei „Intensitätsstufen“ und einer „Basisstufe„. Intensitätsstufe 3 (die „schlimmste“, derzeit noch geltende), greift ab Inzidenzwerten über 50 und bedeuten Lockdown, allenfalls noch mit Grundschul- und Kitaöffnungen. Intensitätsstufe 2 gilt zwischen den Inzidenzwerten 35 und 50 und entspricht in etwa dem „Lockdown Light“ von November – Bars, Clubs und Gastronomie bleiben zu, für den Rest allenfalls zugangsbeschränkte Teilöffnungen. Intensitätsstufe 1 bei Inzidenzwerten 10 bis 50 sieht weitgehende Öffnungen vor, bei Begrenzungen von Zusammenkünften im Innenraum bis 50, im Freien bis 500 Personen.

Endziel ist die Basisstufe – mit einer Inzidenz von unter 10. Erst hier haben Einzelhandel, Geschäfte, Bars und Restaurants geöffnet – wenn auch mit Schutzkonzepten, und selbst hier sind die Zusammenkünfte auf 100 Personen innen und 1000 draußen begrenzt, unter Fortbestand von Quarantänemaßnahmen und Warn-App-Nutzung. Auch die AHA-Regeln (inklusive Maskenpflicht an vorgeschriebenen Orten und Situation) bleiben bestehen. Natürlich – und das macht den Plan vollends verrückt – mit der jederzeit drohenden Rückkehr zu einer höheren Stufe, sobald sich die Inzidenzen entsprechend verändern. Vor allem wird es angesichts der gewaltigen Diskrepanzen bei den Inzidenzwerten einzelner Kreise – die zwischen unter 10 und über 400 schwanken – zu massiven Ungerechtigkeiten kommen.

Zero-Covid durch die Hintertür

Kurz gesagt: Das Fernziel „echtes Lockdown-Ende“, die vollständige Öffnung, die eigentlich bisher (und so wurde es auch bei Verkündung des zweiten Lockdowns vergangenen Oktober versprochen) für den Falle des Wiedererreichens einer 50er-Inzidenz eintreten sollte, greift jetzt faktisch erst bei einem Wert von unter 10. Kein Wort mehr davon, dass es doch eigentlich der Zweck des Lockdowns sein sollte, die Nachverfolgbarkeit auftretender Fälle und der zugehörigen Infektionsketten durch die Gesundheitsbehörden wiederzuermöglichen, was doch erst ab dem Wert 50 möglich sei; dass durch den Lockdown Corona „eliminiert“ werden soll, davon war aus gutem Grund nie die Rede gewesen, weil dies ohne „Nordkorea-Strategie“ nie machbar wäre. Doch niemanden scheint diese wahllose, widersprüchliche Politik zu stören. Die Regierenden kommen damit wieder einfach so durch; die braven deutschen Untertanen schlucken jede Sauerei, die man ihnen auf Basis immer neuer Propagandatricks und geänderter Entscheidungskriterien auftischt. Am Schlimmsten dabei: Mit dem RKI-Plan hätte die Bundesregierung dann praktisch die Zero-Covid-Strategie implementiert.

Besonders frech: Ohne dies groß zu thematisieren, wird selbst in der höchsten Lockerungsstufe an einigen Restriktionen festgehalten. Wer zu 100 Prozent seiner Freiheit beraubt wird, dem erscheint auch schon die Wiedererlangung von 70 Prozent paradiesisch – und so kommt es, dass in dem gestern vorgestellten, stufenweisen „Öffnungsplan“ des RKI die perspektivische Aufhebung von Abstandhalten und Maskenpflicht schon gar nicht mehr vorkommen. Selbst wenn die illusorische „Inzidenz unter 10“ erreicht ist und alles wieder geöffnet ist, sollen diese Regelungen weiterhin gelten. Erinnern wir uns: Vor einem Jahr wären alleine die AHA-Regeln noch als völlig undenkbare Eingriffe des Staates in unsere Privat- und Sozialsphäre, als Bevormundungsakte sondergleichen empfunden worden. Die Maskenpflicht kam erst fast sechs Wochen nach dem Lockdown. Doch mit dem Abbau von Freiheiten ist es wie mit Steuererhöhungen: Der Mensch gewöhnt sich an alles und vergisst den Vorzustand.

Riesige Entwicklungsstörungen und Langzeitschäden der Maßnahmen

Inzwischen gibt es sogar viele, die die Maske als künftige Allgemeinvorschrift auch ohne Pandemie beklatschen (zumal hier nach Corona der Grundsatz gelten wird „nach der Pandemie ist vor der Pandemie) – und die mit einer aberwitzigen Nonchalance äußern, diese Maßnahme hätte sich ja als so dermaßen sinnvoll erwiesen, hätte insbesondere auch bei der Grippeeindämmung und sonstigen Infektionen so segensreich gewirkt, dass man davon nicht mehr lassen sollte. Ob Maske oder Abstand: Die riesigen psychischen und sozialen, aber auch gesundheitlichen Schäden durch einen derartigen Hygienewahn sind dabei noch überhaupt nicht abzusehen: Allergien und Anfälligkeiten infolge mangelnder Stimulierung und Forderung des Immunsystems vor allem bei Jüngeren; das Gefühl von Angst und Unterdrückung durch stetige soziale Kontrolle und öffentliche Verhaltenskonditionierung beim korrekten Maskentragen. Vor allem aber: die Verfestigung der Neurose, zwischenmenschliche oder auch physische Kontakte auf engstem Raum – ob im Gedränge auf dem Markt, im Stadion, auf Konzerten oder in Discos – seien etwas „Schädliches“ und „Krankmachendes“.

Es ist ein perfider Trick des Corona-Regimes, uns diese künftigen Zumutungen und Umprogrammierungen als Nebensache, als Kleinigkeit, als quasi allergeringstes Problem erscheinen zu lassen, wo es erst einmal um die großen Fragen wie Lockdown-Ende und Wiedereröffnungen geht. In Wahrheit aber müsste ALLES beendet werden, ausnahmslos. Uns muss unser Leben zurückgegeben werden – und dies eigentlich nicht scheibchenweise und nur eventuell, durch willkürliche und auf selbstreferenziellen Zahlenwerten basierende Stufenpläne, sondern unverzüglich. (DM)

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