„Bild“ geht mal wieder über Covid-Leichen: Krematorium-Gruselgeschichten aus Wuppertal

0
THW-Aufbau von "Leichenzelten" in Wuppertal (Foto:Imago/Oelbermann)

Corona Horror Picture Show zum Jahreswechsel: Nach der alarmistischen Berichterstattung über die angeblich katastrophalen Zustände im Krematorium Zittau, die seit Wochen die Schlagzeilen füllen, hat „Bild“ nun einen neuen Hotspot für Panikmache ausgemacht: Das Krematorium in Wuppertal. Um jeden Preis soll das „Bergamo-Szenario“ irgendwie doch noch herbeiberichtet werden. Ein Blick ins Archiv zeigt: Der Fall ist nichts Ungewöhnliches, alles schonmal dagewesene – auch vor Corona.

Die Sensationsgier der Boulevardpresse kennt keine Grenzen – und obwohl die Chefredaktion von „Bild“ unter Julian Reichelt in letzter Zeit ein eher distanziertes, kritisches Licht auf die Corona-Politik des Bundes und der Lockdown-Beschlüsse insgesamt wirft, hält dies die Zeitung nicht ab, den Lesern entsprechende Gruselgeschichten ganz im Sinne der Regierungs-Hardliner zu servieren. Unter dem Titel „Ein trauriges Bild in Wuppertal“ zeigt das Blatt, wie das Technische Hilfswerk (THW) auf dem Gelände des Bergischen Krematoriums vier Zelte aufbaut – angeblich um „zusätzlich Platz für Särge schaffen, da das Krematorium überlastet ist und nicht mehr ausreichend Lagerfläche hat.“

Es sind Darstellungen, wie man sie nach Erdbeben mit zehntausenden Toten, nach einem Vulkanausbruch oder einem Atomunfall vermuten würde – nicht bei einer saisonalen Häufung von Verstorbenen im Durchschnittsalter von über 85 Jahren in Alten- und Pflegeheimen. Doch auch hier geben die nüchternen Zahlen, die „Bild“ sogar ganz offen benennt, absolut nicht den von der eigenen Berichterstattung bewusst geschürten Eindruck einer humanitären Katastrophe, gar einer einzigartigen Krisensituation her: „Seit Heiligabend sind laut Sprecher allein in Wuppertal zwölf Menschen an Corona gestorben„, schreibt die Zeitung. Das sind also pro Tag rund 1,5 Personen. Vor allem die folgende Aussage jedoch lässt aufhorchen: „Insgesamt liegt die Zahl der Corona-Toten in Wuppertal seit Beginn der Pandemie bei 218.“ 218 – das sind weniger als 0,8 Tote pro Tag. In einer Stadt mit 355.000 Einwohnern und einem mindestens doppelt ebenso großen Einzugsgebiet.

Kein Unterschied zu manchen Belastungsspitzen in der Grippewelle 2018

Irreführend ist deshalb auch die Aussage auf der Webseite der Stadt Wuppertal. Dort steht zu lesen: „Das privatbetriebene Bergische Krematorium in Wuppertal ist derzeit über das Normalmaß hinaus ausgelastet. Deshalb sind die Flächen, wo die Särge bis zur Verbrennung aufbewahrt werden, belegt.“ Dies kann jedoch kein echter Ausnahmezustand sein; wenn seit 8 Tagen 12 Menschen hinzukamen und dies zu einem Überschreiten der Norm führt, dann würde auch jede Häufung von Verkehrsunfällen zu einer solchen Situation führen. Zumal ja nicht einmal jeder Verstorbene eingeäschert wird.

Wie hier mit der Angst der Menschen gespielt wird und wie krampfhaft hier auch von „Bild“ versucht wird, ein im Prinzip schon immer existierendes, wiederkehrendes Phänomen zum historischen Präzedenzfall dieser „Pandemie“ hochzujazzen, das wird deutlich, wenn man sich einen „Bild„-Artikel vom März 2018, aus der letztem größeren Grippesaison, zum Vergleich durchliest: Unter dem Titel „Totenstau im Krematorium“ berichtete das Yellowpress-Leitmedium hier über sogar noch entsetzlichere Zustände im Krematorium Meißen, als nach Aussage des Geschäftsführers „wegen der schlimmen Grippe“ statt der üblichen 40 Einäscherungen täglich plötzlich 60 bewältigt werden mussten – was zu einem enormen Rückstau führte, trotz Dreischichtbetrieb. „Verzierte Särge drängen sich neben schmucklosen. Schon dicht an dicht lagern die Toten im Krematorium Meißen. Und der Nachschub aus ganz Deutschland reißt nicht ab„, unkte „Bild“ damals. Ganz ohne Pandemie – und ohne dass mit solchen Zuständen damals Komplett-Shutdowns des öffentlichen Lebens legitimiert werden mussten… (DM)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram