Lockdown-Falle Schnelltests: Freiheiten auf Widerruf – bis dass der Tod uns scheidet

0
Ab 1. März überall und immerdar: Schnelltests (Foto:Imago/Segerer)

Ebenso unkritisch und unreflektiert wie noch bis vor wenigen Monaten die Corona-Impfungen als sicherer und elegantester Königsweg aus der Pandemie freudig erwartet wurden, so freunden sich derzeit gerade Millionen Deutsche mit der nächsten scheinbar zumut- und vertretbaren „Lösung“ an, durch Massen-Schnelltests aus dem Lockdown zu kommen. Die Wiederöffnung von Geschäften, Gaststätten sowie die Durchführung von Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen bis hin zum Urlaub sollen fortan durch millionenfach ausgegebene, überall verfügbare Antigentests ermöglicht werden. Ab 1. März sollen sie nun „für den Hausgebrauch“ erhältlich sein.

Mal eben so schnell testen, vorm Einkaufen, vorm Kneipen- oder Konzertbesuch oder vorm Training im Fitnessstudio –  das klingt simpel-verlockend und scheint ein keinesfalls zu hoher Preis für die zumindest leidliche Wiedergewinnung von ökonomischer und sozialer Normalität. So wie schon Maskentragen beim Shoppen oder ständiges Ausfüllen von Adresslisten in der Gastronomie, beim Friseur, Masseur, Kosmetiker etc. im vergangenen Sommer als lästiges, aber notwendiges Übel zähneknirschend akzeptiert wurden („besser als ganz zuhause bleiben!“), bildet künftig dann eben der Schnelltest den „Immunitätsnachweis in Echtzeit“. Auch an Schulen und Universitäten soll das Dauertesten zum neuen Alltag werden. Erste Kommunalpolitiker (darunter leider auch der bislang erfrischend rational-maßnahmenkritische Tübinger OB Boris Palmer) bringen bereits die Abriegelung kompletter Innenstädte ins Gespräch, in denen die geöffneten Geschäfte dann nur noch mit negativem Schnelltest betreten werden dürfen; quasi eine Art „Herbertstreet-Feeling“ für alle.

Nicht nur wegen solcher gruseliger Szenerien kann keineswegs von der verheißenen Rückkehr zur Normalität durch die PoC-(Point-of-Care-)Schnelltests die Rede sein; leider machen sich dies die wenigsten bewusst. Im Gegenteil: Diese auf Massentauglichkeit getrimmte Form der „patientennahen Labordiagnostik“, durch vielmillionenfache Laienanwendung, wird möglicherweise weit mehr Einschränkungen und Komplikationen als bisher mit sich bringen und uns immer weiter von einem natürlichen, gesunden und lebenswerten Alltag entfernen. Es ist sogar nicht zu weit hergeholt, die Schnelltests als Falle zu bezeichnen, die uns gleich den nächsten Lockdown bescheren wird. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal sind selbst die besten derzeit verfügbaren Antigen-PoC-Schnelltests deutlich ungenauer als die PCR-Tests – und wie wir wissen, weist schon das PCR-Verfahren einen inakzeptabel hohen Anteil zumeist falsch-positiver Resultaten auf. Vor allem dann, wenn die Testzyklenzahl, der Ct-Wert, jenseits der Marke 30 liegt (in Deutschland werden auch alle positiven Tests mit deutlich darüberliegendem Ct-Wert ausnahmslos als „Neuinfektionen“ gewertet – obwohl eine Infektiosität des Probanden durch sie überhaupt nicht nachweisbar ist!). Trotzdem ist das PCR-Verfahren noch relativ präzise – verglichen mit den Schnelltests. Gesundheitsbehörden und Ärzte machen überhaupt keinen Hehl aus diesem Manko; so warnt etwa die Leiterin des Hildesheimer Gesundheitsamtes,  Katharina Hüppe, vor der „trügerischen Sicherheit, die durch einen negativen PoC-Antigen-Schnelltest suggeriert werden kann.

