Candy-man Ramelow versucht sich zu rechtfertigen

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Foto: Bodo Ramelow (über dts Nachrichtenagentur)

Erfurt – Logisch. Nachdem er auf frischer Tat erwischt wurde, ist das Gejammere jetzt natürlich groß:

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich gegen den Vorwurf verteidigt, in den Ministerpräsidentenkonferenzen (MPK) unaufmerksam zu sein. „Da wird in einigen Medien das Bild erzeugt, ich würde auf der MPK nicht zuhören, säße nur da und zockte. Als wäre ich verantwortungs- und empathielos und würde mich um die Toten nicht scheren“, sagte Ramelow der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Das Gegenteil sei der Fall. „Corona bereitet mir schlaflose Nächte.“ Ramelow nahm damit öffentlich Stellung zum Eklat, den er mit einem Auftritt auf der Plattform „Clubhouse“ ausgelöst hatte.

Am vergangenen Wochenende hatte er in diesem sozialen Netzwerk davon berichtet, in der MPK zuweilen „Candy Crush“ auf dem Handy zu spielen. „Ich kann die Empörung verstehen, wenn man nur die veröffentlichte Meinung der vergangenen Tage betrachtet“, sagte Ramelow der „Zeit“. Auf die Frage, ob er als Regierungschef nicht jeden Moment in einer solchen Sitzung bei der Sache sein müsste, erwiderte Ramelow: „Wenn wir als Ministerpräsidenten über zehn Stunden mit der Kanzlerin zusammensitzen, wechseln sich Phasen höchster Anspannung ab mit Phasen, in denen man kurz Zerstreuung sucht.“

Es gebe immer wieder längere Unterbrechungen. Das seien Momente, „in denen manche Kollegen die Post machen“. Andere rauchten eine Zigarette oder liefen über den Gang.

„Ich spiele auf dem Handy. Und bin da bestimmt nicht der Einzige.“ Hellwach müsse man sein, wenn Beschlüsse gefällt oder etwa Textpassagen bearbeitet würden. Der Linken-Politiker wehrte sich auch gegen die Behauptung, er habe sich von der intimen Atmosphäre bei „Clubhouse“ zu seinen Aussagen verleiten lassen: „Es entsteht eine Atmosphäre der Vertrautheit, ja, und die ist verführerisch. Aber ich bin nirgends hineingetappt. Mich hat das gerade begeistert. Da waren viele junge Menschen. Manuela Schwesig war ja auch dabei. Ich habe zu keiner Sekunde vergessen, dass das öffentlich ist.“

Reue empfindet Ramelow trotz seines missglückten Auftritts nicht: „Ich bin für diese App nun beides: Werbe- und Warnschild. Die Nutzungskompetenz wird künftig in der Einheit Ramelow gemessen. Der Freitagabend war ein Null-Ramelow. Aber ich wollte eben diesen Versuch wahrnehmen, unter Leute zu kommen“, so der Ministerpräsident. Reumütig zeigte sich Ramelow dagegen in Bezug auf die Bezeichnung „Merkelchen“, die er auch in „Clubhouse“ fallen ließ. „Ich bereue diese Formulierung sehr“, sagte er. „Ich hätte von Ramelowchen oder Söderchen oder Kretschmännchen sprechen sollen. Stattdessen habe ich von einer Frau gesprochen. Das war dumm und wirkte despektierlich. Dadurch habe ich männliches Machtgehabe an den Tag gelegt, ohne es zu merken.“ Er habe Angela Merkel nicht angreifen und sie nicht herabsetzen wollen, „aber ich habe es getan“. Er habe sich bei der Bundeskanzlerin inzwischen persönlich entschuldigt.

Schade eigentlich. (Mit Material von dts)

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