Typisch Bundesregierung: Weil der Lockdown nichts bringt, soll er verlängert werden

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Corona-Kino; Foto: © jouwatch
Corona-Kino; Foto: © jouwatch

Preisfrage: Wie lange dauert es noch, bis auch der in Panik zusammengeschweißten „Mehrheit der Volksgemeinschaft“ und der Corona-Politik irgendwann dämmert, dass alle noch so drastischen staatlichen Maßnahmen ganz offenkundig überhaupt keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben? Wie weit müssen die Zahlen noch steigen oder wie lange noch auf dem hohen Niveau verharren, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass der Lockdown daran ganz offenkundig nichts ändert – zumindest jedenfalls nicht annähernd so signifikant, dass damit die durch ihn angerichteten Schäden in Kauf zu nehmen sind?

Wenn nun, nach fast drei Wochen, schon wieder mehr als eine komplette Inkubationsperiode selbst bei maximal angesetzter Länge durchlaufen wurde, seitdem der zweite Lockdown in Kraft trat, und die Zahlen sogar wieder über denen der Vorwoche liegen, dann ist damit zumindest evident erwiesen, dass Selbiger keinen Sinn macht. Zwar rechtfertigen Gesundheitsminister Jens Spahn und das Robert-Koch-Institut (RKI) nun – opportunistisch und wendig wie eh und je – die Maßnahmen mit dem angeblichen „Erfolg“, zumindest sei das exponentielle Wachstum gestoppt worden. Doch erstens war die Entwicklung auch in der Woche unmittelbar vor dem Lockdown nicht exponentiell gewesen, und zweitens war es erklärtes Ziel der Regierung, mit den neuen Einschränkungen die Inzidenzen deutlich zu drücken – so sehr, dass wieder eine „lückenlose“ Kontaktnachverfolgung möglich sei (dies ohnehin eine Illusion, da es zu jedem Zeitpunkt eine erhebliche Dunkelziffer an Infektionen gab).

Nun sitzen die großen Corona-Strategen wieder einmal mit staunenden Mündern über den ihnen vom RKI präsentierten Zahlen – die es, wenn die eigenen Willkürbeschlüsse von Ende Oktober für den „Lockdown Light“ auch nur das Geringste bewirkt hätten, gar nicht geben dürfte: Heute am frühen Morgen waren 22.964 Corona-Neuinfektionen gemeldet – 2,2 Prozent mehr als vor einer Woche. Dass es sich hierbei um die Folge eines nach wie vor zu unvorsichtigen oder leichtsinnigen Verhaltens der Deutschen handeln soll, die trotz der neuen „Nullrunde“ im öffentlichen Leben weiterhin an „infektiösen“ Verhaltensweisen festhielten, ist kaum realistisch anzunehmen – bei all den drohenden (und auch verhängten) Bußgeldern und Strafvorschriften.

Nein, im Gegenteil: Alle halten sich daran, und dennoch bleibt der Erfolg aus. Wenn aus dem neuerlichen Herunterfahren des Alltagslebens samt in Kauf genommenen Branchenruin im November ein erstes Fazit gezogen werden kann, dann dieses: Die staatlichen Interventionen scheinen keinerlei Effekt zu zeitigen – und zwar weltweit. Überall auf der Welt schießen die Zahlen wieder nach oben, und überall gibt es andere Maßnahmen, längere oder härtere Lockdowns – doch nichts davon hilft. Allein innerhalb Europas führt der unterschiedliche Mix verschiedener Restriktionen der einzelnen Länder zur keinen nennenswerten Unterschieden; eine Trendwende scheint vom politischen Handeln weitgehend unbeeinflusst. Folgende Grafiken – einmal über die aktuelle Covid-19-Erkrankungskurven ausgewählter EU-Staaten, einmal über die geltenden Corona-Regeln – beweisen dies eindrucksvoll:

Quelle: CDC Europe

 

Quelle: BR24

Eigentlich würde man von verantwortungsbewussten Regierungen, die zumindest eine „Schadenminderungspflicht“ ihrer Politik zugrundelegen müssen, hier ein Innehalten und Umdenken erwarten, das auch die Inbetrachtziehung unorthodoxer Ansätze nicht ausschließt – etwa die Frage, ob die hohen Fallzahlen nicht womöglich doch auf einem methodischen Messfehler basieren – dergestalt nämlich, dass die meisten „Inzidenzen“ gar keine echten aktiven Infektionen abbilden, sondern einen erheblichen Anteil falsch-positiver Testergebnisse; oder gar die Überlegung, dass es sich bei der gegenwärtigen Welle schlichtweg um die alljährliche saisonale Grippe handelt, die sich in diesem Jahr eben durch Corona manifestiert (zu letzterer Annahme passt, dass die gewöhnliche Influenza im Winter 2020/21 so wie ausgestorben scheint).

