Lockdown in der Dauerschleife – es gibt kein Entrinnen

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Foto: Von Melkor3D/Shutterstock

Zwei Mechanismen sorgen dafür, dass wir den Lockdown so schnell nicht loswerden (wenn denn überhaupt je): Erstens eine selbstverstärkende Panik, die durch immer neue unvorhersehbare Bedrohungen (neue Mutanten, regionale Ausbrüche) die Krise stets neu befeuert. Zweitens das sogenannte Präventions-Paradoxon, das jegliche Verbesserung der Lage als Argument für die weitere Aufrechterhaltung der Maßnahmen nimmt, die diese Verbesserung angeblich bewirkt haben. Die Zwickmühle ist perfekt.

Wozu im ersten Lockdown und zu Beginn des Zweiten noch „Corona“ bzw. „das Virus“ generell genügte, das wird – um dem „Affen Zucker“ bzw. den Angstkonditionierten neuen Grund zur Sorge zu geben – nun über die Virus-Mutanten besorgt. Zwar stand früh fest, dass das Virus hunderte, womöglich tausende von Mutationen in kürzester Zeit hervorbringen würde, und die Koryphäen der Virologie wie Professor Drosten erklärten diese natürliche Differenzierungen sogar für positiv. Doch seit nicht nur die nachlassende Maßnahmen-Compliance der Bevölkerung der westlichen Staaten aufgefrischt, sondern auch immer weitere Lockdown-Verlängerungen begründet werden müssen, gelten die Mutanten plötzlich als Katastrophe (Merkel vorgestern: „Wir leben durch die Mutationen auf einem Pulverfass„).

Dabei ist, mit Ausnahme womöglich einer brasilianischen Variante, bei der dies jedoch ebenfalls noch nicht belegt ist – bislang keine der aufgetretenen Mutationen gesundheitlich schwerwiegender oder gar tödlicher als die klassische „Ursprungsvariante“. Sie sind lediglich ansteckender und verbreiten sich entsprechend schneller. Dieser Effekt wird in der Berichterstattung ebenso wie in den Verlautbarungen der Politik jedoch fahrlässig mit einer größeren Gefahr für die Bevölkerung gleichgesetzt. Er wäre allenfalls ein Argument, die besonders betroffenen Hauptrisikogruppen endlich noch nachhaltiger zu schützen – durch Schnelltests, mehr Personal oder auch Bundeswehreinsätze in den Heimen, die die Bundesregierung bislang nicht auf die Reihe bekommt oder sträflich verhindert.

Die Mutation als Feigenblatt

Stattdessen werden täglich neue Horrormeldungen verbreitet, vor allem über die Mutante B117. Diese verbreite sich nun „8 mal schneller„, warnte der Bioinformatiker und Direktor des European Bioinformatics Institute Cambridge, Rolf Apweiler. Warum er warnt? Weil die Ausbreitung – na logisch –  „durch zu rasche Lockerungen“ begünstigt würde. Moment mal: Die 8-fache Ausbreitung erfolgte ja TROTZ Lockdown, in Großbritannien ebenso wie hier. Bedeutet dies also, dass wir künftig nicht nur den Lockdown, sondern dann vielleicht acht Meter Abstand halten oder acht Masken aufeinander tragen sollen?

Einer cleveren Dramaturgie folgend, wird hier bereits frühzeitig sichtbar – drei Wochen vor Ablauf des nächsten vorgeblichen Lockdown-Enddatums – wohin die Reise geht: Nach bewährter Manier wird bereits die „Faktenbasis“ für die nächste Verlängerungsrunde geschaffen. Überflüssig zu erwähnen, dass auch Apweiler wieder zum Kreis der Experten zählt, die Bund und Länder in der Coronakrise regelmäßig „beraten“, treffender: in Unruhe versetzen und zu Radikalentscheidungen verleiten.

Schon vor einigen Tagen hatte Drosten eine geplante Lockerung der derzeitigen Maßnahmen mit der „hohen Infektiosität“ von B117 torpediert, und von „100.000 Fällen pro Tag“ schwadroniert, die andernfalls drohten. Typisch Drosten – Zu Weihnachten noch hatte er „kein größeres Problem“ in den Mutanten gesehen. Apweiler springt ihm jetzt bei: „Das konnte man sehen in Großbritannien im Dezember, als diese Maßnahmen gelockert worden sind. Da sind insgesamt diese Zahlen der anderen Varianten um 40 Prozent hochgegangen. Die Zahlen der Variante B117 sind um das 10-fache gestiegen.“ Und dann kommt er auf den Punkt: Sollten aufgrund der sinkenden 7-Tage-Inzidenz in Deutschland Lockerungen umgesetzt werden, „dann hat man in sechs bis acht Wochen eine ähnliche Situation wie in Großbritannien Ende des Jahres und innerhalb von drei Monaten eine katastrophale Situation„, so die Prognose des Bioinformatikers laut „dts Nachrichtenagentur“. Fazit also: Lockdown forever! und wenn B117 überwunden ist, kommt garantiert schon die nächste Mutante um die Ecke.

No way out, but deeper in

Was aber, wenn – wonach es derzeit ja eher aussieht – die Zahlen weiter sinken? Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete etwa am frühen Sonntagmorgen 12.257 Corona-Neuinfektionen –  11,7 Prozent oder 1.625 Fälle weniger als am Sonntagmorgen vor einer Woche (damals 13.882 Neuinfektionen binnen eines Tages). Insgesamt geht das Institut derzeit von rund 275.600 aktiven Corona-Fällen „mit Nachweis“ aus – immerhin 39.500 weniger als vor einer Woche. Die Tendenz ist, allen Mutanten zum Trotz, weiter fallend. Und spätestens wenn es wärmer wird, im Frühjahr, werden die Inzidenzen ohnehin höchstwahrscheinlich wieder zurückgehen.

Auch wenn es sich bei dieser Entwicklung vermutlich überhaupt nicht um Effekte des Lockdowns handelt (da dieser bereits seit drei Monaten läuft, sich aber erst seit kurzem Entlastung einstellt), so schwinden mit jeder weiteren Entspannung jedenfalls die objektiven Gründe für eine Aufrechterhaltung der Restriktionen. Können wir also bald mit Lockerungen rechnen, wenn der Trend anhält? Natürlich nicht. Denn hier greift eben das besagte Präventions-Paradoxon: Wir werden dann zu hören bekommen, durch „zu frühe Öffnungen“ und „Lockerungsdebatten“ würden wir „unsere Erfolge aufs Spiel setzen“ und riskieren, dass es zum nächsten Anstieg kommt.

Deshalb muss man nüchtern festhalten: Die heillos verrannte Politik ist aus eigenem Antrieb weder willens noch in der Lage, uns aus der Zwangslage je wieder zu befreien. Früher oder später kann sie nur Notwehr der Bürger dazu zwingen. In den Niederlanden und in Dänemark sehen wir bereits die Vorboten dieser Entwicklung. Auch in Polen, Tschechien und Italien, wo die „Wir machen auf„-Bewegung an Fahrt gewinnt (und anders als hier nicht als Sturm im Wasserglas endet, ehe sie überhaupt losging), steigt der Unmut. Frankreich wird absehbar folgen. Nur im staatsgläubigen und -hörigen Untertanenstaat Deutschland dauert es erfahrungsgemäß viel, viel länger, bis die Frustschwelle überstiegen ist. Danach allerdings gibt es kein Halten. Die geballte Faust in der Tasche wird irgendwann zur Panzerfaust. (DM)

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