„Spritzenmeister“ Spahn: Hauptsache impfen – egal von welchem Hersteller und wie oft

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Spahn: Impfen um jeden Preis (Foto:Imago/Political-Moments)

Wir haben keine Ahnung, wie genau und wie lange die Impfung wirkt – aber je mehr wir uns davon reinjagen lassen, umso besser: Auf diese bestechende Logik lässt sich herunterbrechen, was Gesundheitsminister Jens Spahn bei einer einer Online-Diskussion am Wochenende rund ums Thema Covid-Impfung zum Besten gab. Vor den zugeschalteten Bürgern pries Spahn insbesondere den Impfstoff-Ladenhüter von Astrazeneca (AZ) – den die Regierung selbst ins Zwielicht gerückt hatte, als sie ihn vor einem Monat als unwirksam für Ältere deklariert hatte (um so vom Beschaffungsversagen abzulenken und Engpässen entgegenzuwirken).

Nun jedoch, nachdem Angela Merkel ihre glücklicherweise nur bildliche „Abspritz-Garantie“ gegeben hatte und alles daran gesetzt werden muss – auch durch fieberhaftes Zusammenkaufen und Nachbestellen an allen Fronten -, das „Impf-Angebot an alle bis Ende des Sommers“ aufrechterhalten zu können: Da muss natürlich auch AZ restlos genutzt und unters Volks gebracht werden. Um hier bestehende Bedenken auszuräumen, gab Spahn eine höchst bemerkenswerte Empfehlung ab, die aus medizinischer und gesundheitspolitischer Sicht befremdlich wirkt und aus Laiensicht geradezu an Wahnsinn grenzt: Jeder könne sich jetzt ruhig schon einmal mit AZ impfen lassen; „zu einem späteren Zeitpunkt“ sei dann eine Nachimpfung mit einem anderen Wirkstoff „denkbar“ und „problemlos möglich“ – zum Beispiel dann, wenn am Ende des Jahres alles Impfwilligen geimpft seien und noch Restbestände übrig seien.

Konkret hatte Spahn laut „Welt“ auf die Frage eines 58-jährigen Mannes aus Nürnberg geantwortet, der selbst Risikopatient ist und seinen Vater pflegt, der wissen wollte, ob er sich nach einer Impfung mit dem AZ-Serum später noch mit dem Pfizer/Biontech- oder oder Moderna-Impfstoffen nachimpfen lassen könne. Spahn bejahte dies uneingeschränkt – und plapperte sorglos drauflos: „Vielleicht brauchen wir übrigens alle eine dritte Impfung, das wissen wir noch gar nicht, ob wir alle nach zwölf oder 24 Monaten noch einmal eine brauchen.“ Soso. Und die kann dann von einem völlig anderen Hersteller sein, dessen Vakzine auf einem ganz anderen Wirkmechanismus basiert (AZ ist ein Vektorimpfstoff, Pfizer/Biontech sind mRNA-Impfstoffe)? Sollen ab sofort vielleicht alle Impfstoffe erst einmal durchprobiert werden, alle paar Wochen ein anderer?

Selbst Paul-Ehrlich-Institut geht auf Distanz

Bei welcher bisherigen Infektionskrankheit, bei welchem bisherigen etablierten Impfstoff (obwohl es sich dabei, anders bei den im Haurucktempo entwickelten und auf den Markt gedrückten Corona-Experimentalvakzinen, um bewährte und etablierte Produkte handelt) hat man je davon gehört, man könne sich einfach problemlos mit irgendeinem anderen, noch gar nicht erhältlichen Stoff nachimpfen lassen, wenn man sich nicht sicher fühlt? Sind die Devisen „viel bringt viel“ und „Hauptsache, sich irgendetwas spritzen lassen“ inzwischen die Goldenen Regeln der deutschen Impfstrategie? Es wirkt fast so, als ob man einem Patienten mit Kopfschmerzen sagt: Schluck irgendwelche Tabletten – und wenn sie nichts bringen, schluck noch ein paar andere.

Hier geht es erkennbar nur darum, die Kanzlerin vor ihrer nächsten Totalblamage zu bewahren – dass sie nämlich ihre Zusage, bis 21.9. sei jedem Deutschen das ominöse „Impfangebot“ unterbreitet worden, nicht einhalten kann. Deshalb heißt es jetzt: Irgendeine Impfung ist besser als keine, auch wenn sie nichts taugt – eine wirksame könnt ihr euch später geben lassen! Hier wurde es anscheinend sogar dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, gar zu mulmig: Er sah sich veranlasst, auf Spahns unüberlegtes Gerede hin Stellung beziehen, und stellte klar, dass bislang noch gar nichts darüber bekannt sei, ob man wirklich später einfach so einen anderen Impfstoff nehmen könne, um nochmals –  „vielleicht in einem Jahr“ – die entsprechende Schutzwirkung „zu boosten„. (DM)

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