Merkels Berater: Inzidenz 35 wegen Mutanten unerreichbar – also Lockdown für immer?

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Foto: Von Getmilitaryphotos/Shutterstock

Einer der hochmögenden Kanzlerinnenflüsterer und „Experten“, bei denen sich die Deutschen für den potentiell unendlichen Lockdown infolge immer weiterer Absenkung von „Inzidenzwerten“ bedanken können, ist der Physiker, Mathematiker und „System-Immunologe“ Michael Meyer-Hermann, ebenso wie Virologin Melanie Brinkmann, Wissenschaftler der Helmholtz-Gesellschaft. Während der jüngste, beliebig ausgewürfelte Grenzwert von 35 von immer mehr Seiten in Frage gestellt wird, wartet Meyer-Hermann nun mit der Botschaft auf, dass dieser Zielwert womöglich gar nicht erreicht werden kann.

Was sich für den Bürger niederschmetternd anhört, macht aus Sicht der Regierung und ihrer ausgesuchten Berater sehr wohl Sinn. Denn vor dem Hintergrund von Meyer-Hermanns und auch Brinkmanns zuvor immer wieder geäußerten Empfehlungen, sogar noch deutliche niedrigere Grenzwerte als Voraussetzung für Öffnungen zu machen (am besten ein Grenzwert von Null, „Zero Covid“) kann die Anzweifelung der Erreichbarkeit des 35-Werts nur eines bedeuten: Der Lockdown soll nie enden, und falls doch, dann wird der „Lockerungszustand“ nur eine begrenzte Öffnung auf Widerruf sein, unter striktesten Beschränkungen.

Derselbe Wissenschaftler also, der schon 35 für nicht erreichbar hält, plädiert zugleich für Null – was ja dann noch unrealistischer wäre. Was Meyer-Hermann damit eigentlich zum Ausdruck bringen will: Der jetzige Lockdown ist ihm noch viel zu lasch, und nicht über Lockerungen sollte geredet werden, sondern über weitere Verschärfungen. Als Vorwand dienen ihm die „Mutanten“, vor allem die Großbritannien-Variante B.1.1.7. Die hat sich in ihrem Ursprungsland zwar völlig anders als prognostiziert entwickelt (Rückgang um 60 bzw. 80 Prozent in Irland und im Vereinigten Königreich!), in Deutschland aber soll sie natürlich die unheilvolle „dritte Welle“ bewirken.

Die zweite Welle habe man, so der Helmholtz-Forscher, nur mit den aktuellen Maßnahmen unter Kontrolle bringen können und die Inzidenzen so mit einer Reproduktionszahl von 0,85 absenken können. So könnte eine Inzidenz von 35 „vielleicht Anfang März erreicht werden – allerdings ohne die geplanten leichten Öffnungen und ohne ungünstiges Dazwischenfunken von Mutanten„, zitiert der „Tagesspiegel“ Meyer-Hermann. Allerdings laufe parallel die „Ausbreitung der neuen Variante„, deren Reproduktionszahl mit den (ihm natürlich viel zu laschen) aktuellen Maßnahmen dann über eins liege.

Zweite Welle, dritte Welle – und so weiter

Lediglich weil die neue Variante noch nicht dominant ist, sehe es aktuell in der Summe immer noch wie sinkende Fallzahlen aus: In Wahrheit sei also der Anstieg unvermeidlich – und je mehr man jetzt „aufgrund der fallenden Inzidenzen lockert, desto früher wird die dritte Welle mit B.1.1.7 sich entwickeln.“ Im Klartext also: Alles dicht lassen –  denn je schneller die Zahlen fallen, um stärker steigen sie eigentlich. Ketzerischer Einwand: Wer, außer dem Kanzleramt und Merkels Corona-Junta, soll diesen Nonsens eigentlich noch glauben?

Es ist kein Zufall, dass Meyer-Hermann als Speerspitze der politisch-medialen Gegenpropaganda gegen sich mehrende kritische Stimmen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt seine Kassandrarufe absetzt, da inzwischen sogar erste Spitzenpolitiker des Regierungslagers von der Fahne gehen: CDU-Chef Armin Laschet hatte dem epochalen Wahngebilde, in dem sich die deutsche Corona-Politik eingerichtet hat, vorgestern empfindliche Erschütterungen verpasst, als er die Inzidenzwerte als erfunden bezeichnete („Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet„) und ein stärkeres Augenmerk auf die Kollateralschäden des Lockdowns forderte.

Parallel zu den wissenschaftlichen Hofschranzen des Regierungslagers hatte sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller prompt harsch gegen Laschet gestellt – und mit Zähnen und Klauen den willkürlich von 50 auf 35 abgesenkten neuen Inzidenzwert als Grundlage des Dauer-Knockdowns zu verteidigen zu versucht. „Zunächst einmal ist der Grenzwert von 35 nicht erfunden und schon seit November im Infektionsschutzgesetz festgeschrieben als ein Wert, an dem breit angelegte Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen„, sagte Müller als amtierender Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Außerdem gäbe es da ja noch „diese ansteckendere Mutante, die uns alle besorgt„. Deshalb müsse man „sehr besonnen und vorsichtig mit Öffnungsschritten sein„, wenn man „in keine dritte Welle rutschen“ wolle.

Stimmungsmache mit Mutanten

Seit nunmehr sieben Wochen wird mit den „Mutanten“ Stimmung gemacht – die sich, O Wunder, dann partout doch nicht so ausbreiten wollen, wie uns dies bereits um den Jahreswechsel herum angedroht und weisgemacht wurde. Es handelt sich ganz offensichtlich um den nächsten Platzhalter der Panikbegründung – und wenn auch dieser seinen Schrecken verloren haben wird, dann werden Merkels Helmholtz-Auguren und Mitglieder ihres Bund-Länder-Verbots-Clübchens den nächsten Popanz aus dem Hut zaubern. Vielleicht dann ja wieder die Intensivbetten? Auch dazu hatte Müller gestern etwas zu sagen: „Für mich ist auch die Auslastung der Intensivmedizin von großer Bedeutung. Das ist auch der Grund, warum Berlin schon zu Beginn der Pandemie ein Ampelsystem eingeführt hat.

An dieser Stelle ein kleiner Einwand der Lockdown-Spielverderber: Gestern, Stand 16.2.2021, waren 3.352 Intensivbetten mit „Covid-19-Patienten“ belegt (wohlgemerkt sind darin auch die enthalten, die wegen anderer Indikationen behandelt, aber Corona-positiv sind); rund 80 Prozent des Anteils an der ITS-Gesamtbelegung wird derzeit von Nicht-Corona-Intensivpatienten bestritten. Der Begriff „Pandemie“ ist angesichts solcher völlig unspektakulären und in keinster Weise mehr kritischen Zahlen schon seiner ursprünglichen Bedeutung nach fehl am Platz. Noch lächerlicher allerdings ist das fahrlässige Gerede von der „Mutanten“-Bedrohung. (DM)

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