Tödliche Beatmungs-Manie: Könnte jeder zweite Covid-Verstorbene noch leben?

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Künstliche Beatmung von Covid-Patient (Foto:Imago/Itar-Tass)

Kein Tag vergeht, an dem sich derzeit nicht eine neue fachkundige Kapazität aus der Deckung traut, sein Schweigen bricht und die nächsten Pannen und Irrwege des angeblich so umsichtigen, besonnenen und professionellen Umgangs mit Corona aufdeckt. Gestern war es der Chefarzt der Lungenklinik im Krankenhaus Bethanien in Moers, Professor Thoma Voshaar, seines Zeichens Vorsitzender des Verbandes Pneumologischer Kliniken, der die Beatmungspraxis scharf kritisiert: Die Hälfte der Beatmungen sei unnötig und kontraproduktiv.

Als größten Behandlungsfehler auf deutschen Intensivstationen im Kampf gegen Corona bezeichnet Voshaar die zu frühe Beatmung von Covid-19-Patienten – eine erhebliche Zahl an Fehltherapien somit, die bei den aktuell über 5000 Sars-CoV-2-Infizierten mit intensivmedizinischem Betreuungsbedarf  in Deutschland extrem ins Gewicht fällt: Über die Hälfte von ihnen wird laut „Focus“ künstlich beatmet. Schon im Frühjahr hatten Mediziner gewarnt, dass durch die oft brachiale Intubation der zumeist hochbetagten und/oder geschwächten Patienten die Sterblichkeit erstrecht rapide ansteigt.

Dass die invasive Beatmung Risiken berge, sei keine Neuigkeit in der Medizin, so Voshaar; dies wisse man „schon seit zehn Jahren“. Die Einpumpung von sauerstoffangereicherter Luft übt mechanischen Druck aus und reizt das ohnehin schon durch die Erkrankung entzündete Lungengewebe.

Teufelskreis mit Ansage

Gegenüber „Focus“ erklärt der Facharzt: Je schlechter die Lunge funktioniere, desto mehr Druck und desto höhere Sauerstoffkonzentrationen benötigt sie, um den Körper weiter mit einem ausreichenden Sauerstoffangebot zu versorgen. „Das ist ein Teufelskreis – bereits nach drei Tagen steigt die Gefahr für Komplikationen exponentiell an„.

Künstliches Koma oder sogar Tod seien oft die Folge. Voshaar hält diese Behandlungspraxis für unverantwortlich. Eine sinnvollere und schonendere Methode sei die Verwendung spezieller Atemschutzmasken mit Sauerstoffgabe; im Schnitt könnten Patienten mit dieser Methode „bereits sechs bis zwölf Tage nach Symptombeginn das Krankenhaus verlassen„, und diese Form der Behandlung sei viel risikoärmer. Dass diese Kritik erst jetzt zur Sprache kommt, auf dem Rekordpeak der täglichen Todeszellen, beweist, dass die Regierung auch in diesem Bereich offenbar bislang auf die völlig verkehrten Ratgeber gehört hat. (DM)

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