Doch unbeirrt meint man, die Lösung läge in der Devise „viel bringt viel, mehr bringt noch mehr“ – und will noch eine Schippe drauflegen, sowohl was die Schärfe der Maßnahmen als auch deren zeitliche Dauer anlangt. Gestern mache die Schlagzeile die Runde, dass die Bundesländer bereits eine Verlängerung des Lockdowns, womöglich sogar mit noch härteren Ausprägungen, bis zum 20. Dezember planen. Und wenn dann „das Infektionsgeschehen nach Weihnachten nicht im Griff“ ist, sollen zudem nach Willen der SPD-geführten Länder und einiger CDU-Länder die Winterferien bundesweit bis 10. Januar verlängert werden. Merkel reicht dies noch nicht: Sie will gleich eine Langfrist-Strategie bis in den Januar hinein. Da etwa zu dieser Zeit – zumindest so die projektierte Planung – auch schon die ersten Impfdosen eingekauft sind und die ersten Impfzentren ihre Arbeit aufnehmen sollen, kann man davon ausgehen, dass uns die Kanzlerin erst vom Haken lässt, wenn es den erlösenden „Schuss für alle“ gibt. Mit unsäglicher Arroganz ließ sich Merkel zu der gnädigen Inaussichtstellung weihnachtlicher Lockerungen herab – aber nur bei guter Führung:

(Screenshot:Twitter)

Die Mehrheit der Bevölkerung hat erschütternderweise aufgehört, den Wahnsinn solcher regierungsamtlicher Anmaßungen zu erkennen geschweige denn zu hinterfragen. Dass Deutschland wieder zu einem Land werden könnte, in dem die Regierung darüber entscheidet, welche „Freiheiten“ dem Volk zustehen, wäre noch vor acht Monaten ganz unvorstellbar gewesen. Angst und die Macht der Gewohnheit haben den Deutschen ihren demokratischen Sensus genommen – und ihr ziviles Rückgrat gebrochen.

Abgesehen von möglichen Erleichterungen über die paar Festtage, die tatsächlich noch unwahrscheinlicher sein werden als weiße Weihnachten, werden jedoch die Daumenschreiben munter weiter angezogen: An Winterferien ist ohnehin nicht zu denken. Familienzusammenkünfte zur Adventszeit wären nicht nur illusorisch, sondern geradezu halluzinatorisch zu nennen; Silvester ebenfalls – ein Böllerverbot wird uns höchstwahrscheinlich als Sahnehäubchen zum Jahresausgleich obendrauf kredenzt werden. Und noch früher, wohl schon ab der nächsten Woche, blüht uns eine Ausweitung der Mund-Nasen-Bedeckung sowie eine erneute Verschärfung der Kontaktbeschränkungen. Im Gespräch ist derzeit außerdem, dass die derzeitigen Obergrenzen für Feiern in privaten und öffentlichen Räumen deutlich nach unten geschraubt werden.

Die Schizophrenie all dieses Aktionismus ist jedoch, dass weiterhin alltägliche Situationen, in denen nach Logik der Pandemiebekämpfer eigentlich ein „Superspreading“ vorprogrammiert ist, erlaubt bleiben – aus Gründen der Systemrelevanz und Alternativlosigkeit: Vollbesetzte Züge, Busse, Straßenbahnen; überfüllte Bahngleise und Haltestellen; Abstandsunterschreitung am Arbeitsplatz und in den weitergeöffneten Kitas und Schulen. All die Argumente, damit müsse man nun eben leben, wolle man nicht das ganze Land erneut lahmlegen wie im Frühjahr, sind aus virologischer Sicht keine, wenn man Lockdowns grundsätzlich für ein Mittel der Wahl hält.

Schizophrenie des Aktionismus

Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, und so ist es auch mit dem gesamtgesellschaftlichen Infektionsrisiko: Wer in Schulen und Verkehrsmitteln das millionenfache Unterschreiten von Abstandsregeln billigt, kann auch gleich den Rest des Landes öffnen – vor allem die Gaststätten und Dienstleister mit ihren ausgetüftelten Hygienekonzepten. Nicht umsonst wächst der Unmut von Gastronomen und Anbietern des Sport-, Unterhaltungs- und Freizeitgewerbe, die auf diesen eklatanten Widersinn hinweisen.

Doch davon will die Bundesregierung nichts hören. Stattdessen hält sie an ihrem verrückten Kurs fest, das gesamte Sozial- und Freizeitleben der Menschen zu killen, weil dieses angeblich „verzichtbar“ sei – während für Lern- und Erwerbstätigkeit Ansteckungsrisiken in Kauf genommen werden. Nicht einmal die Halbierung der Schulklassen soll kommen, weil dafür „schlicht Räume und Lehrer“ fehlten, wie es hieß. Allenfalls für Oberstufen- und Berufsschüler soll der Präsenzunterricht noch weiter heruntergefahren werden.

Eine wirklich verantwortungsvolle Politik würde endlich zu einem Strategiewechsel übergehen, der zwischen Risikogruppen und weniger gefährdeten Personen differenziert – sowohl was die Schutzmaßnahmen, als auch was die Auswertung der Fallzahlen anlangt. Die reine Fokussierung auf absolute Inzidenzzahlen (selbst wenn man unterstellt, jeder Positivgetestete sei tatsächlich ein „Infizierter“) ist nicht zielführend – weil sie nichts darüber besagt, welche Belastungsrisiken sich daraus für das Gesundheitssystem ergeben. Wenn von aktuell 300.000 Infizierten 95 Prozent asymptomatisch sind und keiner Risikogruppe angehören, ist dies weit harmloser, als wenn von 50.000 Infizierten die Hälfte Vorerkrankte und Hochbetagte wären. Es wird höchste Zeit, dass das Verwirrspiel mit irreführenden Zahlen endet. Vor allem aber – am wichtigsten! -, dass all jene Maßnahmen sofort beendet werden, die offensichtlich und erweislich nichts bewirken. (DM)

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