DDR reloaded: Merkel gibt linientreuen Studenten Tips zum Umgang mit Querdenkern und Systemgegnern

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Foto: Collage

Die große Zerstörerin jeder Diskussionskultur beklagt die „Diskussionsverweigerung“: Was Angela Merkel gestern im Gespräch mit dem akademischen Nachwuchs über ihre Corona-Politik und vor allem die Kritik daran zum besten gab, verrät über sie ebensoviel wie über ihr universitäres Publikum.

In einem als solchen bezeichneten „Austausch“ mit Studenten und Mitarbeitern deutscher Universitäten  hatte Merkel über ihre Katastrophenpolitik referiert und dabei die üblichen selbstgefälligen, gewaschenen Rechtfertigungen abgesondert   („Wir müssen wieder herunter auf eine Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche, weil man dann das Infektionsgeschehen nachvollziehen kann. Sonst kann nichts gelockert werden“).

Auch die Gegner ihrer Politik waren Thema – natürlich jedoch nicht, so wie dies eigentlich in einer Demokratie normal wäre, indem sie anwesend waren oder bloß durch Erörterung ihrer Positionen im Rahmen einer kontroverser Debatte. Sondern vielmehr wollten die Studenten von der Kanzlerin besorgt wissen, wie sie „am besten mit Corona-Leugnern und der „Querdenker-Bewertung umgehen“ sollten, berichtet die „Welt„. Fünf Jahrzehnte  nach der Studentenbewegung stellt der einst kritische akademische Nachwuchs dieses Land die Politik also nicht mer inhaltlich in Frage, sondern wünscht sich von der Regierung Handlungsanleitungen zur Aus- und Abgrenzung jener, die dies tun.

Merkel antwortete auf die servile Steilvorlage: „Ich habe darauf die perfekte Antwort nicht“. Aber: „Dieses Problem“ beschäftige die Politik sehr. Es sei eine Forschung zur Frage nötig: „Wie verabschiedet man sich eigentlich aus der Welt der Fakten und gerät in eine Welt, die sozusagen eine andere Sprache spricht und die wir mit unserer faktenbasierten Sprache gar nicht erreichen können?“ Also eine wissenschaftliche Untersuchung, wie denkende Menschen bloß zu anderen Einschätzungen als die Regierung gelangen können. Hier spricht eine Agitprop-Konditionierung aus der ehemaligen FDJ-Sekretärin, die auf eine gelungene Schulung in marxistischer Theorie und Marcuses Feindanalytik hindeutet. Selbstverständlich müssten in Deutschland, findet Merkel, „sogenannte Verschwörungstheorien“ entschieden bekämpft werden, denn: „Das ist im Grunde ein Angriff auf unsere ganze Lebensweise.“

Aus der Welt der Fakten – und zwar der, die ihre eigenen Regierungsbehörden vom RKI täglich publizieren – verabschiedet sich diese Kanzlerin schon längst – doch abweichende wissenschaftliche Standpunkte lässt sie nicht zu. Dass ausgerechnet Merkel dann beklagt, es gebe „bei Anhängern solcher Denkmuster“ (also Querdenker u.a.) eine „richtige Diskussionsverweigerung“, ist geradezu drollig. Merkels Vorstellung von nichtverweigerten Diskussionen reicht bekanntlich von der Etikettierung streitbarer Bücher Thilo Sarrazins als „nicht hilfreich“ bis hin zur Rückgängigmachung demokratischer Wahlen.

Einen aufschlussreichen Satz ließ Merkel dann noch fallen: „Das übliche Argumentieren, das hilft da nicht (…) Das wird vielleicht auch eine Aufgabe für Psychologen sein„. Das „übliche Argumentieren“ Merkels ist nur zu bekannt. Hinzu kommt nun noch die Pathologisierung von Kritikern. Genau so läuft das ab im Neuen Deutschland Merkels: Was andere gegen sie einwenden, ist schon gar keiner inhaltlichen Auseinandersetzung mehr wert – es geht nur noch darum, wie man mit ihnen „umgeht“, zum Schweigen bringt oder therapiert. denn anderer Meinung zu sein als diese Kanzlerin hat für den deutschen Bildungsnachwuchs anscheinend schon Krankheitswert.

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Merkels Zusammentreffen mit Schülern und Studenten erinnern an die FDJ-Konferenzen in der DDR, wo jugendliche Fahnenträgern mit Staatsrats-Ehrengästen in „Gesprächsrunden“ diskutieren. Dort wurde dann nicht etwa über die Unzufriedenheit im Arbeiter- und Bauernparadies, über Konsum- Wirtschaftskrisen, Ausreiseverbot oder gar Dissidenten geredet; sondern die gehirngewaschenen Nachwuchsfunktionäre wollten wissen, wie der Sieg des Sozialismus noch schneller errungen werden könne, und wie konterrevolutionäre, „imperialistische“ Elemente wirksamer zu enttarnen seien. Das kommt uns alles doch sehr bekannt vor. (DM)

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