Trotz „gefährlicher Mutationen“: Covid-Zahlen in Großbritannien im Sinkflug

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Pandemie weiter fast ohne Patienten: Leere Krankenhausbetten (Foto:Imago/Joker)

Trotz der „gefährlichen“ und „viel ansteckenderen“ britischen Corona-Mutation B.1.1.7. sinken die Zahlen auf der Insel merklich. In Großbritannien ist man bei den Positiv-Testungen inzwischen auf dem Niveau des vergangenen Herbstes angelangt. Auch die Zahlen der mit oder an Covid-Gestorbenen befinden sich im Sinkflug. Lockdown und Impfungen würden dafür verantwortlich sein, behauptet die britische Regierung.

Die Infektionsraten seien seit Januar um mehr als zwei Drittel gesunken, berichtet die MailOnline. Auch hier schiebt man den Erfolg auf den Lockdown, der auch bei der Neue sich schnell ausbreitende Kent-Variante des Virus funktionieren würde.

Die Ergebnisse der REACT-Studie, die vom Imperial College London durchgeführt und von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, ergab einen R-Wert von 0,7 Prozent, die Epidemie klinge somit ab.

Angesichts der Befürchtungen, dass die Covid-Beschränkungen weitere Monate dauern könnten, forderten Geschäftschefs und Abgeordnete einen beschleunigten Zeitrahmen, um Unternehmen vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Sie warnten auch vor den sozialen Kosten der Sperrung und verwiesen auf den Erfolg der Impfstoffeinführung und die signifikanten Rückgänge bei Todesfällen und Infektionen. Der Premierminister erklärte, er werde „umsichtig“ vorgehen und möchte, dass Pubs und Restaurants zu den letzten Orten gehören, die wiedereröffnet würden.

„Aber die tatsächliche Prävalenz ist immer noch sehr hoch. Wir sind erst wieder da, wo wir im September waren, und natürlich wollen wir wieder da sein, wo wir im August waren“, erklärt Professor Paul Elliott, Autor der Studie.

Was im Gegensatz zu Corona-Positiven steigt, ist die Zahl der Krebsopfer, denen auf Grund des verhängten Lockdowns weder eine Vorsorgeuntersuchung noch eine Behandlung zuteil wurde.

Eine Gruppe von 75 parteiübergreifenden Politikern glaubt, daß bis zu 100.000 Menschen aufgrund der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie nicht die benötigte Krebsbehandlung bekommen und viele von ihnen deswegen sterben werden.
In einem Brief an Premier Johnson fordern sie, den Stillstand in der Krebstherapie „mit dem gleichen politischen Willen wie bei der Einführung der Impfung anzugehen“. „Die Regierung hat Himmel und Erde zu Recht bewegt, um Leben vor Covid zu retten. Es ist an der Zeit, dass dies auch für Krebspatienten getan wird“, so die Abgeordneten.

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Nur eines der unzähligen Opfer ist die 27-jährige Latifah King, die am vergangenen Mittwoch nach monatelangen Qualen verstarb. Durch den Lockdown in Großbritannien sind persönliche Arztbesuch so gut wie unmöglich geworden. Als der Krebs schließlich diagnostiziert wurden, war es zu spät. Latifah sei „beiseite geschoben worden, weil der einzige Mörder, den sie derzeit sehen, Covid ist“ meint ihre Zwillingsschwester.

Latifah King bekam im Oktober starke Schmerzen in den Beinen, wurde bettlägerig und konnte mit ihrem Hausarzt nur online über Zoom kommunizieren. Er tippte per Ferndiagnose auf Ischias. Eine fatale Fehleinschätzung, die der jungen Frau das Leben kostete. Im Januar wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem das Ergebnis von Biopsien Krebs-positiv waren. Es dauerte bis Anfang Februar, bis bei ihr ein Epithelsarkom diagnostiziert wurde, eine aggressive Form von Weichteilkrebs. Sie starb eine Woche später zu Hause.

Millionen von Menschen sind bei Krebsvorsorge, -diagnose und -behandlung betroffen, seit Großbritannien im März letzten Jahres in den Lockdown ging und sich das gesamte Gesundheitssystem nur noch um Covid19 dreht. Sie gelten nun als „Kollateralschäden“, beklagen Verwandte.

Den Abgeordneten zufolge leben vermutlich 50.000 Menschen mit nicht diagnostiziertem Krebs in Großbritannien. Diese Zahl könnte am Ende auf bis zu 100.000 steigen, fürchten sie. Die Frage sei nicht, entweder Covid- oder Krebspatienten zu helfen. Man müsse in der Lage sein, beiden zu retten.

Eine frühzeitige Diagnose und sofortige Behandlung seien entscheidend für die Überlebenschancen. Jede vierwöchige Verzögerung der Krebsbehandlung erhöhe das Todesrisiko um zehn Prozent, heißt es. (MS)

 

 

 

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