Neue Schnapsideen aus dem Kanzleramt für „Öffnungen“: Auf und zu, auf und zu

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Corona-Kontrollen in Berlin (Foto:Imago/Seeliger)

In Deutschland zeichnet sich – anstelle verlässlicher Perspektiven für ein Ende des Knockdowns – eine neue angebliche Öffnungsstrategie der Bundesregierung ab, die man als „Hosenlatz-Prinzip“ bezeichnen könnte: Auf und zu, wieder auf, wieder zu – je nachdem, was die wahllos herbeigetesteten Inzidenzwerte über Zeiträume von 14 Tagen eben so hergeben. Ein Unsinn im Quadrat, mit dem die Politik ihre bisherige Mut- und Einfallslosigkeit nochmals übertrifft.

Während andere Staaten entweder bereits aus dem Lockdown heraustreten oder sehr konkrete und planbare Öffnungsschritte definiert haben, wird in Deutschland seit Wochen nur gemauert, folgt jedem Ruf nach Lockerungen sogleich die nächste wahnhafte Beschwörung einer „dritten Welle“, einer angeblich bevorstehenden Verschlimmerung. Für den nächsten, Anfang kommender Woche anstehenden Bund-Länder-Gipfel kursieren allerdings Überlegungen, wie „Druck aus dem Kessel“ genommen werden kann – durch eine scheinbare Strategie, die in Wahrheit keine ist.

Die Eckpunkte des weiteren Vorgehens, über die das Portal „Business Insider“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, verheißen für Gastronomen, Einzelhändler und andere stillgelegte Branchen dabei keine Hoffnung, sondern sind eher Anlass für endgültige Resignation. Dass Bund und Länder Lockerungen nicht mehr vom Erreichen starrer Inzidenzwerte abhängig machen wollen, ist nur augenscheinlich eine positive Veränderung. Un Wirklichkeit wird dadurch dem Chaos erst recht Tür und Tor geöffnet.

Hü-und-Hott-Nonsens aus dem Planungsbüro

Den Plänen nach soll es ab einer über sieben Tage lang stabilen Inzidenz von „weniger als 35“ alle zwei Wochen Öffnungsschritte geben – allerdings unter folgender Bedingung: Die Inzidenz darf nach jedem Öffnungsschritt keinesfalls wieder über 35 steigen, sondern muss 14 Tage lang konstant bei diesem Wert bleiben oder ihn idealerweise unterschreiten. Ansonsten werden die Öffnungsschritte wieder zurückgenommen.

Offenbar hat die „Idiokratie“ im politischen Berlin nun vollends um sich gegriffen. Wie stellen sich die üppig bepfründeten, wirtschaftlich NULL von der Krise persönlich betroffenen Funktionäre das vor – dass die Unternehmen (sofern sie überhaupt noch existent und nicht bereits pleite sind) dann zum „Stop-and-Go“-Wirtschaften übergehen und willkürlich halbmonatlich auf- und wieder zuschließen, je nachdem, welche Zahlenwerte ihnen RKI und Gesundheitsministerium präsentieren?

Neben der Unterschreitung des Wertes 35 sollen auch andere Faktoren wie Impfquote oder Anzahl der Intensivbetten zu beobachtende Kriterien werden – wobei es hier selbst bei weiterhin günstiger Entwicklungen trotzdem nur schrittweise Lockerungen geben soll; Bund und Ländern schwebt den Informationen zufolge aktuell vor, dass dann beispielsweise zunächst wieder Treffen von fünf Personen aus zwei Haushalten möglich sein sollen. Bislang dürfen sich nur maximal zwei Personen aus zwei Haushalten treffen. Bleibt die Inzidenz nach diesem ersten Lockerungsschritt 14 Tage lang trotzdem unter 35, sollen sich dann im nächsten Schritt zehn Personen aus drei Haushalten treffen dürfen.

Kafkaeske Kontaktbegrenzungen 

Erhöht sich die Inzidenz die darauffolgenden zwei Wochen ebenfalls nicht, sollen Treffen von zehn Personen ohne Haushaltsbeschränkung ermöglicht werden. Weitere 14 Tage später wären dann persönliche Kontakte ohne jegliche Beschränkung möglich. Wer bei solchen bürokratischen Gedankenspielereien nach dem Motto „play stupid games, win stupid prizes“ noch durchblicken und IRGENDein tragfähiges Konzept hinter diesen Plänen entdecken soll, bleibt wohl das Geheimnis unserer Corona-„Krisenmanager“.

Insbesondere, dass zwischen den einzelnen Kreisen und Kommunen schon jetzt die Inzidenzwerte absurd voneinander abweichen – um bis zu dem Faktor 20 -, macht die neue „Strategie“ zur Farce. Gegenüber den bisher diskutierten starren Schwellenwerten, nach deren Unterschreiten jeweils Öffnungsschritte greifen sollten (also etwa einer Inzidenz von 35, 20 und 10) wird sie sich sogar als noch schikanöser für die Wirtschaft auswirken – weil sie die jederzeitige „Verschlimmerungsoption“ durch drohende Wiederaufhebung der Restriktionen bereits vorwegnimmt. (DM)

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