SPIEGEL: „Verbotskritik verbieten!“

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Kann "schön" ... äh ... "denken": Samira El Ouassil. Foto: Imago

Im „SPIEGEL“ erschien eine Kolumne von Frau Samira El Ouassil. „Verbotskritik verbieten!“ lautet die Schlagzeile ihres vor Intelligenz nur so strotzenden Artikels. Da ist es direkt ein Jammer, daß es Leute gibt, die noch intelligenter sind, als Frau Samira El Ouassil. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Frau Samira El Ouassils Überlegungen – wenn man sie als solche bezeichnen will – finden ihren Rahmen innerhalb des Rubrums „Streit um gesellschaftlichen Wandel„. In diesem Streit plädiert sie dafür, Verbotskritik zu verbieten. Wie sie einen Streit um gesellschaftlichen Wandel führen will, in dem Kritik an den herrschenden Zuständen verboten wäre, erklärt sie nicht. Und schon gibt es den ersten Punktabzug für die El Ouassilsche Intelligenz im gesellschaftlichen Wandel.

Die SPIEGEL-Kolumnistin: „Wenn es um Standards geht, die Schädliches regulieren sollen, wird gern ein Panik-Trigger eingesetzt: das V-Wort. Die Verbotsrhetorik passt zur maximalen Individualisierung. Besser macht sie nichts.“ Darauf fällt schon wieder kein Intelligenter herein, weil er von vornherein nicht unterstellt, die Person mit dem F-Wort vor ihrem Namen sei dazu befugt, „besser“ allgemeingültig zu definieren in diesem Zusammenhang. Das ergibt bereits den zweiten Punktabzug für die Person mit dem F-Wort vor „Samira El Ouassil“. Und dieser erneute Punktabzug ist eher „schlechter“ als „besser“. Dabei hat die Person mit dem F-Wort vor ihrem Namen noch gar nicht richtig losgelegt.

Woher kommt diese masochistische Begeisterung, jede Form von Regulierung als Verbot zu begreifen? Das frage ich ganz unpolemisch.„, fragt die F-Wort-El Person sehr polemisch. „Masochistische Begeisterung/jede Form von Regulierung als Verbot begreifen“ ist nun einmal sehr polemisch, auch wenn die F-Wort-El Person behauptet, sie habe ganz unpolemisch gefragt. Bereits an diesem Punkt ihres vor Intelligenz nur so strotzenden Artikels grübelt der Leser, ob die masochistische Begeisterung der F-Wort-El Person für das Kolumnenschreiben jeder Form von Regulierung unterliegen sollte. Und zwar fragt er sich das ebenfalls ganz unpolemisch – und verfügt schon wieder einen Punktabzug. Der SPIEGEL soll übrigens viele Leute entlassen müssen, habe ich heute mit sadistischer Begeisterung gelesen. Wie´s wohl kommt?

Die Gurtpflicht, also die Notwendigkeit, zum eigenen Schutz angeschnallt zu sein, empfindet heute vermutlich niemand mehr als eine Freiheitseinschränkung oder als ein Verbot des unangeschnallten Seins – oder? Woher kommt also dieser Reflex einiger DiskursteilnehmerInnen, ebenso vernünftige Regelungsvorschläge sofort als Verbot zu begreifen?“ – Da haben wir´s doch schon wieder, diese Konzentration auf die Empfindsamkeit, welcher gerade kolumnenschreibende F-Wort-Personen so häufig erliegen. Ob eine Freiheitsbeschränkung vorliegt, ist keine Frage der Empfindung, sondern eine danach, ob eine Freiheitsbeschränkung vorliegt. Da potentiell selbstschädigendes Verhalten durchaus vom Freiheitsbegriff gedeckt ist, handelt es sich bei der Strafandrohung für unangeschnalltes Autofahren selbstverständlich um eine Freiheitseinschränkung. Das ist ganz ohne jede Empfindung so. Deswegen: Der vierte Punktabzug.

