Die unsichtbaren Killer-Viren: Wenn zuviele Aerosole das Hirn vernebeln

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(Symbolbild:Imago/MiS)

Immer mehr beschleicht einen der Eindruck, dass mit fortschreitender Dauer dieser Pandemie in den etablierten Medien nur noch jene Experten zu Wort kommen und die öffentliche „Diskussion“ mitbestimmen dürfen, die noch in irgendeiner Weise zu ihrer Verlängerung und zur Dramatisierung der Lage beitragen – damit die Maßnahmen (von AHA bis zu staatlichen Lockdown-Restriktionen) für alle Zeiten unhinterfragt Gültigkeit behalten. So durfte gestern in der „Welt“ ein sogenannter „Aerosol-Forscher“ (was es nicht alles gibt!) sonderbare Ausführungen zur Viren-Ausbreitungsdynamik in Innenräumen vortragen.

Wenn man liest, was Martin Kriegel, Direktor des Hermann-Rietschel-Instituts für Energietechnik an der Technischen Universität Berlin, über Infektionsgefahren durch Atemluft und Strömungsverhalten von Aerosolen zu sagen hatte, muss man unweigerlich den Eindruck gewinnen: Vor März 2020 waren wir alle topfit, kerngesund, noch nie hatte unser Immunsystem irgendetwas zu tun – bis dann dieses tödliche Virus namens Sars-CoV2 kam und uns das Leben zur Hölle machte. Mit einer Akribie werden seitdem die physikalischen Verbreitungsmechanismen und Verweildauer des Erregers im Luftkörper analysiert und modelliert, gegen die die witterungsbedingte Radioaktivitätsausbreitung nach dem Tschernobyl-Atomunfall vor 35 Jahren wie Kindergeburtstag anmutete.

Die Gefahr lauert im Unsichtbaren und so schwant Kriegel Übles: In Innenräumen etwa, so erklärt er, gelte die 1,5-Meter-Regel (die seltsamerweise in Warteschlangen, im Büro oder auch beim Einkaufen nach wie vor propagiert wird) „schon lange nicht mehr„, denn bei ihr „ging man von einer Ansteckung über Tröpfchen aus, die zu Boden fallen„. Deshalb sollte man ja auch Masken tragen – die diese Tröpfchen zurückhielten. Vermeintlich inzwischen wisse man, dass das Coronavirus „nicht nur über Tröpfchen, sondern auch über viel kleinere Partikel verbreitet wird“ – eben kleinste Aerosole, die sich laut Kriegel „wie Zigarettenrauch“ verhielten und lange im Raum schweben, teilweise über Stunden: „Sie konzentrieren sich in der Nähe von Infizierten, aber sie verbreiten sich auch innerhalb von Minuten überall im Raum.“ Auf gut Deutsch: Wir sind alle verloren, Schutz gibt es nicht.

Schreckliche Aerosole, fein wie Rauch

Gar nichts hält der Experte von Plexiglasscheiben („absolut kontraproduktiv!„), wie sie etwa in der Schule, in Büros oder in der Gastronomie im Rahmen der noch bis vor wenigen Monate als hocheffektiv gepriesenen Hygienekonzepte überall nachgerüstet wurden – bevor dann die Regierung entschied, alles, was im letzten Sommer galt, sei plötzlich nichts mehr wert und es müsse nun doch die Totalschließung her (ähnlich wie im Fall der Alltags-/Stoffmasken, die seit drei Wochen plötzlich nicht mehr getragen werden dürfen, weil sie angeblich – anders als in den neun Monaten zuvor – unwirksam seien). „Aus dem Virus lernen“ bedeutet für die politischen Entscheider heute offenbar, stets heute das Gegenteil von dem zu behaupten, was gestern galt.