Trügerische Sicherheit wird listig propagiert

Doch in genau dieser trügerischen Sicherheit wiegt die Politik die Bürger – und preist ihnen die Schnelltests nun listig als Ausweg aus dem Lockdown, als wissenschaftlich scheinbar schlüssige Vorbedingung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Begeistert wird über die bevorstehenden Zulassungen und die anlaufende Massenproduktion von hunderten Millionen PoC-Kits geschrieben, in Nachrichtensendungen und Talkformaten wird uns mit glitzernden Augen versprochen, sobald für jedermann genügend Tests überall verfügbar sind, sei endlich die Erlösung da – und der Sommer kann kommen! Dass die Schnelltests außerdem „kostenlos“ seien, weil ja der Bund sie bezahlt, gehört zu den weiteren volksverdummenden Claims eines perversen Reklame-Tremolos, dessen Ruchlosigkeit in der allgemeinen Gehirnwäsche schon keinem mehr auffällt… denn was der Staat zahlt, ist nie „kostenlos“. Er kann immer nur Geld ausgeben kann, das er seinen Bürgern – zuvor oder in Zukunft – aus der Tasche zieht.

Worin liegt nun die Falle? Die Antwort ergibt sich aus dem Standardverfahren, das im Fall eines positiven Schnelltests zwingend vorgeschrieben ist – und ein solcher droht aufgrund der Ungenauigkeit der Tests, siehe oben, prinzipiell immer: Sobald ein Antigentest eine Sars-CoV2-Infektion anzeigt, muss der Getestete sofort zum PCR-Nachtest, der das Resultat verifizieren oder falsifizieren sollen. Bis dessen Ergebnis vorliegt, landet er in Quarantäne – genauso wie seine Kontaktpersonen ersten Grades. Beschäftigte dürfen ab sofort nicht mehr arbeiten gehen, jeder Fall wird dem Gesundheitsamt und dem RKI gemeldet, es greift automatisch die Nachverfolgungsmaschinerie. Der Rattenschwanz ist endlos.

Selbst wenn nur wenige Prozent falsch-positive Resultate angenommen werden, so bedeutet dies unweigerlich: Je öfter sich jemand, mit zunehmender Routine, testen lässt – ob vor jedem schnellen Lunch, Kaffee, Friseurtermin oder Kinobesuch, bei der Arbeit oder einfach aus Interesse zuhause -, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Antigentest irgendwann bei ihm anschlägt – auch wenn er gar nicht infiziert ist. Im Nu wird so ein Alptraum aus behördlich verfügter Isolation, Testmarathons und noch mehr Angststress Wirklichkeit, und dies droht uns ab sofort tagtäglich, stündlich, immerdar. Sind den Menschen die Konsequenzen eigentlich bewusst? Wollen, können wir so leben?

Willkommene Testexplosion

Wer sich noch einmal vor Augen führen will, wie „präzise“ der Antigentest funktioniert und worauf er alles so reagiert, der sei noch einmal an den plakativen Live-Versuch des Abgeordneten Michael Schnedlitz vor der österreichischen Nationalversammlung von Dezember erinnert, in dem dieser mit ein paar Tropfen Cola ein positives Resultat hervorrief. Auch wenn die „Faktenchecker“ à la „Correctiv“ daraufhin regelrecht Amok liefen und von einer Falschdarstellung sprachen, da der Test „nur für den Einsatz beim Menschen ausgelegt“ seien, so konnten sie die Tatsache nicht entkräften, dass selbstverständlich ein entsprechender PH-Wert im Rachen des Probanden (etwa wenn dieser zuvor ein säurehaltiges Getränk zu sich genommen hat) ebenfalls zu einem falsch-positiven Resultat führt – und damit sofort die Durchführung des PCR-Nachtests notwendig macht.

Übrigens, dies am Rande erwähnt, besteht bei den Schnelltests natürlich auch ein mindestens ebenso hohes Risiko falsch-negativer Resultate, das zwar für den erfolgreich „Freigetesteten“ zwar irrelevant ist, einer wachsamen und präventionsbasierten Eindämmungspolitik jedoch nicht gleichgültig sein darf; wieso nimmt die Politik dieses hohe Risiko unbemerkter Ansteckungen eigentlich in Kauf?)

