Europa öffnet sich – Deutschland bleibt dicht

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Party (Symbolbild: shutterstock.com/Von Pressmaster)

Das Königreich Isles of Man hat nach einem 25-tägigen Lockdown seine Anti-Corona-Maßnahmen beendet. Abstand und Maske gehören vorerst der Vergangenheit an. Auch in Polen und Italien öffnen wieder Bars, Restaurants, Fitnessstudios und Museen. Der Druck auf die Politik, die harten Freiheitsbeschränkungen aufzuheben und das normale Leben wieder aufzunehmen war dort enorm gewachsen und letztendlich erfolgreich.

Nach 20 Tagen ohne einen Corona-positiv Getesteten wurden alle Beschränkungen auf der Isle of Man mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Das Gesundheitswesen hat sich wieder normalisiert, alle Schulen wurden wiedereröffnet, Geschäfte und Pubs dürfen wieder Kunden begrüßen. Nachdem die Insel sechs Monate lang als Corona-frei galt, wurden zu Beginn des Jahres erneut einige Menschen positiv getestet. Am 7. Januar folgte der zweite Lockdown. Damit ist jetzt Schluss. Die rund 84.000 Einwohner zählende Insel in der Irischen See ist laut bbc nun der einzige Ort auf den britischen Inseln, an dem es keine sozialen Kontaktbeschränkungen mehr gibt. Trotzdem sollten alle vorsichtig bleiben, das Virus könnte zurückkommen, heißt es.

Auch in Italien bahnt sich das normale Leben wieder langsam seinen Weg. Seit Montag werden in 16 Regionen des Landes die Beschränkungen gelockert, teilte der italienische Gesundheitsminister mit. Die Regionen, zu denen Latium (Rom) und die Lombardei (Mailand) gehören, werden in der Gesundheitsrisikoklassifikation des Landes von orange nach gelb wechseln, berichtet The Brussels Time.

Dort ist es nun wieder gestattet, tagsüber in Bars, Cafés und Restaurants zu sitzen. Ab 18:00 Uhr müssen Speisen jedoch wieder geliefert oder mitgenommen werden. Auch Museen öffnen wieder ihre Türen für Besucher. Trotzdem gilt weiter eine Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr. Reisen zwischen Regionen sind weiterhin verboten. Der sogenannte R-Wert betrug Mitte Januar 0,84. In Italien wurden laut The Brussels Time bereits fast zwei Millionen Menschen geimpft.

Auf dem selben Niveau wie in Italien liegt der Sieben-Tage-R-Wert in Deutschland, der laut RKI-Lagebericht vom Dienstagabend bundesweit von auf 0,85 gesunken ist (Vortag 0,88). Entgegen aller Versprechungen denken die Regierenden in Deutschland nicht mal im Entferntesten daran „neue Freiheiten“ zu gewähren. Die Merkel-Minister-Kungelrunde besteht weiter auf ihre freiheitsberaubenden Maßnahmen bis weit ins Jahr hinein.

In Polen beugt man sich offensichtlich auch dem wachsenden Unmut der Bürger. Nachdem rund die Hälfte der polnischen Fitnessstudios diese Woche trotz der Coronavirus-Beschränkungen der Regierung wieder geöffnet haben wird erwartet, daß tausende von Restaurants diesem Beispiel folgen, da immer mehr Unternehmen gegen die Beschränkungen des Landes rebellieren, von denen nicht wenige behaupten, sie seien illegal.

Branchengruppen für den Fitness-, Tourismus-, Hotel- und Restaurantsektor, die nach den geltenden Vorschriften geschlossen bleiben sollen, haben einen Brief an Präsident Andrzej Duda verschickt, in dem sie ein Treffen fordern.

Am Montag erlaubte Polen Museen, Kunstgalerien und Geschäften in Einkaufszentren die Wiedereröffnung mit strengen Hygienemaßnahmen. Hotels, Restaurants, Bars und die meisten Sportanlagen mussten jedoch nach dem Willen der Regierung bis mindestens Mitte Februar geschlossen bleiben.

Im vergangenen Monat hatte der polnische Fitnessverband (PFF) erklärt, dass viele seiner Mitglieder Anfang Februar wiedereröffnen würden, unabhängig von den von der Regierung festgelegten Regeln. Sie beißen ihren Worten Taten folgen. Seit Montag hätten fast 1.600 Einrichtungen – etwa die Hälfte der polnischen Fitnessclubs – wiedereröffnet, so der PFF.

„Die Wiedereröffnung war sehr positiv“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Tomasz Napiórkowski, gegenüber Notes from Poland fügte hinzu es sei „nur natürlich“, dass jetzt weitere wiedereröffnet werden.

Laut Napiórkowski habe es am Montag „Dutzende“ Kontrollen durch Polizei und Gesundheitsbehörden gegeben habe, aber es seien keine Geldstrafen verhängt worden. Die PFF habe seinen Mitgliedern einen kostenlosen Rechtsbeistand angeboten und will nicht öffentlich bekannt geben wer geöffnet hat, um den Behörden die Arbeit nicht zu erleichtern.

Inzwischen haben sich offenbar andere Branchen dem PFF angeschlossen – unter ihnen die Wirtschaftskammer der polnischen Hotelindustrie (IGHP), der größte Hotelverband des Landes, der auch Restaurants vertritt; die Incentive Travel Organizers Association (SOIT); und der Industrierat für Tagungen und Veranstaltungen (RPSiWS). Sie alle fordern in einem Brief ein Treffen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Andrzej Duda. „Wir wollen wieder aktiv werden … anstatt eine Entschädigung zu fordern“, heißt es in dem Schreiben.

„Bisher haben wir keine verlässlichen Daten erhalten, die die Entscheidung rechtfertigen, Fitnessclubs und Fitnessstudios oder Hotels zu schließen, die unter einem Hygienesystem betrieben werden“, so die Branchengruppen.

Unter dem Motto #otwieraMY (#WeAreOpening) haben sich eine Reihe Unternehmen zusammengeschlossen und eine interaktive Karte veröffentlicht, in der die wiedereröffneten Veranstaltungsorte aufgeführt sind.

Nach Angaben der polnischen Handelskammer für Gastronomie werden voraussichtlich 20.000 Restaurants Kunden aufnehmen, die gegen die geltenden Vorschriften verstoßen.

Im Januar veranstalteten mehrere Nachtclubs Partys, in dem sie u.a. ihr Kerngeschäft als Sportveranstaltungen oder Parteikonferenzen umdeklarierten, denn die sind vom Lockdown ausgenommen.

Karol Opoka, der das Restaurant Swojskie Jadło in Kolonia Sobieszczany, einem Dorf in der Nähe von Lublin im Osten Polens, leitet, sagt, er habe die ganze Zeit geöffnet. „Kunden kommen von sehr weit her, weil in der Provinz Lubelskie nur wenig anderes offen ist“, erklärt er gegenüber Notes from Poland.

In den letzten Wochen hat er zwei Polizeikontrollen erlebt, von denen keine zu einer Geldstrafe führte. „Die längere dauerte sechs Stunden; Sie haben alles überprüft: jede Flasche auf der Suche nach etwas, das nicht gut aussieht “, sagt Opoka.

Viele Unternehmer, darunter auch Opoka, führen wachsende rechtliche Zweifel an der Methode der Regierung zur Einführung von Beschränkungen an, die nach Ansicht vieler Rechtsexperten verfassungswidrig sind, ohne das der Ausnahmezustand verhängt wurde. Eine Reihe von Gerichtsurteilen hat kürzlich die Rechtmäßigkeit der Beschränkungen in Frage gestellt.

Einige Unternehmen haben die Tatsache ausgenutzt, dass Polen diese Woche wieder kulturelle Veranstaltungsorte eröffnet hat. PiwPaw, eine Kneipe im Zentrum von Warschau mit mit Bierdeckeln gefliesten Wänden, wurde als „Warschauer Bierdeckelmuseum“ wiedereröffnet. (MS)

 

 

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