Während des Gesprächs zwischen der Transformationsforscherin Maja Göpel und dem Journalisten Jörg Thadeusz in seiner RBB-Show »Talk aus Berlin«, ereignete sich letzte Woche ein etwas hitziger Austausch. Göpel versuchte den Gastgeber von der Sinnhaftigkeit von Ausschlusskriterien für schädliche Produkte zu überzeugen. Bei Babymilch wende man zum Beispiel auch Standards an, durch welche die Produktion reguliert werde – warum also nicht auch bei umweltschädlichen SUVs? Thadeusz fasste Göpels Plädoyer für Qualitätskriterien dann so zusammen: »Das, was sie gerne denkbar hätten, was sie gerne bedacht hätten, wäre, dass man hingeht und sagt: >Liebe Leute, ihr wollt es von alleine nicht einsehen, (…) ihr kauft euch so ein Ding (SUV), das ist sinnlos, ihr braucht es nicht, weil ich euch sage, dass ihr es nicht braucht, es hat Nebeneffekte, die ihr nicht überschaut, deswegen verbiete ich staatlicherseits.<« Da war es wieder gefallen, das V-Wort. Und später in der Sendung erklärte Göpel, dass sie sich von Thadeusz kein »Verbotsregime« in den Mund legen lassen werde.“ – Das Beispiel mit der Babymilch war natürlich perfide gewählt, weil SUV-Käufer meistens keine Babies mehr sind. Es gibt das Konzept der Volljährigkeit. Wer volljährig ist, entscheidet selbst. Babies entscheiden nichts, außer, daß sie schreien sollen, wenn sie etwas wollen. Das passt aber ganz gut zur Linie jener Verbotspartei mit dem G-Wort im Parteinamen. Mit ihrer Forderung, das Wahlalter auf 14 Jahre abzusenken, befinden sie sich durchaus auf einem Weg hin zur Babymilch. Es ist so: Wenn man volljährigen Bürgern den Kauf von SUVs verbieten will, etwa, weil man eine sadistisch verbotsbegeisterte F-Wort-El Person ist, dann könnte man auch verbieten wollen, daß Erwachsene rauchen und saufen. Erwachsene lassen sich ungern erklären, was sie zu brauchen haben und was nicht. Wer gerne durchs Gelände fährt, um Antifanten aus Baumkronen herauszuschießen, der braucht mindestens einen SUV dazu, weil er mit einem 12-Zylinder Ferrari nicht weit kommt. Aber was rede ich: 12-Zylinder Ferraris braucht auch kein Mensch. Wenn man sich überlegt, was der Mensch alles so hat, nur weil er es haben will, ohne daß er es wirklich bräuchte, käme man nicht umhin, den „Streit um gesellschaftlichen Wandel“ einfach beizulegen und fast alles zu verbieten. Veganes Essen und ein schützendes Dach über dem Kopf reichen eigentlich für die gewandelte Gesellschaft, die harmonische. Wer das nicht glaubt, fragt am besten kolumnenschreibende F-Wort-El Personen. Das sind wahrscheinlich die einzigen, die ihm erklären können, warum das doch so ist. „Transformationsforscherin Maja Göpel …“ – meine Fresse. Plädiert für Verbote und will es nicht wahrhaben. Zuletzt ist das auch noch so eine „Expertin“. Sorry, „Expert*In“. Es ist ja nicht so, daß man bei F-Wort-Personen einfach ein bestimmtes Geschlecht voraussetzen dürfte. Das wird sowieso bald verboten. Und dann kann man sich das nicht mehr „erlauben“. Ob es wohl auch „Transdeformationsforscher*Innen“ gibt? Oder „Laienexpert*Innen“?

Verbotsregime – ein machtvolles Wort, an dessen Implikationen sich die Grünen schon seit Jahren öffentlich abarbeiten (müssen). Die Boulevardpresse veranschaulicht wiederholt, wie man mit angeblichen Verboten tagelang und erfolgreich Stimmung machen kann, wenn es zum Beispiel um Schnitzel, Faschingskostüme oder Böller geht.“ – Im Idealfall ist natürlich jedes richtige Wort auch ein machtvolles. „Verbotsregime“ ist ein exzellentes Wort. Und auf die Grünen paßt es bald so gut wie auf Merkel, Spahn & Söder (MSS). Was die Grünen schon alles verboten haben wollten, geht auf keine Kuhhaut. Die AfD hätte schon verboten werden sollen zum Beispiel, was ein erstklassiger Hinweis auf die ineffizienten, weil subjektivistisch gefärbten Verbotsphantasien von Grünen ist. Eine viel größere Menge riesiger Probleme ließe sich nämlich dadurch lösen, daß man die Grünen verbietet. Das wäre ein Verbot, mit dem jeder leben könnte, der nicht gern etwas verbietet. Ein einziges Verbot! Wären die Grünen verboten, müßte niemand mehr Angst vor einem machtvollen „Verbotsregime“ haben. Angst ist nämlich so gesundheitsschädlich wie unzertifizierte Babymilch. Im Grunde ist es sogar so: Wer für ein machtvolles Verbotsregime der Grünen plädiert, sollte besser unangeschnallt gegen den Baum fahren zur Verbesserung des freiheitlichen Frohsinns im furchtlosen Bevölkerungskollektiv. Aber kolumnmenschreibende F-Wort-El Personen können das wahrscheinlich nicht nachvollziehen. Zwei Verbote vielleicht? Die Grünen und den SPIEGEL?