Bislang wird das Infektionsgeschehen in Deutschland durch die wöchentlich rund 1,05 – 1,15 Millionen PCR-Tests bestimmt. Diese kommen keineswegs durch repräsentative Stichprobenauswahl oder eine wissenschaftlich validierte Teststrategie zustande, sondern sind sozusagen Zufallsbefunde, die aus vorrangig vier großen Probandengruppen gewonnen werden: Erstens „systemrelevante“ Arbeitnehmer vor allem des des Gesundheits- und Pflegewesens, die wöchentlich wieder und wieder getestet werden (teilweise auch von anderen Berufsgruppen, in denen Unternehmen oder Behörden wiederkehrende Testungen vorschreiben); zweitens Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen sowie Patienten in Kliniken; drittens Reiserückkehrer aus Risikogebieten bzw. Kontaktpersonen von Risikopersonen; und viertens schließlich all jene, die sich privat aus eigenem Interesse – zumeist aufgrund etwaiger Covid-Symptome – testen lassen. Sämtliche „Inzidenzen“ und damit 7-Tages-Werte, auf deren Grundlage über den Lockdown entschieden wird, werden aus diesen Testkohorten tagtäglich ermittelt.

Niemand bedenkt die Konsequenzen, wenn er „beim Schnelltest durchfällt“

Wenn nun ab sofort täglich -zig Millionen durchgeführte Schnelltests in z.B. nur zwei Prozent der Fälle positiv anschlagen würden – in der Realität womöglich deutlich mehr – und diese allesamt einen PCR-Nachtest zur Folge haben, dann wird sich die wöchentliche Gesamttestzahl massiv erhöhen – und mit ihr zwangsläufig die Inzidenzrate. Denn die diese Nachtests werden viele einige, aber eben nicht alle Falschresultate annullieren. Vielleicht gehen die Gesundheitsbehörden womöglich auch gleich dazu über, positive Schnelltests direkt, ohne PCR-Nachtest, als „Neuinfektionen“ ans RKI zu melden? Dies dürfte spätestens dann drohen, wenn die Labore wieder mal an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht sind. So oder so wird es zu einer zwangsläufigen Zunahme der Inzidenzen kommen, während zugleich die zusätzlich abgesenkten Grenzwerte (derzeit 35, nach Wunsch von RKI-Wieler & Kanzlerberatergremium 10 oder idealerweise null) in immer unerreichbarere Ferne rücken.

Im Ergebnis bekommt die Politik somit das, wonach ihr eigentlich gelüstet: Das gewünschte Szenario „massiv steigender Zahlen“, die uns seit Wochen als Folge der „Mutanten“ angekündigt werden – und damit gleich das schlagende Argument für den nächsten Lockdown. Wenn die Schnelltests erst einmal in ihrer unerbittlichen Massenanwendung zum Einsatz kommen und als „conditio sine qua non“ für jegliche Öffnungen dekretiert sind, dann werden sie entweder durch direkte Positivergebnisse oder durch massiv gesteigerte PCR-Tests genau für die „Zunahme der Inzidenzen“ sorgen, die uns die Corona-Auguren im Kanzleramt, in der bayerischen Staatskanzlei und in den Talkshows seit Wochen als „dritte Welle“ androhen… obwohl es sich dabei in Wahrheit um das nächste hausgemachte, selbstfabrizierte Zahlenfeuerwerk handelt.

Der verdächtige Zeitplan überrascht daher nicht: Die Zulassungen für den Haushaltsgebrauch der Schnelltests, deren staatliche Beschaffung und ihre Ausgabe sind just so getaktet und terminiert, dass sich die ersten Resultate ihres Masseneinsatzes mit den Horrorprognosen explodierender Zahlen decken, die uns – so die Kanzlerrunde letzte Woche – bekanntlich „ab März“ blühen sollen. Jetzt erklärt sich auch, warum erst dann und nicht schon viel früher (wo doch die „Mutanten“ längst unter uns wüten): Die Schnelltests testen uns die dritte Welle herbei. (DM)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram