USA: National Rifle Association in Schwierigkeiten

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Die NRA in Schwierigkeiten - Symbolfoto: Von kubicka/Shutterstock

Eine der mächtigsten amerikanischen Lobbyorganisationen, die „National Rifle Association“ (NRA), scheint sich intern zu zerlegen, wie die „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ) zu berichten weiß. Auffallend ist die kaum verhohlene Schadenfreude, die zwischen den Zeilen herauszulesen ist. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Was haben und hatten alle Diktaturen des 20. Jahrhunderts gemeinsam? – Restriktive Waffengesetze. Das ist verständlich, denn der Albtraum eines jeden Diktators muß sein, daß er von einem bewaffneten Volk gestürzt werden könnte. Ein unbewaffnetes Volk ist aus Sicht des Diktators gottlob auch ein wehrloses Volk. Mit Diktatoren allerdings würden sich Linksliberale nur ungern in einen Topf werfen lassen, weswegen ihnen tausend andere Gründe dafür einfallen, warum ein unbewaffnetes Volk „irgendwie zivilisierter, kulturell höherstehend“ sei, als ein bewaffnetes.

In der „Neuen Züricher Zeitung“ (NZZ) berichtet Martin Beglinger von den Schwierigkeiten, denen sich die amerikanische „National Rifle Association“ (NRA) unter einer Biden-Administration ausgesetzt sieht, und wie sich ihre Lage noch dadurch verschlechtert, daß es verbandsinterne Reibereien gibt. Es geht u.a. um fürstliche Gehälter und exorbitante Spesenabrechnungen von Verbandsfunktionären. Das hätte sich recht zügig abhandeln lassen, doch Beglingers Artikel wurde lang. Zu verlockend schien ihm ein tiefenpsychologischer Ausflug in die Seele des amerikanischen Schußwaffenfreundes zu sein, als daß er sich diesen Ausflug hätte verkneifen können. An den fast süffisanten Erklärungen, welche er Zitaten von Funktionären der NRA zur Seite stellt, läßt sich Beglingers Schadenfreude erkennen. Nur, woher diese Süffisanz ihre Berechtigung bezieht, bleibt bis zuletzt unklar. Von der ersten bis zur letzten Zeile seines Artikels zieht sich als Grundannahme durch, der Leser wisse ohnehin schon von vornherein so gut über die Ablehnungswürdigkeit des bewaffneten Bürgers Bescheid, wie Beglinger selbst. Dabei gäbe es gute Gründe, über die Schwierigkeiten der NRA alles andere als erfreut zu sein.

Waffen töten Menschen?

Es ist immer dasselbe Spielchen. Ob jemand schreibt: „Der Alkohol hat mein Leben zerstört“, oder ob jemand schreibt: „Waffen töten Menschen“, – es folgt im Grunde ein- und derselben Lüge. Wahr wäre: „Ich habe mein Leben mit Alkohol zerstört“ und „Menschen töten Menschen mit Waffen“. Weder der Alkohol noch die Schußwaffe sind dazu in der Lage, etwas zu verantworten. Verantwortungsvolle, mündige Bürger sollten dazu in der Lage sein, sowohl eine Flasche Whisky in der Hausbar aufzubewahren als auch eine Schußwaffe im Waffenschrank. Verantwortungslose und Kriminelle scheren sich eh nicht darum, was sie dürfen und was nicht. Wer eine Schußwaffe braucht, um ein Verbrechen zu begehen, wird sich ungeachtet aller Waffengesetze eine Schußwaffe besorgen. Folgerichtig ist daher die Behauptung, daß gegen einen bösen Typen mit Waffe am besten ein guter Typ mit Waffe hilft. Ebenso richtig ist, daß sich nur ein bewaffnetes Volk gegen einen Diktator zur Wehr setzen kann, der seinerseits das Volk per Gewaltherrschaft unterdrückt. Wahr ist auch, daß sich ein Volk zwar demokratisch in eine Diktatur hineinwählen kann, aber nicht wieder heraus. Wer sich also in eine Diktatur hineingewählt hat, obwohl er das eigentlich gar nicht wollte, der müsste sich wieder herausschießen, wenn er seinen Irrtum bemerkt. Dann wäre es gut, wenn er dazu in der Lage ist. Wenn nicht, hat er nämlich verloren. Das ist nur logisch.

Die Voraussetzung für Schußwaffenfeindlichkeit

Die Voraussetzung für Schußwaffenfeindlichkeit ist der Glaube an die Segnungen des staatlichen Gewaltmonopols, was zwar nicht ganz verkehrt ist, aber eben auch nicht ganz richtig. Privater Schußwaffenbesitz steht dem staatlichen Gewaltmonopol schließlich nicht im Wege. Er bietet aber dann Schutz, wenn das staatliche Gewaltmponopol versagt. Und das versagt immer öfter. Trotzdem erscheint in der EU – und besonders in Deutschland – die Aufforderung geradezu grotesk, dem staatlichen Gewaltmonopol bei der Durchsetzung von Recht und Gesetz per Privatinitiative ein wenig unter die Arme zu greifen. Das ist nicht das „zivilgesellschaftliche Engagement“, das gemeint ist, wenn man von ihm redet. Warum nicht? – Wegen des Mißtrauens in die eigenen Fähigkeiten. Besonders in Deutschland hat man sich angewöhnt, sich als Mündel der Regierung zu begreifen. Außerdem hält man es gern für zivilisiert und kultiviert, sich Gedanken zur Verhältnismäßigkeit zu machen, besonders dann, wenn man vor der Frage steht, ob man den Einbrecher, der nachts das Kellerfenster aufgebrochen hat, mit einer Kugel niederstrecken soll, wenn man ihn vielleicht auch mit beschwichtigendem Reden vom Raub der Wertgegenstände abhalten könnte. Bezeichnenderweise spielt der Gedanke an die Verhältnismäßigkeit aber keine Rolle, wenn es um die Rettung des Weltklimas geht. Hier gilt als richtig, das Auto auf jeden Fall unbenutzt zu lassen, um die zwei Kilometer zur Bankfiliale selbst bei ausgesprochenem Sauwetter zu Fuß zurückzulegen.

Einerlei. In den USA gilt das Recht, eine oder mehrere Schußwaffen zu besitzen. Über 400 Millionen soll es in privaten Haushalten geben, darunter 18 Millionen der halbautomatischen AR 15. Die Verbandszeitschrift der NRA erfreut das Herz der Gerechten immer wieder mit Meldungen wie diesen, berichtet Martin Beglinger in der NZZ: „Hausbesitzer in Miami, Oklahoma, erschiesst bewaffneten Einbrecher“; „Angestellter in einem Elektronikladen in Chicago, Illinois, erschiesst bewaffneten Räuber“; „Hausbesitzerin in Lacombe, Louisiana, erschiesst zwei bewaffnete Eindringlinge und verletzt zwei weitere“. Beglinger süffisant: „so liest sich die Heldenchronik der NRA„.

Die amerikanische Linke

Abseits aller verbandsinternen Querelen um Gehälter von NRA-Funktionären und die Spesenabrechnungen des NRA-Chefs Wayne LaPierre, wird von der amerikanischen Linken hämisch kommentiert, daß die NRA Konkurs angemeldet hat. Wayne LaPierre beschwichtigt. Das sei nur ein taktischer ZUg, um den Sitz des Verbands von New York nach Texas zu verlegen. In New York war es für die NRA zuletzt schwierig geworden. Sie schien dort nicht mehr sonderlich wohlgelitten zu sein, ein Eindruck, den die Generalstaatsanwältin Letitia James (62), eine „Kampfgefährtin“ der „US-Vizepräsidentin“ Kamala Harris, mit ihren Ermittlungen gegen das verbandsinterne Spesenrittertum der NRA begünstigte. Letitia James beurteilt Beglingers „Heldenchronik“ und die NRA ganz anders, als die NRA sich selbst.

Die NRA hält sich selber für eine caritative Organisation, in Tat und Wahrheit ist sie eine terroristische Vereinigung.„, so die Frau Generalstaatsanwältin – und kündigte prompt eine Klage auf Auflösung der NRA an. Des Einen Held ist also der Anderen Terrorist. Als ob man den Terrorismusvorwurf angesichts der linken Unterstützung für Antifa und BLM nicht mit größerer Berechtigung solchen Frauen wie Letitia James und Kamala Harris machen könnte. Linke Selbstgerechtigkeit stinkt eben überall zum Himmel.

Martin Beglinger unterläßt es in der NZZ, auf bekannte Fakten hinzuweisen, die in diesem Zusamenhang einmal mehr geeignet gewesen wären, die notorische Realitätsverweigerung der westlichen Linken auszustellen. Diejenigen Großstädte in den USA mit den meisten Gewaltopfern durch Schußwaffen sind nämlich ausgerechnet die, in denen heute schon die restriktivsten Waffengesetze gelten. In Chicago und in Seattle gibt es mehr unschuldige Gewaltopfer pro hunderttausend Einwohner durch Schußwaffengebrauch, als in Dallas/Texas, wo die am wenigsten restriktiven Waffengesetze gelten. Es ist wie immer: Fakten, die Linken nicht gefallen, fallen eben unter den Tisch.

Die NZZ: „Im Jahr 2015 empfahl die NRA ihren fünf Millionen Followern auf Facebook einen Artikel des bekannten Second-Amendment-Bloggers Bob Owens, der unter dem Bild eines Galgens warnte: «Wir wollen keinen Bürgerkrieg gegen den radikalen linken Flügel der Demokratischen Partei. Aber wenn sie einen starten, werden sie am Ende von den bewaffneten freien Bürgern total zerstört werden, wie es unsere Gründerväter beabsichtigt haben.“ – Davon ist aber bislang nichts zu bemerken. Obwohl die „bewaffneten freien Bürger“ in den USA seit der Inauguration des ungewählten Joe Biden ausreichend provoziert worden sein müssten vom „linken Flügel der Demokratischen Partei“. Eine bis an die Zähne bewaffnete Nation scheint also noch keine Garantie dafür zu sein, daß die Diktatur keine Chance hat. Wenn es aber schon so ist, könnte man die Bürger tatsächlich entwaffnen und so wenigstens „Menschenleben retten“, was ohnehin eine der verbalen Lieblingsbeschäftigungen von Linken ist. Und wenn es das Leben von bewaffneten Räubern ist, die sich nicht um Waffengesetze scheren. Alle Menschen sind schließlich gleich, weswegen ein Menschenleben so gut ist wie jedes andere. Schwerkriminelle sind schließlich auch Menschen.

Subsidiarität als freiheitlich-demokratisches Prinzip

Daß es auch die NZZ unterläßt, den privaten Schußwaffenbesitz in den USA von allen Seiten statt nur von einer zu beleuchten, läßt tief blicken, weil doch das Subsidiaritätsprinzip gerade in der Schweiz angeblich noch hochgehalten wird. Subsidiarität: Was die kleinste Einheit selbst regeln kann, regelt sie auch selbst. Wenn die kleinste Einheit dazu eine Schußwaffe braucht – so what? Daß man sich allerdings in Europa – besonders in Deutschland – schwer in die Nesseln setzen würde mit der Forderung nach einer deutlichen Liberalisierung der Waffengesetze, steht außer Frage. Warum das so wäre, allerdings auch. Mit Pragmatismus hätte das nichts zu tun. Daß die USA diesbezüglich nun ebenfalls „auf den Hund“ kommen, darf man immerhin noch als betrüblich bezeichnen, ohne daß die sofortige Verhaftung droht. Vorausgesetzt, es ist einem egal, ob man von Linken als Chauvirassinazireaktionär bezeichnet wird. Wenn es nach den Linken geht, muß der zweite Verfassungszusatz der USA, in welchem das Recht auf privaten Besitz festgelegt ist, ebenfalls von irgendwelchen Chauvirassinazireaktionären erfunden worden sein. Gott bewahre, daß sich irgendjemand überlegt, welcher Idiotidoofidoktrinär die Linken erfunden hat.

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