Refugees first: Werden Flüchtlinge beim Impfen bevorzugt?

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Migration (Symbolbild: Shutterstock/Crawford)

Auch wenn es noch lange nicht ausgemacht ist, ob die Corona-Impfung nicht eher Fluch als Segen ist – nach Logik und Überzeugung der coronadisziplinierten, „vernünftigen“ Deutschen, die in ihr das Ticket zur Rückkehr in die Normalität sehen, ist sie ein Privileg – und der Impfstoff ein entsprechend knappes Gut. So knapp, dass seine Verteilung priorisiert werden soll – nach den Kriterien von Risikogruppen und „Systemrelevanz“. Erstaunlich: die Insassen von Einrichtungen unter staatlicher Obhut sollen als erste geimpft werden – Häftlinge im Gefängnis, aber offenkundig auch Flüchtlinge.

Der Vorwand für diese Sonderbehandlung, die sogar noch vor der Impfung von hoheitlich oder systemisch unverzichtbaren Amtspersonen (vor allem Polizisten, Ärzte, Pfleger ivm.) erfolgen soll: Wie in allen Gemeinschaftsunterkünften könnte ein Infizierter schnell einen Massenausbruch auslösen. Im Falle einer Infektion wäre aus Sicherheitsgründen eine Unterbringung der Häftlinge außerhalb der Gefängnisse, etwa im Krankenhaus, kaum möglich. Der personelle Aufwand der Bewachung würde extrem ansteigen, so der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, laut „Bild„. Aus demselben Grund fordert er zumindest eine „schnellstmögliche„, gleichzeitige Impfung der Polizei: Die Ansteckungsgefahr sei Teil von deren Berufsrisiko.

Weil ein „Massenausbruch“ jedoch nicht nur Gefängnisse betrifft, sondern natürlich auch Flüchtlingsunterkünfte, läuft es im Ergebnis also faktisch darauf hinaus, dass diese wieder einmal eine massive Bevorzugung bei der Impfung erfahren – während ein Großteil der deutschen Bevölkerung, wie CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn gestern bestätigte, aufgrund der Dosenknappheit und logistischen Engpässe erst im 3. Quartal 2021 geimpft wird. Diejenigen, die dem „Zaubermittel“ eh nicht trauen, mögen dies gar nicht weiter schlimm finden.

All jene jedoch, die den als „kleinen Pieks“ verniedlichten, ersten Feldversuch mit einem mRNA-Impfstoff gar nicht abwarten können, um endlich wieder (vermeintlich) ihr „altes Leben“ zurückzubekommen,  dürften sich hier einmal wieder vor den Kopf gestoßen und zurückgesetzt fühlen. Im Ergebnis wird es nämlich jedenfalls so sein, dass Kriminelle und Flüchtlinge ohne rechtlich tragbaren Asylanspruch früher und besser geschützt sind als die Deutschen, denen die Bundesregierung jeden Tag das rhetorische Damoklesschwert des allgegenwärtigen Covid-Todes über den Kopf hängt. (DM)

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