Die kolumnierende F-Wort-El Person im SPIEGEL: „Dieses riesengroße Stoppschild der Verbotsrhetorik verbreitet effektiv Panik vor autoritärem Paternalismus. Doch wenn man sich die Forderungen mal genauer anschaut, erkennt man, dass oft nur über Ampeln gesprochen wird, bei denen wir eben bei Rot stehen bleiben sollen. Ist jede rote Ampel ein Fortbewegungsverbot?“ – Aha, „oft wird gesprochen“ – also nicht „immer“ – und dann die scheinheilige Frage, ob „jede Ampel …“ ein Fortbewegungsverbot sei. Ja, de facto ist jede rote Ampel ein Fortbewegungsverbot. Ob es immer ein sinnvolles Fortbewegungsverbot ist, spielt bei der Frage danach, was die rote Ampel im Prinzip ist, erst einmal keine Rolle. Ein saudämliches Fortbewegungsverbot ist auf jeden Fall diejenige rote Ampel, die kaum Verkehr regelt, weil es so gut wie keinen Verkehr gibt. Ein menschenleeres Provinzstädtchen in der Nacht um halb drei, Ausgangsverbot wegen Coronainfektionsverbot, aber die rote Fußgängerampel am Provinzbahnhof wäre als einzige kein Fortbewegungsverbot? Das soll die F-Wort-El Person einmal einem Intelligenten erklären, warum das so sein sollte. Wenn sie das nicht kann: Punktabzug.

Diese Freiheitsdefinition und die daraus resultierende Verbotskritik schließt jedoch die Frage des Verhältnisses des eigenen Seins zu dem der anderen komplett aus. Sie unterschlägt die Tatsache, dass die individuelle Freiheit jeder und jedes Einzelnen in einer Gesellschaft nur relational und voneinander abhängig funktioniert. Freiheit kann nicht als Folgenlosigkeit der eigenen Entscheidungen gedacht werden, weswegen die eigene Verantwortung nicht aus der Gleichung, was die eigene Freiheit auszeichnet, herausgenommen werden kann. Auch wenn die größten Fans des Wortes »Verbot« eben genau so argumentieren.„- Punktabzüge noch und nöcher. Mir persönlich ist kein Verbotsregime-Feind bekannt, der dafür plädieren würde, kolumnenschreibende F-Wort-El Personen einfach umnieten zu dürfen, weil das angeblich seine Freiheit sei. Vor Nachbars Haustür will auch keiner ein freiheitliches Häufchen setzen. Dennoch ist es im Wesentlichen der Einzelne, der die Grenzen seiner Freiheit akzeptiert, anstatt sich diese Grenzen von außen her ständig weiter engziehen zu lassen. Darum geht es nämlich beim politkorrekten Verbotsfetischismus in sämtlichen Verbotsregimen: Um die systematische Erdrosselung individueller Entscheidungsfreiheit. Es geht auch um die Verhältnismäßigkeit. Dem Einzelnen den SUV verbieten zu wollen, obwohl der kollektive Nutzen eines solchen Verbots rein theoretischer Natur wäre, und zwar umso theoretischer, je größer das Kollektiv als Bezugsgröße wäre, ist hinsichtlich der Wertschätzung für die freie Persönlichkeitsentfaltung des Einzelnen in ihrer Tatsächlichkeit absolut unverhältnismäßig. Verhältnismäßigkeit ist aber eine zu beachtende Größe im Rahmen eines ohnehin schon bedingten Freiheitsideals. Ob sie´s wohl jemals wird begreifen können, die linkskollektivistische F-Wort-El Person?

