Altersvorsorge: Die Regierung zerstört das Volksvermögen

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Altersarmut - nur eines der Probleme Deutschlands, die diese Regierung ausblendet (Symbolbild: Collage)

Wie sozial ist eine Krise? Eben. Diese Frage ist schon so schräg, dass die Antwort nur noch schräger sein kann. Aber wir leben in schrägen, windschiefen Zeiten und dann bricht manchmal etwas auf – und lässt Einblicke zu. Dass die deutschen Renten sich im staatlich gewährten Almosenbereich bewegen, ist längst eine Binsenweisheit. Der ständige Hinweis der Politiker, sich doch gefälligst selbst zu versorgen, sich neben der Staatsrente also bitteschön Reichtum und Wohlstand privat für das Alter aufzuhäufen, ist bitterer Zynismus. Aber ist es weitaus schlimmer, es ist Zynismus mit System. Altersvorsorge in Deutschland wird zunehmend zu einer Farce.

Von Hans S. Mundi

Abkassierer nutzen die Not der deutschen Armutsrentner

Verbraucherrechte kommen bei der staatlich gewollten Privatisierung der Altersvorsorge eindeutig zu kurz. Mittlerweile sind über 5.000 Riester-Produkte auf dem Markt, hinzukommen andere, die als Altersvorsorge verkauft werden: Von Investmentfonds über Rentenversicherungen bis hin zu Sparverträgen in Gold und geschlossenen Unternehmensbeteiligungen sind tausende weitere Produkte erhältlich. Bei dieser Vielfalt fehlt ein verlässlicher Überblick, Verbraucher sind auf das Wissen der Finanzvermittler und Verkäufer angewiesen. Genau hier offenbart sich ein Problem: In vielen Fällen bekommen Verbraucher Produkte verkauft, die völlig an ihrem Bedarf vorbeigehen und häufig nicht ihren Zielen entsprechen. Zu hohe Kosten, unflexible Laufzeiten oder schlicht das Eigeninteresse der Verkäufer an möglichst hoher Provision sind die häufigsten Probleme, mit denen Verbraucher konfrontiert werden und von denen sie uns berichten. Darüber hinaus macht sich eine Sorge breit, wie stabil der Euro ist und ob die seit nunmehr drei Jahren eskalierende Schuldenkrise nicht die Private Altersvorsorge gefährdet. Das Recht der Verbraucher auf Information und Wahlfreiheit wird durch das Verhalten vieler Anbieter unterlaufen. Denn sie verkaufen intransparente Produkte, spielen die Bedeutung von Vermittlungskosten herunter und beraten oft am Bedarf der Ratsuchenden vorbei.“

Wenn Volksvertreter nicht die Interessen des Volkes vertreten

Die so genannten „Riester-Produkte“ gelten unter Ökonomen schon lange als „Schrott“. Erdacht ist dies von Politikern, die nur alles lukrativ in den Griff bekommen, wenn es um ihre eigene diätenbasierte Selbstversorgung geht. Als „Volksvertreter“ vertreten sie aber das Volk bei der Frage nach einer altersgerechten, angemessenen Rente für ein Leben in Würde jenseits des Berufslebens einfach nicht. Da sich an der gesetzlich garantierten Armuts- und Almosenrente hierzulande dank einer feisten, saturierten und selbstherrlichen politischen Klasse aber nichts ändert, konnte über Jahre hinweg der Popanz der zusätzlichen Altersvorsorge gut aufgebaut werden. Das bedeutet allerdings, unabhängig von welchem Modell auch immer, dass die entsprechenden Personen – Arbeiter, Angestellte, Selbständige – sich selber zusätzlich versichern müssen und somit in eine zweite Rentenkasse einzahlen. Das hat aber mehrere Haken – und wird nun Dank Corona eher zum Problem als zu einer Lösung.

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Kein Geld, keine Altersvorsorge

Haushalte, die im März oder April wegen der Corona-Krise geringere Einkünfte hatten, kürzten oder strichen vor allem die Sparraten für die Altersvorsorge. Das fand das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) in einer repräsentativen Umfrage heraus, an der mehr als 2.000 Personen ab 18 Jahren teilnahmen. Weniger Einkommen hatten demnach in den vergangenen zwei Monaten 20 Prozent der befragten Deutschen, weil das Gehalt aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung beziehungsweise die Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit teilweise oder ganz entfielen.“

Rente und Vorsorge in der Dauerkrise

Erinnern wir uns an die Appelle aus der Politik. Sinngemäß lauten diese: Versichert euch gefälligst selbst, betreibt Altersvorsorge, rechnet nicht mit hohen Renten, denn das Geld verschleudern wir lieber woanders als es euch Rentnern im Alter zu geben. Deshalb ist seit Jahrzehnten die Kapitallebensversicherung ein Lieblingsmodell der Deutschen, die auf angemessene und versprochene Auszahlungen im Alter hoffen. Denkste. Über Jahre wurde das Modell Lebensversicherung plus Kapitalansparung mit Zinsausschüttung von viellen Menschen bevorzugt, immer auch im Hinblick auf eine gut dotierte Altersvorsorge. Doch genau das wird den Deutschen jetzt zum Verhängnis. Man hätte sein Geld auch in einen Sparstrumpf stecken und hinters Sofa legen können – alle Modelle der Altersabsicherung, die auf hohen Anteilen der Zuzahlung durch die kommenden Bezieher beruhen, stecken längst in der dank verantwortungsloser Politiker hausgemachten Krise.

Kapitallebensversicherung sorgt im Alter für Enttäuschung

Als Altersvorsorge haben viele eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen. Doch die Auszahlung sorgt im Alter oft für Enttäuschung: Der Betrag kann deutlich unter dem liegen, was der Versicherer in Aussicht gestellt hat. Ein Grund: Viele Versicherer stecken in der Krise – laut einer aktuellen Studie haben 22 von 84 geprüften Unternehmen große finanzielle Probleme … Bei einer Lebensversicherung gibt es neben dem fest vereinbarten Garantiezins eine sogenannte Überschussbeteiligung, die den Kunde an Erträgen beteiligt. Wie hoch die Überschussbeteiligung ausfällt, hängt davon ab, wie gut der Versicherer wirtschaftet … Seit vielen Jahren stecken die Volkswirtschaften in einer Niedrigzinsphase. Für verliehenes Geld bekommt man kaum Zinsen. Das trifft auch die Versicherungsgesellschaften, die deshalb weniger verdienen können.“

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Altersvorsorge im Fass ohne Boden– Die Niedrig- bis Minuszins-Politik der EU und der Eurokraten in Brüssel hat den Finanzmarkt komplett verändert, die Versicherer stehen mit dem Rücken zur Wand, der Verbraucher profitiert nicht mehr von Überschüssen. Alles läuft derzeit auf kalte Enteignung hinaus, Kapital wird vernichtet, Provisionsmodelle kippen, zinsbasierte Langfristmodelle für sinnvollen Kapitaleinsatz werden zerstört. Die Altersvorsorge wird so zur Lotterie, wer das Privileg hatte, noch an Betriebsrenten zu kommen, der kann sich halbwegs glücklich schätzen, Beamte und Staatsdiener haben ohnehin dieses Problem nicht. Das einfache Volk zahlt ein Leben lang in eine Black Box ein – am Ende landet der Einzahler neben den Nichtseinzahlern in der Grundsicherung bei den Arbeits- und Sozialämtern. Das ist deutsche Rentenpoltik mitsamt der flankierenden Altersvorsorge. Ein Fass ohne Boden.

 

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