Abgesagtes Schulprojekt „Kalb-Schlachtung“: Demnächst Schächten als Unterrichtsfach?

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(Symbolbild:Imago/Penofoto)

Eine Kampagne von Tierschützern führte dieser Tage dazu, dass im Walddörfer Gymnasium in Hamburg-Volksdorf die Schlachtung eines 18 Monate alten Stierkalbs als „Schulprojekt“ in quasi letzter Sekunde abgeblasen wurde. Vorgesehen war ursprünglich, dass 18 Gymnasiasten der Schlachtung des Tieres namens „Goofy“ zu Lernzwecken beiwohnen sollten –  als Teil eines landwirtschaftlichen Kooperationsprojektes mit dem Museumsdorf Volksdorf, durch das „dem Fleisch ein Gesicht“ gegeben werden sollte. Hätte die Schulklasse ihr Projekt zu Ende bringen wollen, wäre sie besser beraten gewesen, dieses mit Riten der „Religion des Friedens“ zu begründen… 

Ob der ursprünglich löbliche Ansatz, Jugendlichen ein Verständnis und Wertschätzung für traditionelle regionale Fleischproduktion fernab der Massentierhaltung zu vermitteln, tatsächlich Teil des Schulunterrichts sein sollte, war von Anfang an umstritten. Ebenso wie absehbar war, dass ein Shitstorm dem Vorhaben entgegenschlagen würde, sobald dieses öffentlich bekannt würde. Die Klasse selbst hatte das im Zillertal geborene Kälbchen speziell für das Unterrichtsprojekt vor 18 Monaten „vorm Schlachter gerettet„; seitdem Jahre kümmerte sich die Klasse liebevoll um das Tier, verfolgte dessen artgerechte Haltung und sein beobachtete sein Aufwachsen – bis zur eigentlich beabsichtigten traditionellen Hofschlachtung. Das Projekt wurde sogar vom Landwirtschaftsministerium ausgezeichnet. Wie „Focus“ unter Berufung auf die Schulleitung berichtet, hätte sich aus diesen Gründen auch innerhalb der Schulklasse keinerlei Widerstand gegen die Tötung des Tieres geregt: Dessen Schlachtung wäre „für alle in der Klasse ein herausfordernder und akzeptierter Teil des Lebens auf einem landwirtschaftlichen Hof“ gewesen.

Auch wenn der grundsätzliche Ansatz tierethisch löblich und im Interesse einer Rückbesinnung auf natürliche, artgerechte Viehhaltung wegweisend gewesen sein mag – in Deutschland ist der infantile und verbohrte Widerstand von teilweise militanten Tierschützern zwingend vorprogrammiert, wo immer tierische Todeskandidaten durch Bilder und Namen ins Visier einer vermenschlichenden Sichtweise geraten; dies selbst dann, wenn das Projekt im Ergebnis ja für ein gesteigertes Bewusstsein für Tierrechte eintrat und vermitteln sollte, dass auch Schlachttiere Würde haben. Eigentlich wäre all dies dem Tierschutz letztlich sogar absolut zuträglich – doch der symbolische Ruf nach Rettung des individuellen „Opfertieres“ übertönte bald alle anderen Stimmen. Wie „Focus“ schreibt, bot etwa der „Lebenshof Butenland“ an, „Goofy“ in seine Rinderherde aufzunehmen. Eine Onlinepetition zur Rettung des Jungstiers erreichte mehr als 11.000 Unterstützer. Zudem wurde die Schule mit – teilweise drohenden –  Mails überflutet.

„Projektziel Islam“ zieht besser als „artgerechte Bio-Haltung“

Resigniert blieb dem Schulleiter schließlich nur noch übrig zu erklären, „massive Verurteilungen und Anfeindungen“ hätten keinen Raum mehr für eine „fruchtbare und kontroverse Auseinandersetzung innerhalb des Projekts“ gelassen – weshalb dieses vorzeitig gestoppt wurde. Der Abbruch sie unter dem Protest des Museumsdorfes Volksdorf erfolgt, „das das Projekt wie vereinbart gerne zu Ende führen wollte“. Überraschend war dieser Ausgang nicht.

Vielleicht hätte die Schule sich vorher besser schlau machen sollen, wie man sich PR-mäßig frühzeitig gegen Anfeindungen immunisiert: Wer im Deutschland des 21. Jahrhunderts ein solches Projekt zu Ende führen will, der muss dieses unter sakrosankte Vorzeichen stellen, die sogar Tierschützer zum Schweigen bringen – etwa als Projekt des „gelebten Islam“: Dann wäre sogar eine Schächtung des Tieres bei vollem Bewusstsein vermutlich problemlos über die Bühne gegangen – weil ja jede Form von Protest und Widerstand dann als islamophob, rassistisch und rechtspopulistisch tabuisiert worden wäre. Vermutlich handelte es sich bei der das Volksdorfer Schulprojekt begleitenden Klasse dummerweise aber um eine der wenigen Ausnahmen im Land, wo muslimische Schüler noch nicht in nennenswerter Anzahl vertreten waren. In einigen Jahren wird sich das ändern – und dann wird sich auch niemand mehr über ein getötetes Halal-Schlachtvieh aufregen. Wallah! (DM)

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