Grundlose Empörung über Ischgl-Wintersport: Deutsche Medien in Rage

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Wintersportler in Ischgl im Oktober, noch vor dem 2. Lockdown (Foto:Imago/Mühlanger)

Die schädliche und unsinnige Panikmache deutscher Medien dreht in den letzten Tagen des alten Jahres noch einmal verschärft auf – und hat einen neuen Aufreger gefunden: Den angeblichen Super-Hotspot „Ischgl 2.0“, wo auf überfüllten Skipisten und in langen Warteschlangen „rücksichtslose“ Touristen als Pandemietreiber auftreten. Die Aufregung ist völlig unbegründet, hat aber das Zeug für Pogromstimmung gegen Wintersportler.

Denn eines scheinen die dauerbesorgten Meinungsmacher völlig außer Acht zu lassen, beziehungsweise sie scheinen nicht einmal mehr zu memorieren, was sie selbst im Frühjahr berichtet hatten, als Ischgl zum realen Superspreader-Hotspot der „ersten Welle“ wurde: Die Virusausbreitung erfolgte damals so wenig wie heute im eigentlichen Wintersportbetrieb auf den Pisten, im Freien. Sondern die eigentlichen Hotspots waren die Aprés-Ski-Feten, die dichten Menschenansammlungen beim Hüttenzauber, in den Clubs und teilweise auf überfüllten Sonnenterrassen ohne jeden Abstand, auf enger Tuchfühlung und im feuchtfröhlichen, idealen Brutklima für Keime aller Art.

Was aktuell in Ischgl moniert wird, ist harmloser als das alltägliche Treiben trotz Lockdown an jedem deutschen Bahnsteig im morgendlichen Berufsverkehr, in jeder S- oder U-Bahn oder in jedem Stadtbus. Trotzdem überschlagen sich vor allem die deutschen Pandemie-Kassiber mit vorwurfsvollen Breitseiten gegen die Akteure, namentlich im zum Fanal für Corona-Hotspots gewordenen Igschl. „Trotz drittem Lockdown und rasant steigenden Infektionszahlen öffnet Österreich seine Skigebiete!“, echauffiert sich etwa „Focus„, und beschwört bereits den „4. Lockdown“ herauf.

Wieder einmal zeigt sich die Doppelmoral und geheuchelte Besorgnis um Infektionsrisiken ausschließlich im Freizeitsektor, wo sporttreibende Menschen als egoistische, verantwortungslose Genußsüchtige gebrandmarkt werden, während die exakt selben Szenen, sofern sie im Arbeitsleben auftreten (und damit der Erwirtschaftung zumindest noch eines Minimums an Steuereinnahmen dienen), völlig akzeptabel sind. (DM)

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