Klar, denn es funktioniert im politischen und ökologischen Diskurs einfach zu gut als polemischer Panik-Trigger. Dass Göpel etwas genervt auf Thadeusz reagierte, liegt sicherlich am notorischen Versuch, ÖkologInnen, UmweltforscherInnen und AktivistInnen als VerbotsverwalterInnen zu labeln, die alles wegnehmen wollen, was glücklich macht.“ – So, und jetzt kommen wir vor lauter Punkteabzug allmählich ins Punktesoll. Erstens sind ÖkologInnen, UmweltforscherInnen und AktivistInnen ganz ohne Labelung schon VerbotsverwalterInnen, und zweitens gibt es nichts, „was glücklich macht“, sondern es gibt verschiedene Dinge, die verschiedene Leute auf unterschiedliche Weise glücklich machen. Was das jeweils ist, entscheiden diese Leute selbst. Keinesfalls erledigen das irgendwelche VerbotsverwalterInnen ohne Auftrag für sie. Es ist sogar so, daß meinereiner sich strikt weigert, die gestrichen vollen Hosen der Gesichtswindelfetischisten als Maßstab für das zu akzeptieren, wovor er selbst sich zu fürchten hätte. Es gibt keine außergewöhnlich gefährliche „Pandemie“, die in ihrer Gefährlichkeit andere, gänzlich unregulierte Lebensrisiken übersteigen würde. Weswegen sich die Blöden in ihre Hosen scheißen, interessiert mich nicht die Bohne. Die sind halt blöd. Das dürfen sie meinetwegen als ihre Freiheit begreifen. Aber genauso begreife ich es als meine Freiheit, mir die Angst der Blöden nicht zum Maßstab nehmen zu müssen. Blöde gibt es. Und seit „Corona“ weiß ich, daß es viel mehr sind, als ich ursprünglich sowieso schon angenommen hatte. Deswegen ist die Frage nach der eigenen Freiheit nur bedingt abhängig von derjenigen der Anderen. Beantwortet werden muß sie unter anderem auch anhand der Tatsache individueller Verschiedenheit. Daß alle Menschen gleich seien, ist schließlich nicht mehr, als eine verwaltungstechnische Arbeitshypothese – und eine besonders denkfaule dazu. Daß die grünen Verbotsregimenter allesamt ziemlich denkfaul seien, ist dabei noch eine günstige Unterstellung, weil es eine große Wahrscheinlichkeit dafür gibt, daß sie schlicht denkunfähig sind. So schaut´s aus, F-Wort-El Person. Man komme mir nicht aus solchen Kreisen mit einem „Wir“. „Wir müssen“, „wir brauchen“, „wir dürfen nicht“ …

Dabei sollen die angeblichen Verbote gesamtgesellschaftliche Veränderungen herbeiführen, die das Wohl vieler verbessern würden. Aber im gesellschaftlichen Zustand der allgemeinen Vernetztheit von Einzelnen werden die Veränderungen ironischerweise wahrgenommen als Affront gegen das frei konsumierende Ich. Es befürchtet, durch neue Regelungen eine Einschränkung in seiner ökonomischen oder sozialen Selbstvalidierung zu erfahren.“ – Hundertjährige Punktzinsknechtschaft für F-Wort-El Person! Verbote sind Verbote und keine „angeblichen Verbote“! Schwurbel, Schwurbel, Geschwurbel: Die Gesellschaft ist schon „gesamt“. Wenn schon, dann „gesellschaftliche Veränderung“, nicht „gesamtgesellschaftliche“. Die Titanic sank auf dem Atlantik, nicht auf dem Gesamtatlantik. Saudummer Füllwörtertrick zur Gescheitsheitssimulation. Darauf fällt meinereiner nicht herein, F-Wort-El Person vom SPIEGEL. Verbote sind auch nicht dasselbe wie „neue Regelungen“. Sie führen allenfalls zu welchen. Verbote bleiben sie dennoch. „Das frei konsumierende Ich befürchtet …“ – was ist los? Ein einfaches „Ich“ hätte völlig gereicht. Und ich befürchte, daß der kulturelle, der intellektuelle und der materielle Abstieg eines „Deutschlands der subjektivistischen Befindlichkeiten“ schwer mit jenen F-Wort-El Personen-kompatiblen Unverschämtheiten einhergeht, die sich der Intelligente wegen seiner Geduld und seiner Toleranz seit Jahren als „Gedachtes“ andrehen läßt, obwohl es sich immer nur um lächerliche Versuche handelt, das eigene Wollen mit pseudointellektuellem Geschwurbel so zu maskieren, daß man(n) bei F-Wort-El Person und ihren Schwestern die geplatzte Hosennaht im Schritt nicht erkennt. Wo sind „wir“ überhaupt hingekommen? 1. Korinther 14:34 in der Lutherbibel von 1912: „Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt.“ – Da hätten wir endlich mal ein Gesetz, das die Freiheit beschränkt und ein Verbot empfiehlt, was, F-Wort-El Person!? Und prompt paßt es natürlich wieder nicht. Obwohl alle etwas davon hätten.

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