Von wegen „Pobacken zusammenkneifen“: IHK-Neujahrsempfang mit 250 Personen – und Festredner Jens Spahn

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Spahn (r.)., hier mit seinem Gatten Daniel Funke (Foto:Imago/Pop-Eye)

Während runde Geburtstage, Familienfeste, Hochzeiten, Firmenjubiläen und voraussichtlich sogar Weihnachten alle einer psychotischen Corona-Politik zum Opfer fallen, gelten für die Großkopferten und Eliten in dieser Pandemie natürlich weiter Sonderregeln – und seit sich Möchtegern-Gesundheitsdiktator Jens Spahn sogar mit Parlamentssegen wie ein Sonnenkönig aufführen darf, fallen alle Anstandsgrenzen: Unbeirrt von der anstehenden Lockdown-Verlängerung soll am 7. Januar der IHK-Neujahrsempfang in Köln stattfinden – mit Spahn als Ehrengast.

Anscheinend gilt die (hoffentlich nicht wörtlich an Jens Spahn gerichtete) Empfehlung von RKI-Präsident und Tierarzt Lothar Wieler, man müsse noch eine Weile „die Pobacken zusammenkneifen„, nicht für Honoratioren, die den erfolgreichen Jahresauftakt stilvoll feiern wollen: Weil der Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer zu Köln „eine lange Tradition“ hat und die Einladung zu selbigem enorm prestigeträchtig ist, soll es ihn auch Corona zum Trotz Anfang des kommenden Jahres geben: Kölns IHK-Präsidentin Nicole Grünewald will laut „Kölner Express“ an dem Termin festhalten.

Wen juckt es da, dass seit 2. November alle Kneipen, Restaurants, Sport- und Freizeiteinrichtungen mal wieder geschlossen sind: Wenn die IHK zum festlichen Neujahrsempfang lädt, wird im Börsensaal ein Drei-Gänge-Menü aufgefahren – auch wenn ringsum die Welt in Chaos versinkt. Und klar, dass ein instinktloser, unsensibler und offenbar dem Größenwahn verfallener Bundesminister wie Jens Spahn nichts dabei findet, hier als Festredner aufzutreten. Wer Entscheidungen verantwortet, die 7-10 Millionen Deutschen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bescheren und hunderttausende Unternehmen zerstören, zur selben Zeit jedoch mal eben eine Villa für 4,2 Millionen Euro erwirbt, der hat auch kein Problem damit, großbürgerlich mit 250 geladenen Gästen zu feiern – während der Rest des Landes seine Ratschläge befolgen soll, dringend zu Hause zu bleiben und Kontakte zu vermeiden.

Nur immer weiter so! Mit symbolischen Akten dieser Sorte wird die immer wieder voranschreitende und vorsätzlich vertiefte Spaltung der Gesellschaft noch mehr beschleunigt. Wie die Kölner Wirtschaft, wenn die Insolvenzen heftiger als jedes abgesagte Silvesterfeuerwerk einschlagen werden, auf das deplazierte Repräsentationsbedürfnis ihrer IHK reagiert, darüber kann man nur spekulieren; Spahn jedenfalls und sein bourgeoises Feier-Establishment sollten ihre große Zeit genießen, bevor sie abläuft. Wenn das Erwachen einsetzt, was in diesem Land ohne Notwendigkeit angerichtet wurde, wird man nicht nur seine Hauptverantwortung, sondern auch sein Verhalten in dieser Pandemie neu bewerten. Dann allerdings wird sich dieser Wunderknabe der deutschen Politik beeilen müssen, Land zu gewinnen. (DM)

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