Auch „Migrationshintergrund“ ist künftig pfui: Bolschewisten blasen zum Sturm auf unsere Sprache

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Bunt, aber ohne Hintergrund? (Symbolbild:Imago/FutureImage)

In Deutschland wird Sprachentwicklung nicht länger dynamisch, als Produkt von Austausch verschiedener Milieus, Kommunikation und sozialer Interaktion verstanden – sondern neuerdings wieder von Reißbrett verordnet, von offizieller Stelle. Der geistige Totalitarismus der Linken greift immer scham- und maßloser um sich. Jetzt hat die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Anette Widmann-Mauz, ein neues Tabuwort ausgemacht: Fortan soll es keinen „Migrationshintergrund“ mehr geben.

Bei der Vorstellung des „Integrationsberichtes“ gemeinsam mit Bundeskanzlerin Merkel kündigte Widmann-Mauz an, gemäß Empfehlung der von der Regierung beauftragten Kommission zur Integrationspolitik solle die im behördlichen Schriftverkehr, auf Formularen und in Statistiken verwendeten Kategorie „Migrationshintergrund“ abgeschafft und durch einen neuen Begriff ersetzt werden – der allerdings noch nicht gefunden ist. Im Raum stehen blumige Umschreibungen wie „Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ oder „Eingewanderte und ihre (direkten) Nachkommen„.

Definitionsgemäß ist dies zwar exakt dasselbe wie „Migrationshintergrund“ – doch die Dinge beim Namen zu nennen, verbietet sich in diesen kulturmarxistischen, neurotisch-hypersensiblen Zeiten, in denen die per Fernwahrnehmung antizipierten Befindlichkeiten von Randgruppen die einzige zulässige Orientierung abgeben. Viele der 21 Millionen Menschen fühlten sich „durch diesen Begriff herabgesetzt„, so die Integrationsbeauftragte laut „Welt„; der Bericht der Fachkommission mache deutlich, dass der Ausdruck 15 Jahre nach seiner Einführung „nicht mehr zeitgemäß“ sei. Woher die Regierungskommission dies weiß, steht in den Sternen; hat sie etwa mit allen 21 Millionen Migrationsstämmigen persönlich gesprochen?

Auf den neuesten sprachpolizeilichen Vorstoß der zunehmend verkappt-linksradikaler agierenden Groko kommentierte Marc Felix Serrano, Chef der „Neuen Zürcher Zeitung“, zutreffend: „Es ist nicht Aufgabe des Staates, zu verkünden, welche Begriffe zeitgemäss sind und welche nicht. Derlei kennt man aus autoritär regierten Ländern.“ In Deutschland sieht man dies ganz anders. Wo die Medien betreutes Denken als obersten Daseinszweck kultivieren, wo die Politik mit einem paternalistischen Gesundheits- und „Bevölkerungsschutz“-Anspruch hemmungslos ins Privatleben ihrer Bürger hineinregiert und ideologische Gendersprache von oben verordnet wird, und wo die Kanzlerin kritische Bücher eines Thilo Sarrazin als „nicht hilfreich“ bezeichnet, da ist die Regulierung des Wortschatzes per Ukas von oben nur folgerichtig.

Autoritäre Sprachpolizei

Das Ganze passt zur Cancel-Culture, zur zunehmenden Elimination von missliebiger Literatur, Filmen, Kulturgut, einer neuen Erscheinungsform „entarteter Kunst“ und zu den neuen Bücherverbrennungen und Bilderstürmen. Inhaltlich ist die Diskussion ein weiteres Beispiel für die von Stephen Pinker definierte „Euphemismus-Tretmühle“, wonach jeder Begriff, der ein tatsächliches (oder eingebildetes) gesellschaftliches Problem beschreiben soll, zwangsläufig mit der Zeit pejorisiert, also negativ belegt und schließlich als diskriminierend empfunden wird. Anschließend wird er durch ein neuen, unbelasteten Begriff ersetzt – der seinerseits irgendwann als diskriminierend gilt.

Laut Pinker wiederholt sich dieser Prozess solange, wie das dem Begriff zugrundeliegende soziologische Konfliktpotential nicht beseitigt ist. Ein Beispiel ist etwa die Begriffsevolution vom „Krüppel“ über den „Invaliden“ zum „Behinderten“ über „Beeinträchtigten“ bis zum „Anders/besonders Befähigten“ – oder eben, im konkreten Fall, die vom „Asylanten“/“Fremden“ über „Asylbewerber“ zum Asylsuchenden*In„, oder vom „Migrant*In“ zum „Mensch mit Migrationshintergrund„.

Und so wird zwangsläufig über kurz oder lang auch der – noch gar nicht festgelegte – kommende Ersatzbegriff für die Kategorie „Migrationshintergrund“ wieder nur eine Übergangslösung darstellen; solange, bis sich die Sprachpfuscher der linksgrünen Eliten auch dafür einen Ersatz einfallen lassen können, weil er in der Umgangssprache breitgetrampelt oder ironisch verballhornt wird. Das Orwell’sche Neusprech aus „1984“ lässt grüßen. (DM)

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