Was Journalismus ist, bestimmen wir: Der DJV als Stiefellecker des Linksstaats

Durch die linke Linse: DJV-Distanzeritis von freien Journalisten (Foto:Imago/FutureImage)

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) erweist sich wieder einmal als würdiger geistiger Nachfolger der Reichsschrifttumkammer: In einem Kommentar auf der eigenen Webseite distanziert sich der Verein – ganz zum Wohlgefallen der Altparteien und Regierungsmehrheit im Bundestag – von „rechten Medienaktivisten“, denen unterstellt wird, sie betrieben „das Gegenteil von Journalismus“. Unter letzterem versteht man beim DJV offenbar nur noch unkritische Ergebenheitsadressen und Haltungsstatements im Sinne des politischen Mainstreams.

Aufhänger dieses jüngsten Positionsbekenntnisses des DJV, das durchaus als eine Art Ergebenheitsadresse an die Mächtigen gelesen werden kann, war natürlich die angebliche „Einschleusung“ von Bürgern ins Reichstagsgebäude vergangenen Mittwoch, die – so die Darstellung des DJV (wie auch fast aller etablierten Medien) – „Bundestagsabgeordnete anpöbeln und sich dabei filmen„. Dass hier schon der Plural falsch ist, da sich nur eine Person namens Rebecca Sommer bei einer solchen Konfrontation gefilmt hatte (und zwar mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier): Schwamm drüber. Rebecca Sommer allerdings ist sehr wohl Journalistin und zudem im Besitz eines Presseausweises – wenn sie auch nicht über den DJV akkreditiert ist, sondern für alternative Medien arbeitet. Letzterer Umstand genügt anscheinend schon, um bei den Systemschranzen aus Frank Überalls medialem Mitläuferclub verkackt zu haben.

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Auf den Demos gegen die Corona-Maßnahmen seien, weiß man beim DJV, „Personen unterwegs, die sich mit bunten Pappkarten als ‚Presse‘ ausgeben„, und auch wenn diese sich so nennten – „Journalist*innen sind das nicht„. Deshalb muss vermutlich jeder, der einen kritischen Standpunkt gegen das De-facto-Ermächtigungsgesetz von letzter Woche vertritt, automatisch ebenfalls ein Fake-Journalist sein – welch bestechende Logik! Auch dieser Satz lässt tief blicken: „Seriösen und unabhängigen Journalismus fürchten und bekämpfen die Rechtspopulisten und Rechtsextremen wo es nur geht.“ Die Pauschalverdammung von Grundrechtsdemonstranten, Groko-Gegnern und inner- wie außerparlamentarischer Opposition durch solche Hetzattribute ist zwar ebenso unjournalistisch wie unprofessionell, aber was ist von Pressefunktionären schon zu erwarten, deren ganzer Eifer in Zeiten der weitreichendsten Grundrechtseinschränkungen durch die Regierung der Verleumdung und Lächerlichmachung freier, kritischer Medien gilt?

Nonsens mit Gendersternchen

Der Autor des DJV-Kommentars bringt mit seinen Tiraden vor allem eines zum Ausdruck: Dass er beim exzessiven Gebrauch des Gendersternchens aufgepasst hat; ansonsten ist sein Beitrag nämlich vom ersten bis zum letzten Satz vergessenswert. Da heißt es etwa: „In seinem Kommentar in der FAZ vergleicht Michael Hanfeld Journalist*innen mit Akupunkteur*innen und Yoga-Lehrer*innen. Was weit hergeholt scheint, ergibt in dem gewählten Zusammenhang durchaus Sinn. Denn das sind alles Berufsbezeichnungen, die nicht geschützt sind. Anders als beispielsweise bei Ärzt*innen, Architekt*innen oder Rechtsanwält*innen darf sich jeder „Journalist*in“ nennen, eine Zugangsbeschränkung zum Beruf gibt es aus guten Gründen nicht.“ Diese definitorische Beliebigkeit schmeckt dem DJV natürlich nicht: Am liebsten würde er selbst exklusiv darüber bestimmen, wer und was „Journalist“ sein darf – oder eben nicht. Obwohl es, nota bene, bislang gar keine Zertifizierung für Hofberichterstattung gibt…

Richtig bizarr liest sich das, was der DJV Sommer vorwirft (die sich zwar im Nachsatz, unhörbar für Altmaier und auch nicht für die Öffentlichkeit gedacht, emotional zu einigen kreativen Flüchen à la „Wandabe-König“ hatte hinreißen lassen): Was sie da geboten habe, sei „Propaganda unter Ausnutzung der Meinungs- und Pressefreiheit.“ Zu komisch: Das äußert ausgerechnet ein Verband, der die wohl unkritischsten, devotesten und angepasstesten Journalisten repräsentiert, die seit 30 bzw. 75 Jahren auf deutschem Boden wirkten – und bei denen von journalistischer Unabhängigkeit übrigens nicht annähernd mehr die Rede sein kann, so alimentiert von Zwangsgebühren, NGO-Spenden und zunehmend auch von Staatsgeldern, wie sie heute nahezu alle sind. Herzhaft lachen kann man daher nur über folgenden Satz: „Journalist*innen achten darauf, dass ihre journalistische Arbeit und ihre Veröffentlichungen nicht durch private, politische oder wirtschaftliche Interessen beeinflusst werden.“ (DM)