Amtliche Irreführung: Das Versteckspiel mit Intensivkapazitäten und Todeszahlen

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Intensivstation (Symbolbild:Imago/Fotoarena)

Anfang der Woche sorgte in Österreich die Meldung für Aufsehen, dass von den in Oberösterreich in der vergangenen Woche verstorbenen sogenannten 133 Corona-Toten praktisch alle, nämlich 131 Personen, dokumentierte und teilweise schwere Vorerkrankungen hatten; die übrigen beiden Fälle betrafen einen 85-jährigen und einen 91-jährigen, bei denen die medizinischen Akten unvollständig waren. Das Durchschnittsalter aller Verstorbenen lag bei 81,8 Jahren – und damit oberhalb der natürlichen Lebenserwartung. In Deutschland sähen die Zahlen mit Sicherheit nicht anders aus.

„Sähen“ deswegen, weil hierzulande nach wie vor oft nur vorsätzliches Stückwerk, manipulierte oder passend zurechtgebogene Teilangaben und statistische Halbwahrheiten publiziert werden, mit denen die Sorge der Bevölkerung aufrechterhalten wird und eine völlig irrationale Gefahreneinschätzung erzeugt wird, die in groteskem Missverhältnis zu sonstigen allfälligen Gesundheitsrisiken steht. Die Narrative wie „immer wieder auch jüngere Menschen“, „nicht vorerkrankte Fälle“ oder „nicht nur für Risikopatienten tödlich“ wird stetig durch plakative Einzelfallschilderungen weitergetragen – die Datenbasis gibt dies nicht her.

„Bild“ hatte die Toten der ersten Novemberhälfte am Wochenende bekanntlich detailanalysiert (Jouwatch berichtete) und dabei festgestellt, dass nur 4 Prozent aller Corona-Toten in diesem Zeitraum unter 60 Jahren waren, zwei Drittel jedoch über 80 Jahren. In Österreich war es der „Wochenblick„, der vorgestern die amtlichen Corona-Todesmeldungen vom 24.11. bis 30.11. auswertete: Die mit 101 Jahren älteste „Corona-Tote“ hatte, wie sich herausstellte, hierbei ebenso Eingang in die Todesstatistik gefunden wie 32 in Altersheimen und Hospizen verstorbene Personen – und fünf zuhause Entschlafene. Auch in Österreich gilt laut Gesundheitsministerium dieselbe, den WHO-Vorgaben folgende Definition von „Corona-Toten“, die auch das RKI in Deutschland anwendet: „Jede verstorbene Person, die zuvor COVID-positiv getestet wurde, wird in der Statistik als ‚COVID-Tote/r‘ geführt, unabhängig davon, ob sie direkt an den Folgen der Viruserkrankung selbst oder ‚mit dem Virus‘ (an einer potentiell anderen Todesursache) verstorben ist.“

Wer stirbt tatsächlich „an“ und nicht bloß „mit“?

Umso wichtiger wäre daher auch in Deutschland zu erfahren: Wer stirbt tatsächlich an Corona? Wer ist tatsächlich ursächlich und schwer an Covid erkrankt? Und vor allem: Wer sind die Patienten, die mit Corona auf der Intensivstation liegen? Bei der Beantwortung dieser Schlüsselfragen wird jedoch unerklärlicherweise gemauert, getrickst und desinformiert, was das Zeug hält. Dies musste „B.Z.„-Starkolumnist Gunnar Schupelius jetzt erfahren, als vom Berliner Senat genau dies wissen wollte und eine Presseanfrage dazu stellte, um wen es sich bei den (Stand Sonntag, 29. November) in Berlin aktuell behandelten „320 Menschen mit Corona-Infektionen auf den Intensivstationen“ eigentlich handelt.

Bekanntlich wird Berlin seit Tagen als abschreckender Hotspot dargestellt, in dem ein Zusammenbruch der Versorgung kurz bevorstehe; besonders die Meldung macht vielen Angst, dass 255 der Berliner Corona-Intensivpatienten so schwer erkrankt seien, dass sie künstlich beatmet werden müssen. „Informationen darüber, wer dort eigentlich liegt, gibt es aber gar nicht„, bemängelt Schupelius. Hintergrund seiner Anfrage war daher folgende Überlegung: Wenn man wüsste, wo sich die Betroffenen angesteckt haben und warum und unter welchen Umständen, dann könnte man gefährdete Menschen besser schützen.

Hierzu wiederholte die „B.Z.“ eine bereits am 19. November gestellte Presseanfrage an SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci – erhielt jedoch auch weiterhin keine Antwort. Weder dazu, was das durchschnittliche Alter der Corona-Intensivpatienten sei, ihr Körpergewicht und ihren zusätzlichen Neben- und Vorerkrankungen, wurde irgendeine Auskunft gegeben, ebensowenig wie darüber, wo sie wohnen, welche Staatsangehörigkeit sie haben und – vor allem – wo sie sich angesteckt haben, ob sie die AHA-Regeln eingehalten hatten bzw. welcher potentiellen Virenlast sie ausgesetzt waren.

Das Schweigen des Berliner Senats

Die Geheimniskrämerei der Behörden interpretierte die Zeitung so, dass die Gesundheitssenatorin selbst keine Ahnung hat, weil die Daten der Intensivpatienten offenbar nicht ausgewertet würden – obwohl man anhand dieser Erkenntnisse Risikogruppen und Risikosituationen eingrenzen und besonders gefährdeten Menschen gezielt schützen könnte; schließlich wird der Lockdown ja mit einer drohenden Überlastung der Intensivstationen begründet, so Schupelius.

Hier muss man ihm allerdings entgegnen: Es ist gewiss nicht so, dass die Behörden keine Ahnung haben – sondern vielmehr so, dass sie die Wahrheit verschweigen wollen, ja müssen, weil ansonsten die öffentliche Akzeptanz für die Corona-Maßnahmen schlagartig in den Keller rauschen würde. das Pandemie-Konzept könnte wie ein Kartenhaus zusammenstürzen, wenn sich plötzlich herausstellen sollte, dass die tatsächliche Situation auf den Intensivstationen eben nicht schlimmer ist als bei saisonalen Grippewellen der Vergangenheit (wo es ebenfalls Beatmungsfälle gab) – und dass das Virus bei vielen womöglich gar nicht ursächlich für die intensivmedizinische Behandlung ist. (DM)

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