Corona-Geisterfahrt von Politik und Medien: Allmählich verliert auch Prof. Streeck die Geduld

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Prof. Dr. med. Hendrik Streeck (Foto: Imago)

Schießt sich hier gerade der nächste Spitzen-Virologe ins gesellschaftliche Abseits – weil er es wagt, das Merkel-Spahn’sche Corona-Regiment in seinen Grundfesten zu hinterfragen? Langsam, aber sicher scheint auch Professor Hendrik Streeck, einer der angesehensten Experten in dieser Pandemie, nervös zu werden – und zwar nicht wegen einer Politik, die nach wie vor alles auf die utopische Illusion setzt, OHNE das Virus zu leben (statt sich endlich MIT ihm zu arrangieren!), sondern vor allem wegen des Corona-Meinungsterrors hierzulande.

Durchaus systemkonform und stets ebenso diplomatisch wie konziliant, aber eben doch eindeutig kritisch (und im Vergleich zu seiner Haltung bei Beginn der Pandemie geradezu renitent) äußerte sich Streeck nun in einem bemerkenswerten Interview mit der „Welt“ über die mediale Rezeption und die journalistischen Betrachtungsweisen in der Corona-Krise – wobei er sehr wohl auch den eigenen Umgang mit der Öffentlichkeit und den Medien reflektierte. Ihn beunruhige allerdings eine zunehmende Abkehr vom Diskurs und Pluralismus. Abweichende Meinungen müssten dringend mehr Gehör finden.

Konkret bezog Streeck sich auf einen der jüngsten Tiefpunkte des deutschen Journalismus, das kürzliche „Spiegel„-Interview mit Professor Christian Drosten, in dem ihn die Redakteurinnen eingangs behaupteten, dass Experten wie er (Streeck) und Jonas Schmidt-Chanasit wegen ihrer Kritik an den Corona-Maßnahmen „größeren Schaden anrichteten als die Corona-Leugner“. Als er das gelesen habe, habe er „sprachlos“ reagiert, so Streeck: „So zu tun, als gäbe es eine universelle Wahrheit und einen, der sie hütet, ist unwissenschaftlich.

Später Mut der Entschlossenheit

Die Relotiuspresse war nicht die einzige, die Streeck zu einem ketzerischen Gefährder umschrieb, weil er andere Ansätze verfolgt wie das „Goldene Kalb“ der Pandemiestrategie, Drosten; der künstliche Konflikt bei jeder wissenschaftlichen Detailkontroverse wie auch bei vom Regierungskurs abweichenden strategischen Handlungsempfehlungen, etwa statt auf Flächenlockdown auf selektiven Risikogruppenschutz zu setzen, wurde auch in anderen Mainstreammedien mit großer Einseitigkeit wiedergegeben – fast immer zu Lasten Streecks. Erst in jüngster Zeit, einhergehend mit wachsendem Unmut über den Lockdown, setzt hier ein vorsichtiger Wandel ein.

Der ist wohl auch ausschlaggebend für die ungewohnt deutlichen Äußerungen Streecks, der einräumt, selbst im Umgang mit den Medien im letzten Jahr „durch verschiedene Phasen“ gegangen zu sein: „Erst war ich zu naiv, dann eher vorsichtig.“ Inzwischen sage er jedoch nach Möglichkeit grundsätzlich das, wovon er überzeugt sei. Dass dies also bislang offenbar nicht der Fall war und Streck dies offen zugibt, sollte alleine schon zu denken geben, welches Meinungsklima in Merkeldeutschland inzwischen herrscht – ausgerechnet inmitten einer epochalen, hausgemachten Krise.  (DM)

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