So wird es vermutlich dann auch mit den neuen „Hygienekonzepten“ sein, für die sich Kriegel im Falle der anstehenden nächsten „Öffnungen“ (so sie den kommen sollten) stark macht: In Restaurant müsse man etwa darauf achten, wieviel ab sofort gesprochen werden darf – denn „eine sprechende Person stößt etwa viermal so viele Aerosol-Partikel aus wie eine ruhig atmende„. Gibt es ab sofort dann also Wort-Kontingente, die vom Wirt überwacht werden müssen? Und auch das soziale Bewegungsverhalten will der Wissenschaftler ins Visier nehmen:“Wie lange steht man zusammen, trinkt gemeinsam? Auch dafür sollte es Konzepte geben.“ Und für den Fall, das wir jemals wieder Kinos, Theater oder Veranstaltungen besuchen dürfen, stehen wir sowieso unter Dauerbeobachtung: „Da ist das Verhalten in der Pause und in der Garderobe entscheidend. Wie lange steht man zusammen, trinkt gemeinsam?„, so Krieger. Und natürlich sei „die Aufenthaltszeit“ entscheidend. Geht’s eigentlich noch? Wer möchte, bittersehr, in solch einer Zukunft leben – mit hysterischer Abstandsphobie, auf Stoppuhr und unter permanenter vokaler und respiratorischer Selbstkontrolle?

Das „Rätsel“ unterschiedlich starker Immunsysteme

Die Psychose, sich mit der vollen Aufmerksamkeit von Staat, Wissenschaft und Gesellschaft nur noch auf ein einziges Virus zu fokussieren, das nicht einmal ein Hundertstel seiner ursprünglich angenommenen Schädlichkeit aufweist und zu einer quasireligiösen, geradezu abergläubischen Obsession in seiner Bekämpfung führte, die unser gesamtes Leben auf den Kopf stellte, hat inzwischen anscheinend selbst nachrangige wissenschaftliche Disziplinen ergriffen – und intelligente, gebildetste Gesellschaftsgruppen kirre gemacht. Kriegel selbst ist von seinen Aerosol-Forschungen anscheinend so vernebelt, dass er überall nur noch Viren schweben sieht. Es klingt fast wie Selbstberuhigung, wenn er sagt: „Ich kaufe einmal wöchentlich für einen Fünf-Personen-Haushalt ein, da kann ich fast anderthalb bis zwei Stunden im Supermarkt verbringen.“ Solche Aussagen, all die wissenschaftlichen Studien und Infektionsanalysen würden Sinn machen, wenn Covid eine Erkrankung wäre, die so gefährlich wie Tollwut oder Ebola wäre oder sich zumindest als potentiell so tödlich wie einst die Spanische Grippe erwiesen hätte. Dann wären solche Informationen überlebenswichtig. Aber doch nicht bei einem Erreger, der 99,88 Prozent der Deutschen gar nicht betrifft (und die restlichen 0,12 Prozent Infizierter, in acht von zehn Fällen nur durch harmlose Symptome). Es ist nur noch grotesk.

Anscheinend hat Aerosol-Forscher Kriegel übrigens noch nie etwas von der unterschiedlichen Fitness des menschlichen Immunsystems je nach physischem Gesamtzustand gehört: Auf die Frage, wieso sich eigentlich im selben Raum, bei offensichtlich identischer Virenexposition, manche Leute sofort anstecken und andere gar nicht, kommt er ins Grübeln: „Dort scheinen enorme individuelle Komponenten eine Rolle zu spielen. Ich tausche mich häufig mit Ärzten aus und auch die berichten von großen Unterschieden. Sie stehen hier vor einem Rätsel.“ Ein „Rätsel“???? Was für ein phantastischer Stuss – als hätten sich bei sämtlichen bisherigen Erkältungswellen oder sonstigen Infektionskrankheiten (Magen-Darm- oder Augenlidentzündungen etc.) alle Menschen gleich schnell oder gleichermaßen angesteckt! Es scheint fast so, als ob weite Teile der Wissenschafts- und auch Medienszene ihr „vorpandemisches“ Langzeitgedächtnis eingebüßt hätten. In einigen Monaten haben sie vermutlich vergessen, dass es vor Corona jemals auch nur so etwas wie Schnupfen oder Fieber gab. (DM)

 

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